Vor gut drei Jahren haben wir die Profitec Go getestet und ein klares Urteil gefällt: die Profitec Go war schon damals eine der besten Espressomaschinen unter 1000 Euro. Nun hat Profitec nachgelegt. Die Version 2.0 kommt mit einem OLED-Display, zwei neuen Tasten und der Software, die sonst nur in den teureren Profitec- und ECM-Modellen steckt.
Das Vorgängermodell war bereits stark. Die Frage ist also nicht, ob die V2.0 gut ist. Sondern ob Profitec mit dem Update auch wirklich etwas verbessert hat.
Wir haben wie alle Espressomaschinen auch diese gekauft. Wir durften unser Modell 2026 jedoch bereits vor Marktstart im Juni 2026 direkt von Profitec beziehen. Der Hersteller hatte keinerlei Einblick in das Testergebnis. Wir mussten lediglich zustimmen, den Test erst zum offiziellen Release zu veröffentlichen.
Dieser Artikel ist die Sammelmappe zur Profitec Go: beide Versionen, alle Messdaten. Neben dem Video-Test dokumentieren wir hier den vollständigen Testbericht inkl. KM-Bewertung, Temperaturmessungen, Stromverbrauch und den bewährten Fast-Heat-Up-Ablauf.
Video V1 (langer Test): youtu.be/YZ_bkI1kMUE
Video V1 (kurz, unter 10 Min.): youtu.be/Qq_e4Bkqk3k
Video zur neuen Profitec Go V2.0: youtu.be/a_oJZGfhfF4
Was ist neu in der Profitec Go 2.0?
Profitec hat das Innenleben der Maschine weitgehend unverändert gelassen: gleicher Einkreiser, gleicher 400-ml-Messingboiler und auch die gleiche Vibrationspumpe. Die Überarbeitungen betreffen das, was man täglich in der Hand hat: Display, Tasten und Software.
OLED-Display. Das grosse LCD der V1 ist raus, dafür kommt das gleiche OLED-Display, das Profitec und ECM in ihren teureren Modellen verbauen. Das ist kleiner, eleganter und deutlich besser ablesbar.
Neue Tasten. Der einzige Druckknopf der V1 musste gefühlt einen Zentimeter tief gedrückt werden und wurde heiss. Den haben wir in der Vergangenheit kritisiert. Er wurde ersetzt durch zwei neue Programmiertasten, die sich wertig anfühlen und nicht warm werden.
Software der grossen Geschwister. Das ist das eigentlich Interessante. Mit dem neuen Display kommt die gleiche Software, die sonst den teureren Profitec-Modellen vorbehalten war. Konkret bedeutet das: eine automatische Ab- und Anschaltzeit, eine "Last Shot"-Funktion, die den laufenden Bezug noch fertig macht bevor der Tank-leer-Alarm einsetzt, automatisches Nachfüllen des Boilers mit kaltem Wasser direkt nach dem Dampfen, ein integriertes Reinigungsprogramm per Menü sowie eine programmierbare Präinfusion.
Neu hat die Profitec Go V2.0 eine programmierbare zeitgesteuerte Volumetrik. Das ist ein schöner Schritt, aber weit weg von einem Flowmeter, das Bezug für Bezug die gleichen Wassermengen liefert. Eine zeitgesteuerte Volumetrik gibt immer x Sekunden Wasser und damit Kaffee: bei gröberem Mahlgrad mehr, bei feinerem weniger. Wir empfehlen deshalb trotzdem, die Bezugsmenge mit einer Waage zu kontrollieren. Einen praktischen Vorteil hat die Funktion dennoch: Wenn der Bezug läuft und man abgelenkt wird, stoppt die Maschine in sinnvollen Zeitregionen, ohne dass der Kaffee überläuft.
Profitec Go 2.0 kaufen
Folgende Fachgeschäfte vertreiben die Profitec Go und wir können den Kauf bei diesen Betrieben empfehlen. Alle bieten die Möglichkeit an, das Offset der Maschine nachzustellen.
Deutschland: Stoll Espresso, Lücke
Schweiz: deon
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Technische Daten im Vergleich
| Merkmal | Go V1 | Go 2.0 |
|---|---|---|
| Preis (EUR) | ca. 900–950 | 995 |
| Boiler-Typ | Einkreiser, 400 ml Messing | Einkreiser, 400 ml Messing |
| Display | LCD | OLED (ECM/Profitec-Standard) |
| Bedienknöpfe | 1 grosser Druckknopf | 2 Programmiertasten |
| Auto-Timer | Nein | Ja |
| Last Shot | Nein | Ja |
| Auto Boiler-Kühlung nach Dampf | Nein | Ja |
| Reinigungsprogramm | Nein | Ja |
| Präinfusion | Nein | Programmierbar |
| Pumpe | Vibrationspumpe | Vibrationspumpe |
| Masse (H × T × B) | 38 × 36 × 21 cm | 38 × 36 × 21 cm |
| Wassertank | 2,65 l | 2,65 l |
| Siebträger | 58 mm | 58 mm, inkl. bodenlos |
Espressopotential
Die Maschine liefert, was sie verspricht. Im Test haben wir Apas und dann im Video Compadre Espresso bezogen: 18–19 g im Träger, 40–42 g in der Tasse, 24–27 Sekunden. Das Ergebnis war balanciert, süss, kakaoig und dicht.
