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    Eureka Mignon Zero im Test: 55 S, 65 All Purpose & klassisch

    Eureka Mignon Zero im Test: 55 S, 65 All Purpose & klassisch

    Die Eureka Mignon Zero 65 AP (All Purpose) tritt als neues Modell mit größerem 65-mm-Mahlwerk gegen die bewährte Eureka Mignon Zero (55 mm) an. Wir haben beide Espressomühlen ausführlich und unabhängig getestet. Was direkt auffällt: Beide Zero-Modelle gehören mit etwa 370 Euro (klassische Zero) bzw. 419 Euro (Zero 65 AP) zu den günstigsten Eureka-Mühlen am Markt. Umso spannender war es für uns zu sehen, was Eureka hier bietet, insbesondere da die Bezeichnung „Zero" eigentlich „Zero Retention" andeutet, also null Totraum. Ganz ohne Rückstände kommen aber beide Mühlen nicht aus, wie wir gleich zeigen werden.

    Im Test gab es zudem ein Überraschungsmoment: Die Zero 65 AP verhält sich in mancher Hinsicht völlig anders als das ältere Modell. Sensorisch könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein und stellen damit fast schon zwei Extreme für Espresso dar. Inzwischen ist mit der Zero 55 S außerdem ein überarbeitetes Einstiegsmodell dazugekommen, das wir hier gleich mit einordnen. Weiter unten findet ihr die Partikelverteilung, alle Messwerte und unsere Einschätzung zu allen drei Zeros.

    Die Zero-Reihe ist der günstigste Einstieg. Alle weiteren Modelle stehen in unserem Eureka-Vergleich.

    Partikelverteilung der Eureka Zero Mühlen im Vergleich

    Eureka Zero und Zero 65 All Purpose im Vergleich

    Was bedeutet „Zero" bei Eureka?

    Naheliegend wäre, „Zero" auf das fehlende Display zu beziehen. Gemeint ist aber „Zero Retention", also möglichst null Totraum. Historisch war die Zero eines der ersten Eureka-Modelle mit Blasebalg. Der Markt ging Richtung Single Dosing, und Eureka nahm eine der kompakten Mignon-Mühlen, setzte einen Blasebalg obenauf und ließ das Display weg. Damit war die Mühle näher am Single Dosing, aber eben noch nicht bei null.

    Denn Totraum bleibt. Damit meinen wir den Kaffee, der nach der Mahlung in der Mühle zurückbleibt, dort altert und beim nächsten Bezug teils wieder mit rauskommt. Wir unterscheiden drei Werte: den temporären Totraum, der bei jeder Mahlung ausgetauscht wird, den permanenten, der dauerhaft in Ritzen und Spalten kleben bleibt, und den absoluten als Summe der beiden. Genau diese Werte schauen wir uns bei jeder Mühle an.

    Drei Zeros, ein Name

    Der Name stiftet Verwirrung, weil inzwischen drei Mühlen „Zero" heißen. Kurz sortiert:

    • Zero (klassisch, 55 mm): das ursprüngliche Modell mit dem kleinen Original-Mahlgradrad und 45-Gramm-Single-Dose-Trichter. Rund 370 Euro.
    • Zero 55 S: die überarbeitete Einstiegsversion. King-Size-Mahlgradrad und ein Hebel zum Starten von vorne sind ab Werk verbaut, dazu ein größerer Behälter. Rund 229 Euro und damit günstiger als das ältere Modell.
    • Zero 65 All Purpose: das größere 65-mm-Modell mit All-Purpose-Mahlscheiben, King-Size-Rad mit Rundenzähler und einer von hinten verschraubten oberen Mahlscheibe. Rund 419 Euro.

    Alle drei wiegen laut Eureka 5,6 kg und kommen mit zehn Jahren Motorgarantie.

    Wo werden die Zeros gebaut?

    Kurz zur Herkunft, weil oft gefragt: Die klassische Zero und die Zero 65 All Purpose fertigt Eureka in Italien. Die neue Zero 55 S dagegen läuft aus Eurekas Werk in China. Einen Qualitätsunterschied sehen wir in unseren Messungen nicht, aber gut zu wissen ist es.

