Eureka nennt diese Mühle Casa, also Zuhause. Und der Name leitet – so finden wir – nicht auf das stärkste Einsatzfeld der Mühle hin. Die W65 Casa ist eine Grind-by-Weight-Mühle mit 65-mm-Atom-Mahlwerk, sie ist groß, kräftig und schnell, und sie kostet mit rund 1.000 Euro für das, was sie kann, erstaunlich wenig. Nur ist sie unserer Meinung nach gar keine Mühle fürs Wohnzimmer. Wir haben sie nach unserem Testprotokoll für Espressomühlen vermessen, und an einem einzigen Wert entscheidet sich, für wen sie taugt: dem Totraum. Michel und ich sind uns bei dieser Mühle übrigens nicht ganz einig geworden. Aber der Reihe nach.
Wie immer haben wir die Mühle selbst gekauft. Alle Messwerte stammen aus unserem KM-Testprotokoll für Espressomühlen. Getestet und verkostet haben wir mit unserem Apas Espresso, dem trocken aufbereiteten Kaffee aus Brasilien der APAS-Kooperative, den wir aus unzähligen Tests kennen.
Eine kleine Atom im Kunststoffkleid
Im Kern ist die W65 Casa eine Eureka Atom, nur etwas einfacher gebaut. Gespart wird am Gehäuse: Der Displayaufsatz besteht aus Kunststoff, und auch der mitgelieferte Hopper ist nicht das teuerste Bauteil. Alles andere ist massiv und hochwertig verarbeitet. Die Siebträgerhalterung gefällt uns besonders gut. Sie lässt sich über zwei Kreuzschrauben justieren, und da geht wirklich jeder Siebträger rein, sogar der hohe, schräg stehende Maro, weil die Mühle genug Bauhöhe mitbringt. Wo genau Eureka gespart hat, fällt im Alltag kaum ins Gewicht. Für rund 1.000 Euro bekommt man hier eine Menge Mühle.
Groß ist sie allerdings. Mit dem kleinen Hopper messen wir 43 Zentimeter Höhe, dazu 18 Zentimeter Breite und 19 Zentimeter Tiefe. Der Stecker sitzt seitlich und verlängert die Tiefe nicht. Setzt ihr den großen Hopper auf, wächst sie noch einmal deutlich in die Höhe. Wer sie unter einen Hängeschrank stellen will, sollte vorher messen. Die 10 Kilogramm Gewicht sorgen dafür, dass beim Mahlen nichts wackelt.
65-mm-Atom-Mahlwerk und Grind by Weight
Das Herzstück ist ein 65-mm-Flachmahlwerk aus gehärtetem Stahl, das klassische Atom-Mahlwerk. Angetrieben wird es von einem rund 280 Watt starken Motor, also der kleineren Variante gegenüber der großen Atom W 65 mit 430 Watt. An der Mahlleistung ändert das wenig. Für 18 Gramm braucht die Mühle im Protokoll 10,5 Sekunden, bei dunklen, spröden Bohnen sinkt das in der Praxis auf sieben bis acht Sekunden. In 10 Sekunden wirft sie 30 Gramm aus. Ein solider Mittelwert, der schon am schnelleren Rand kratzt.
Die eigentliche Attraktion ist Grind by Weight. In der Siebträgergabel sitzt eine Waage, die während des Mahlens wiegt und den Motor exakt beim Zielgewicht stoppt. Ihr hängt den Siebträger ein, die Mühle tariert und mahlt los, bis die programmierte Menge im Sieb liegt. Kein Knopf, keine externe Waage, keine Zeitschätzung. Bis zu drei Portionen lassen sich hinterlegen, dazu ein manueller Modus. Für die Gastronomie ist genau das Gold wert, und darauf kommen wir gleich zurück.
Wie schon bei den alten Mignon Specialità ist das Verstellrad klein und lässt sich nur mühsam fein justieren. Ein Klick verändert die Extraktion in eher großen Schritten und zwischen den Rastpunkten liegt viel. Wir wünschen uns von Eureka seit Jahren ein größeres Rad über das ganze Portfolio hinweg. Das wäre ein größerer Fortschritt als manches neue Modell. Findige Bastler drucken sich dafür bereits 3D-Aufsätze.
Schnell, leise und trotzdem kühl
Trotz der Geschwindigkeit bleibt die Casa leise. Wir messen 79,6 Dezibel, damit gehört sie zu den leiseren Mühlen im Feld. Geschwindigkeit und Lautstärke gehen hier nicht auf Kosten des jeweils anderen, was nicht selbstverständlich ist. Auch thermisch gibt es nichts zu meckern. Das Mahlgut bleibt im Mittel bei rund 29 Grad und damit unter der Schwelle, ab der Wärme dem Kaffee schadet. Selbst unter Last heizt die Mühle nicht auf. Das ist vorbildlich und einer der Gründe, warum sie viele Bezüge hintereinander wegsteckt.