„Sehr zugänglich, sehr voluminös. Kakao, Schokolade."
Das Espressopotential bekommt 6,5 von 10 Punkten. Die Technologiebasis ist solide (präzise Temperatursteuerung, programmierbare Präinfusion), aber der fehlende Flowmeter und die Einkreiser-Limitierung deckeln das Ergebnis.
Temperaturmessung und Konstanz
Wir messen nach dem KM-Protokoll: 5 Bezüge mit je 27 Sekunden Extraktionszeit, 1 Minute Abstand. Offset für den Test: −2 °C.
| Bezug | Mittelwert (°C) | Abweichung vom Ziel 93 °C |
|---|---|---|
| 1 | 92,91 | −0,09 °C |
| 2 | 94,21 | +1,21 °C |
| 3 | 94,77 | +1,77 °C |
| 4 | 94,98 | +1,98 °C |
| 5 | 94,65 | +1,65 °C |
Der erste Bezug trifft mit 92,91 °C fast exakt das Ziel. Das ist stark. Ab dem zweiten Bezug stabilisiert sich die Maschine bei rund 94,5–95 °C und bleibt dort konstant. Die leichte Abweichung beim ersten Shot liegt in der schnellen Aufheizung und Spülung begründet und ist typisch für dieses Konzept. Wir haben das Offset am Ende um 1 Grad nach unten angepasst und lagen dann konstant bei 93 °C.
Beim WBC-Stresstest über 14 Bezüge in schneller Folge liegt das Temperaturfenster bei 3,65 °C (91,04 bis 94,69 °C). Für einen Einkreiser unter 1000 Euro ist das bemerkenswert.
„Ich stelle mir vor, die steht in der WG. Da ist ein Geburtstag, 20 Menschen. Du kannst für alle 20 Espresso-Shots machen und alle sind gut. Das ist für einen Einkreiser unter 1000 Euro herausragend."
Aufheizzeit: 8 Minuten
Die Maschine ist nach 8 Minuten für den ersten Bezug bereit. Das Prinzip ist dasselbe wie bei der V1: Die Maschine heizt zunächst über die Brühtemperatur in den Dampfbereich, zeigt dann die Spülaufforderung an, und der Flush durch den Siebträger bringt die Temperatur auf Ziel. Stabiler Steady-State ist nach etwa 10 Minuten erreicht. In der Bewertung ergibt das eine 7 von 10.

Fast-Heat-Anleitung für ältere Go-Versionen (vor Software 1.06)
Die neue Software der V2.0 führt das schnelle Aufheizprotokoll automatisch durch. Wer eine V1 mit älterer Software hat, kann die gleiche Aufheizzeit von Hand erreichen:
Energieverbrauch
Die Profitec Go 2.0 gehört zu den sparsamsten Maschinen in ihrem Preissegment. Wir messen nach dem "Espresso First"-Prinzip: Kaltstart, Aufheizen, erster Bezug.
Das ergibt eine 8 von 10. Der kleine Boiler und die kurze Aufheizzeit zahlen sich hier direkt aus. Die Maschine kann auch mal eingeschaltet bleiben, ohne dass es wehtut.

Milch schäumen mit dem Einkreiser
Schäumen mit einem Einkreiser ist und bleibt ein Zweischritt-Workflow: Espresso zuerst, dann auf Dampf umschalten, Milch schäumen, danach wieder zurück auf Brühen. Das liegt nicht an der Profitec Go. Das ist das Prinzip des Einkreisers.
Was die V2.0 neu mitbringt: Nach dem Schäumen füllt die Maschine automatisch kaltes Wasser in den Boiler nach. Das senkt die Temperatur aktiv, statt sie passiv abkühlen zu lassen. In der Praxis ist der Boiler schneller wieder auf Brühtemperatur, aber einen kurzen Flush vor dem nächsten Espresso empfehlen wir trotzdem.
| Parameter | Messwert | Einordnung |
|---|---|---|
| Aufheizzeit Brüh auf Dampf | ca. 30 Sek. | Gut für Einkreiser |
| 300 ml auf 60 °C erhitzen | 60 Sek. | Eher langsam |
| Kondenswasser vor Schäumen | 25 ml | Unbedingt ausblasen |
| Kannenwinkel beim Schäumen | ca. 30° | Leicht geneigt, ausreichend Power |
| Kompletter Cappuccino-Workflow | ca. 2–2,5 Min. | Realistisch für Haushalt |
Die Menge vor dem Schäumen ist nicht zu unterschätzen. Sie ist sensorisch spürbar. Wer das direkt in die Milch schäumt, schmeckt den Unterschied. Immer vorher ausblasen.