    Die Messwerte im Vergleich

    Modell Mahlwerk Lautstärke 18 g in Totraum absolut Mahltemperatur Preis
    Zero (klassisch) 55 mm, Standard 83,5 dB 12 s 1,9 g* 34,6 °C ~370 €
    Zero 55 S 55 mm, Standard 83,1 dB 10,5 s 2,7 g** 28,9 °C ~229 €
    Zero 65 All Purpose 65 mm, All Purpose (hinten verschraubt) 79,2 dB 17 s 1,8 g* 34,5 °C ~419 €

    * 2025 gemessen. ** Anfang 2026 gemessen. Unser Totraum-Protokoll ist über die Jahre strenger geworden, daher sind die 2,7 g der 55 S nicht eins zu eins mit den älteren Werten vergleichbar. Eureka gibt die Lautstärke deutlich niedriger an (Werksangaben zwischen 51 und 64,5 dB), gemessen mit Kaffee liegen wir bei den Werten oben.

    Ein Muster zieht sich durch: Alle drei haben den für die Zeros üblichen Totraum im Bereich von rund zwei Gramm, mit einem größeren temporären und einem kleineren permanenten Anteil. Die Mahlgeschwindigkeit ist ordentlich, die 65 All Purpose ist mit 17 Sekunden für 18 Gramm aber deutlich langsamer, weil die All-Purpose-Scheiben den Kaffee bewusst langsamer vermahlen. Aufheizen ist bei keiner ein Thema, die 55 S läuft mit 28,9 Grad sogar auffällig kühl. Die Konstanz ist bei allen gut, bei der 55 S messen wir eine Standardabweichung von 0,05 Gramm über fünf Mahlungen.

    Ehrlich zum Totraum: Die 55 S hat mit 2,7 g absolut auf dem Papier den höchsten Wert. Das liegt zum Teil an unserem strengeren Messen (bei ihr kam nach dem Abschrauben der Mahlscheiben noch etwas Mahlgut unter der Drehscheibe hervor, das wir mitgezählt haben) und zum Teil an einem permanenten Anteil von 1,6 g. Die 55 S gewinnt also nicht beim Totraum, sondern bei Bedienung, Preis und kühlem Lauf.

    Zwei Mahlscheiben, zwei Espresso-Welten

    Der spannendste Unterschied liegt nicht in den Zahlen, sondern in der Tasse. Und da trennen sich die Standard-55er und die All-Purpose-65er deutlich.

    Die 55er (klassische Zero und 55 S) tragen dieselben 55-mm-Mahlscheiben wie Specialità und Magnifico. Das ist ein bekanntes, erprobtes Tassenprofil: körperbetont und dicht, kakaoig, mit dem für unseren Apas typischen Marzipan im Dunkelmandelbereich, dazu eine schöne Süße und eine leichte, angenehme Trockenheit im Nachgang. Gut für mittlere und dunklere Röstungen, mit Abstrichen auch für hellere. Ein grundsolides Allround-Profil.

    ★ Michel Aeschbacher, Q-Grader Arabica und Barista-Profi

    „Das ist eine sichere Bank. Wir kennen die Partikelverteilung, wir wissen, dass der Espresso gut ist. Mit dieser Mühle macht ihr keine Experimente."

    Die Zero 65 All Purpose ist ein anderes Tier. Die obere Mahlscheibe ist blind, also von hinten verschraubt, wodurch die ganze Fläche zum Mahlen genutzt wird. Das schiebt die Partikelverteilung von gut auf sehr gut, mit einem ungewöhnlich schmalen Hauptpeak um 155 µm, wie man ihn sonst von teuren SSP-Mahlscheiben kennt. In der Tasse heißt das: weniger Schwere, mehr Klarheit, Säure und Fruchtigkeit, ein eher saftiger als tiefer, dunkler Körper.

    Der Haken ist das Extraktionsverhalten. Durch die vielen gleich großen Partikel und den erhöhten Feinanteil ist der Widerstand im Puck am Anfang sehr hoch und fällt dann schnell ab. Die ersten Tropfen kommen spät, an einer Maschine mit Rotationspumpe schnell erst nach 11 oder 12 Sekunden, und der Bezug ist dann um die 28 Sekunden fertig. Das ist ungewohnt und erinnert an sehr helle Röstungen. Diese Mühle spielt ihre Stärke aus, wenn eure Maschine Druckprofile oder Flusssteuerung kann, und tut sich schwerer, wenn sie stur mit flachen 9 bar arbeitet.

    Zero AP eher für Fortgeschrittene

    Die Zero 65 All Purpose ist keine Mühle für den Start. Ihr braucht etwas Übung mit Kaffee und mit der Mühle, um sie einzustellen und ihr Verhalten zu verstehen. Wer das mitbringt oder lernen will, bekommt dafür eine erstklassige Partikelverteilung zu einem für diese Klasse sehr niedrigen Preis. Als Bonus eignet sie sich auch für richtig guten Filterkaffee.