Konstanz: für eine GBW etwas zu viel Spiel
Hier zeigt sich die erste Schwäche, und sie fällt ausgerechnet dort auf, wo man sie bei einer GBW nicht erwartet. Über 15 Mahlungen liegt die Standardabweichung bei 0,21 Gramm. Wir zielen auf 18 Gramm und landen mal bei 17,7, mal bei 18,2. Das ist in Ordnung, aber von einer Mühle mit integrierter Waage wünschen wir uns mehr. Zeitgesteuerte Mühlen mit sauberer Kalibrierung sind da teils präziser.
Warum dann überhaupt Grind by Weight? Weil der Vorteil woanders liegt. In der Gastronomie verstellt ihr über den Tag ständig den Mahlgrad, weil sich Luftfeuchtigkeit und Bohne verändern. Bei einer Zeitdosierung müsstet ihr dann jedes Mal auch die Zeit nachjustieren und nachwiegen. Bei der GBW bleibt nur eine Stellschraube: der Mahlgrad. Die Menge macht die Mühle. Und dann sind 17,7 oder 18,2 Gramm zwar nicht perfekt, aber immer noch viel näher am Ziel, als wenn ihr euch bei verschobener Zeit plötzlich bei 17 Gramm wiederfindet.
Der Zwischenspeicher: 19 Gramm - VIEL ZU VIEL
Jetzt zum Punkt, an dem sich für uns alles entscheidet. Der absolute Totraum liegt bei 19,3 Gramm. Davon sind nur 0,9 Gramm permanent, der große Rest von 18,4 Gramm ist temporärer Totraum. Das ist gemahlener Kaffee, der nach einer Mahlung im Mahlwerk liegen bleibt und darauf wartet, beim nächsten Mal ausgeworfen zu werden. Anders gesagt: Da liegt ständig ein ganzer doppelter Espresso in der Mühle, eine Art Notreserve. Die Schweiz hatte für Krisenzeiten ein Kaffeelager angelegt. Stellt euch die W65 Casa als kleine private Variante davon vor.
Für den Betrieb heißt das: Wollt ihr morgens den ersten Shot beziehen, müsst ihr erst eine ordentliche Doppelportion totraumleer mahlen, bis frischer Kaffee kommt. Wer die Mühle ein paar Stunden hat stehen lassen, mahlt sonst alten, oxidierten Kaffee ins Sieb. Zu Hause ist das ein echter Verlust, jeden Tag aufs Neue. In der Gastronomie sieht die Rechnung anders aus. Wenn regelmäßig Kaffee läuft, sagen wir mindestens ein Bezug pro Stunde, ist der temporäre Kaffee nie lange genug in der Mühle, um zu altern. Dann spielt der große Totraum praktisch keine Rolle mehr.
Der permanente Anteil von 0,9 Gramm ist dagegen erfreulich klein. Es sammelt sich also kaum Kaffee dauerhaft in Ritzen. Das heißt auch: Wer den temporären Totraum leergemahlen hat, kommt anschließend gut mit Reinigungspellets durch und muss die Mühle nicht ständig auseinandernehmen.
Damit ist auch klar, was die W65 Casa nicht ist: eine Single-Dosing-Mühle. Füllt ihr 18 Gramm Bohnen ein und mahlt aus, bleiben rund 18 Gramm im Mahlwerk zurück. Ihr tauscht beim Single Dosing also im Grunde nur den Totraum aus. Für einen sauberen Bohnenwechsel reicht das, für grammgenaues Single Dosing nicht. Eureka gibt die Mühle mit maximal einem Kilo Kaffee pro Tag an. Warum der Hersteller so vorsichtig ist, wissen wir nicht, denn das Atom-Mahlwerk steckt sonst in Gastromühlen. Wir vermuten, es geht eher um die Abgrenzung zu den teureren Modellen.
Weil sich die Casa nur mit Werkzeug öffnen lässt, führt für die Zwischenreinigung kaum ein Weg an Reinigungsgranulat vorbei. Du gibst es in den leeren Bohnenbehälter, lässt es durchmahlen und mahlst eine Portion frische Bohnen hinterher, ganz ohne Schrauben. Unser Cafetto Grinder Clean besteht aus 100 Prozent natürlichen Zutaten, ist biologisch zertifiziert und kostet 14,90 Euro. So bleiben Mahlscheiben und Totraum-Bereich frei von alten Ölen und Rückständen, und der erste Kaffee schmeckt wieder frisch.