„Ich würde mir etwas mehr Leistung wünschen. Sie ist okay, aber etwas mehr wäre angenehm. Ich kann einwandfrei guten Milchschaum machen."
Das trifft es präzise. Die Maschine reicht für den täglichen Cappuccino. Für Cappuccino-Serien mit vielen Gästen ist ein Einkreiser grundsätzlich nicht die richtige Wahl. Schäumnote im Protokoll: 4,3 von 10.
Bedienbarkeit und Workflow
Das neue OLED-Display und die zwei neuen Tasten verbessern das tägliche Handling spürbar. Die Knöpfe werden nicht heiss, das Display ist gut lesbar. Wir vergeben eine 5,5 von 10 — nicht wegen der Hardware, sondern wegen der systemischen Einkreiser-Limitierung. Das Umschalten zwischen Brühen und Dampfen kostet Zeit und Aufmerksamkeit, und das Protokoll straft Einkreiser dafür konsequent ab.
Was gefällt: Die Tropfschale fasst 940 ml, für eine 21-cm-breite Maschine bemerkenswert viel. Der Brita-Intensa-Steckfilter ist integriert, der Pumpendruck von oben zugänglich. Das Reinigungsprogramm per Menü ist ein echter Fortschritt — bei einer Maschine in dieser Preisklasse selten.
Wertigkeit und Zubehör
Die Profitec Go 2.0 ist eine Profitec. Das merkt man. Die Verarbeitung ist auf einem anderen Niveau als das, was andere Hersteller für 995 Euro liefern. Das Innenleben ist sauber verkabelt. Die Oberfläche ist solide, wenn auch einfach gehalten. Die Konstruktion wackelt leicht, weil sie weniger schwer ist als die grossen Brüder, aber stabil genug für den Alltag. Wertigkeit: 7,25 von 10.
Beim Zubehör gibt es eine 9 von 10 — die höchste Note in unserem Test. Im Lieferumfang: 58-mm-Siebträger mit 1er- und 2er-Auslauf, bodenloser Siebträger, Tamper mit guter Passgenauigkeit, Blindsieb, Brita-Wasserfilter.
Äussere Daten
Die kompakte Profitec Go hat eine Höhe von 38 cm, eine Tiefe von 36 cm und eine Breite von 21 cm. Der Wassertank fasst 2,65 Liter und wird von unten bezogen — kein Schlauchgewusel, kein Einführen. Die Tropfschale wurde in der V2.0 auf 940 ml vergrössert. Vier Farbvarianten stehen zur Wahl.
Der 400-ml-Messingboiler liefert eine erstaunliche Temperaturkonstanz, wie unsere Messungen zeigen. Eine Vibrationspumpe sorgt für den Brühdruck. Ausserhalb der Maschine zugänglich: eine Schraube zur Drucknachstellung. Im Betrieb misst die Maschine 60 dB — angenehm, nicht laut.
KM-Bewertung Profitec Go 2.0
Wir testen alle Espressomaschinen nach unserem standardisierten KM-Protokoll V2.3. Es misst zwölf Kategorien mit unterschiedlicher Gewichtung und liefert einen Gesamtscore auf einer Skala von 0 bis 100.
0 – 100
Fazit
Die V2.0 ist keine Revolution. Sie ist eine gut durchdachte Überarbeitung einer bereits starken Maschine. Die Hardware bleibt, was sie war. Was sich verändert hat, macht den Alltag besser. Das Display ist schöner, die Tasten sind es auch, und die Software-Features — automatische Boilerkühlung nach dem Dampfen, Last Shot, Reinigungsprogramm, Präinfusion — sind echte Verbesserungen, die man bei teureren Maschinen für selbstverständlich hält.
Im KM-Protokoll holt die V2.0 58,5 von 100 Punkten, Klasse "Gut / Standard". Die Stärken liegen bei Zubehör (9,0), Stromverbrauch (8,0), Wertigkeit (7,25) und Aufheizzeit (7,0). Gedrückt wird der Gesamtscore durch die systemischen Einkreiser-Schwächen bei Volumetrik, Schäumen und Catering-Potential — das liegt aber nicht an der Maschine, sondern am Konzept.
Für wen ist sie die richtige? Wer täglich Espresso oder Americano trinkt, gelegentlich Cappuccino macht und eine wertige, sparsame und schnell aufgeheizte Maschine sucht. Die Profitec Go 2.0 ist in ihrer Klasse weiterhin eine der besten Optionen. Wer täglich mehrere Milchgetränke hintereinander macht, sollte zu einem Zweikreiser oder Dualboiler greifen.
