    Bedienung und Totraum in der Praxis

    Beim Mahlgradrad zeigt sich der Fortschritt am deutlichsten. Die klassische Zero hat noch das kleine Original-Rad, das in zu großen Schritten springt. Wir bieten das größere King-Size-Rad deshalb einzeln zum Nachrüsten an. Bei der 55 S und der 65 All Purpose ist das King-Size-Rad ab Werk verbaut, bei der 65er sogar mit Rundenzähler, was den Wechsel zwischen Espresso und Filter viel angenehmer macht. Die 55 S hat zusätzlich einen Hebel, mit dem ihr die Mahlung von vorne startet, praktisch, wenn die Arbeitsfläche tief ist oder ihr im Sitzen arbeitet.

    Den Totraum könnt ihr bei allen dreien spürbar senken. Eine einfache Schrägstellung mit einer Base (es gibt zahlreiche 3D-gedruckte Bausätze) neigt die Mühle nach vorne und halbiert den austauschbaren Anteil fast. Wer dann noch vor dem eigentlichen Bezug drei, vier Bohnen durchmahlt, um die Mühle zu leeren, hat praktisch eine Single-Dose-Mühle für unter 400 Euro. Und weil sich der permanente Totraum mit der Zeit aufbaut und Kaffeeöle ranzig werden, lohnt sich alle ein bis zwei Wochen eine Mühlenreinigung und etwa einmal im Monat kurz aufmachen und auspinseln.

    Welche Zero passt zu dir?

    Solider, günstiger Einstieg ins Single Dosing. Die Zero 55 S. Für rund 229 Euro bekommt ihr das erprobte 55er-Tassenprofil, das King-Size-Rad und den Fronthebel ab Werk und eine kühl laufende, konstante Mühle. Wenn ihr euch im mittleren Espresso-Spektrum bewegt und ab und zu eine hellere Röstung macht, ist das ein sehr gutes Preis-Leistungs-Angebot.

    Klassische Zero (55 mm). Sie ist technisch weiter gut, wird von der 55 S aber preislich und bei der Bedienung überholt. Interessant vor allem noch, wenn ihr sie günstig bekommt oder eine bestimmte Farbe wollt. Sonst müsstet ihr das King-Size-Rad nachrüsten, um auf denselben Bedienkomfort zu kommen.

    Klarheit, Säure und Filter für Fortgeschrittene. Die Zero 65 All Purpose. Kein Einsteigergerät, aber eine erstaunlich fähige Mühle für alle, die eine passende Maschine haben und mit dem besonderen Charakter der All-Purpose-Scheiben umgehen wollen. Wer ohnehin über SSP-Mahlscheiben nachdenkt, sollte sie sich ansehen.

    Und die Zero 65 Speedy?

    Neben den drei getesteten Modellen gibt es noch eine vierte Zero, die oft mit der 65 All Purpose verwechselt wird: die Zero 65 Speedy. Sie hatten wir selbst noch nicht auf dem Messtisch, deshalb hier nur die Einordnung nach Herstellerangaben.

    Der Name ist Programm. Die Speedy hat ebenfalls 65-mm-Mahlscheiben aus gehärtetem Stahl, aber eine espresso-spezifische Geometrie statt der All-Purpose-Scheiben und einen schnelleren Motor mit 1650 statt 1350 Umdrehungen. Damit mahlt sie mit rund 2,3 bis 2,8 Gramm pro Sekunde deutlich flotter als die betont langsame 65 All Purpose. Dafür verzichtet sie auf das King-Size-Rad mit Rundenzähler und ist klar auf Espresso ausgelegt, weniger auf den Wechsel zu Filter.

    Kurz gesagt: Wer ein schnelles, reines Espresso-Single-Dosing mit 65-mm-Scheiben sucht, schaut sich die Speedy an. Wer Klarheit, Filter und die feine All-Purpose-Charakteristik will, bleibt bei der 65 All Purpose. Sobald wir die Speedy selbst getestet haben, ergänzen wir an dieser Stelle unsere Messwerte.

    Fazit

    Die Zero-Reihe bleibt ein Geheimtipp im Einstieg, preislich wie technisch. Für die meisten zuhause ist die neue Zero 55 S die runde Empfehlung: günstig, gut bedienbar, kühl und mit dem bewährten 55er-Espresso. Die klassische Zero macht weiter alles richtig, wird von der S aber überholt. Und die Zero 65 All Purpose ist die spannendste, aber anspruchsvollste der drei, eine klare Sache für Fortgeschrittene, die Klarheit, Säure und Filter suchen. Ganz null Totraum ist keine der drei, aber mit Schrägstellung und ein paar Handgriffen kommt ihr nah heran.

    Was denkst du?