Nach dem Verstellen zuverlässig zurück
Wer den Mahlgrad häufig verstellt, will darauf vertrauen können, danach wieder am selben Punkt zu landen. Im Verstellungstest sind wir von der Espresso-Einstellung auf Ristretto, dann auf Lungo und wieder zurück auf Espresso gegangen. Der x50-Wert liegt am Ausgangspunkt bei 167 Mikrometern und nach der Rückkehr bei 175, das Hauptpeak wandert von 203 auf 212 Mikrometer. Diese Abweichungen sind klein. Die Mühle findet zuverlässig zu ihrer Einstellung zurück.

Partikelverteilung und Geschmack: viel Körper, wenig Filigranität
Gemessen und verkostet haben wir auf unserem Standardrezept mit dem Apas Espresso.
In der Tasse zeigt die Casa einen Espresso mit auffällig viel Süße und viel Körper. Er ist kräftig, weich und balanciert. Was ihm fehlt, ist etwas Klarheit. Er zeigt nicht die letzte Differenzierung, zu der der Kaffee eigentlich fähig wäre.
Die Partikelverteilung analysieren wir in Kooperation mit dem Coffee Excellence Center der ZHAW am Retsch Camsizer X2. Auf Espresso-Einstellung liegt der Median (x50) bei rund 167 Mikrometern, das Hauptpeak bei schmalen 203 Mikrometern. So schmal, dass die Mühle rein rechnerisch auch für helle, komplexe Kaffees geeignet wäre. Gleichzeitig ist der Feinanteil mit über 42 Prozent sehr hoch. Ein Teil davon dürfte am großen Totraum liegen, weil der Kaffee darin viel Reibung abbekommt und möglicherweise doppelt gemahlen wird.
Diese Kombination erklärt den Geschmack. Der hohe Feinanteil schiebt Körper und Süße nach vorne und deckt die feineren, klareren Töne zu. Das schmale Hauptpeak sorgt zugleich dafür, dass der viele Feinanteil dem Kaffee nicht wehtut. Der Espresso kippt trotz einer gewissen Staubigkeit nicht ins Bittere. In der Praxis heißt das: Die W65 Casa ist in ihrem Element bei mittleren Röstungen, die zu nussiger Schokoladigkeit neigen, ohne überröstet zu sein. Auch dunklere Röstungen macht sie gut. Bei sehr dunklen Kaffees würden wir aufpassen, da kann das Ganze in eine harsche, kratzende Bitterkeit rutschen. Und für filigrane, säurebetonte Kaffees ist sie trotz des schmalen Peaks nicht die erste Wahl.
Casa gegen Gastro: der Vergleich mit der Fiorenzato All Ground Sense
Wir haben die W65 Casa direkt gegen die Fiorenzato All Ground Sense gestellt, eine GBW-Mühle mit 64-mm-Mahlscheiben in derselben Liga. Beide Mühlen sehen wir eher im Einstiegs-Gastro-, Catering- oder Vereinssegment als in der klassischen Küche zu Hause.
Bei der Konstanz hat die Fiorenzato die Nase vorn, sie liegt mit rund 0,1 Gramm Abweichung etwa 0,1 Gramm präziser als die Eureka. Der größere Unterschied ist der Totraum: Wo die Casa 19,3 Gramm absolut mitschleppt, sind es bei der Fiorenzato knapp 7 Gramm, also weniger als die Hälfte. Auch beim Öffnen zur Reinigung spielt die Fiorenzato ihre Stärke aus. Sie lässt sich praktisch werkzeuglos aufdrehen, während ihr bei der Eureka zum Werkzeug greifen müsst.
Die Eureka kontert mit Lautstärke und Bedienung. Mit 79 zu 84 Dezibel ist sie spürbar leiser. Und sie mahlt vollautomatisch los, sobald der Siebträger hängt, ohne dass ihr einen Knopf drückt. Bei der Fiorenzato ist das ein Handgriff mehr, und im Gastroalltag zählt jeder Handgriff. Warm wird übrigens keine der beiden, beide bleiben um die 30 Grad.
Geschmacklich nehmen sich beide nichts, sie gehen nur in unterschiedliche Richtungen. Die Fiorenzato hat das etwas schmalere Hauptpeak und weniger Feinanteil, ihr Espresso wirkt strukturierter und klarer, mit weniger Körper. Das passt gut zu fruchtigen und helleren Kaffees. Die Eureka liefert mehr Körper und Süße und fühlt sich bei mittleren Röstungen am wohlsten.
| Kriterium | Eureka W65 Casa | Fiorenzato All Ground Sense |
|---|---|---|
| Mahlscheiben | 65 mm Flat | 64 mm Flat |
| Konstanz (Stabw) | 0,21 g | ca. 0,1 g |
| Absoluter Totraum | 19,3 g | ca. 7 g |
| Lautstärke | 79 dB | 84 dB |
| Bedienung | startet automatisch | Startknopf nötig |
| Öffnen / Reinigung | Werkzeug nötig | werkzeuglos |
| Mahlgradverstellung | gestuft, kleines Rad | stufenlos, kleiner Bereich |
| Charakter in der Tasse | Körper, Süße | Klarheit, Struktur |
Am Ende sind wir uns nicht ganz einig geworden. Michel würde zur Eureka greifen, vor allem für Lungo-lastige Betriebe und wenn viel läuft. Mit dem kleinen Verstellrad kommt er gut zurecht. Ich lande eher bei der Fiorenzato. Den ausführlichen Vergleich gibt es bald im Video.
Fazit
Die Eureka Atom W65 Casa ist eine hochwertige, schnelle und leise Grind-by-Weight-Mühle zu einem fairen Preis. Nur trägt sie den falschen Namen. Casa steht für Zuhause, und genau dort sehen wir sie am wenigsten. Der temporäre Totraum von über 18 Gramm zwingt euch daheim jeden Morgen zu einer weggeworfenen Doppelportion. Das will niemand.
In der Gastronomie dreht sich das Bild. Dort ist der Totraum kein Thema, solange regelmäßig Kaffee läuft, und dann bekommt ihr für rund 1.000 Euro ein Paket, das seinesgleichen sucht: 65-mm-Atom-Mahlwerk, Grind by Weight, leise, kühl und schnell genug für bis zu zwei Kilo am Tag, verteilt auf zwei Mühlen. Für kleine Cafés, Catering oder den Verein ist das viel Mühle fürs Geld.
Für wen also? Für gastronomische Setups mit stetigem Durchsatz, die eine bezahlbare GBW suchen und mittlere bis dunklere Röstungen fahren. Für wen nicht? Für die klassische Kücheninsel zu Hause, außer ihr verbraucht wirklich ein halbes bis ganzes Kilo am Tag oder wohnt in einer WG mit hohem Kaffeedurchsatz. Und wer feinfühlige Mahlgradarbeit liebt, wird sich am kleinen Verstellrad reiben. Unterm Strich eine klare Empfehlung, aber eben nicht für die Adresse, die auf dem Typenschild steht.
Testergebnisse: Eureka Atom W65 Casa
Bewertung nach dem KM-Testprotokoll für Espressomühlen. Alle Messwerte selbst erhoben. Der permanente Totraum ist grün, der temporäre und absolute Totraum sowie die Single-Dosing-Performance sind rot: Die Mühle hält beim Ausmahlen fast eine ganze Doppelportion zurück, das ist die Kernkritik für den Heimgebrauch. Die Partikelverteilung fließt bewusst nicht farblich in die Bewertung ein, weil sie röstungsabhängig ist.
Technische Daten im Überblick
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Preis | ca. 1.000 Euro (Stand August 2026) |
| Mahlwerk | 65 mm Flachmahlwerk (Atom), gehärteter Stahl |
| Motor | ca. 280 W |
| Betriebsmodus | Dosiermühle mit Grind by Weight (keine Single-Dosing-Mühle) |
| Mahlgradverstellung | gestuft, kleines Verstellrad |
| Mahlgeschwindigkeit | 30 g / 10 Sek. · 10,5 Sek. für 18 g (Espresso) |
| Lautstärke | 79,6 dB |
| Mahltemperatur | im Mittel ca. 29 °C (bleibt unter der kritischen Schwelle) |
| Totraum absolut | 19,3 g (18,4 g temporär, 0,9 g permanent) |
| Single-Dosing-Abweichung | 18,4 g |
| Konstanz (Std.abw.) | 0,21 g (Zielwert 18 g) |
| x50 (Espresso-Einstellung) | ca. 167 µm |
| Feinanteil (< 100 µm) | ca. 42 % |
| Hauptpeak (Espresso) | ca. 203 µm |
| Empf. Tagesleistung (Hersteller) | max. 1 kg |
| Gewicht | 10 kg |
| Maße (B × T × H) | 18 × 19 × 43 cm (mit kleinem Hopper) |
Weiterlesen
Wie sich die W65 Casa gegen andere Mühlen schlägt, zeigt unser großer Espressomühlen-Vergleich. Alle Mühlen mit Waage haben wir zusätzlich im Grind-by-Weight-Vergleich gebündelt. Und die direkte Konkurrentin findest du im Test der Fiorenzato All Ground Sense Plus.
Wie immer haben wir auch diese Mühle selbst gekauft. Dieser Test wurde nicht von Eureka angefragt.
















