Die AeroPress ist ein multifunktionaler Kaffeebrüher, mit dem sich in so ziemlich jeder Lebenslage Kaffee brühen lässt. Ob auf dem Kajak, auf langen Bikepacking-Touren, im Flugzeug oder im Zug – ich habe mit der AeroPress schon überall Kaffee gemacht. Sie ist kompakt, robust, billig und trotzdem in der Lage, einen der besten Filterkaffees zu produzieren, die du je getrunken hast. Oder einen der schlechtesten, wenn du die Grundregeln nicht kennst.
Die AeroPress ist bei jedem Kaffee-Freak im Regal. Einer davon ist mein Bruder Felix Hohlmann, Deutscher Baristameister 2024 und 2026 und Schweizer AeroPress Meister 2016.
Zusammen haben wir über die Jahre zahlreiche Rezepte entwickelt und gehörten mit zu den Ersten, die die AeroPress-Bypass-Methode genutzt haben – die heute zum Goldstandard bei allen AeroPress-Meisterschaften gehört. Gemeinsam mit Felix haben wir für euch alles über die AeroPress notiert, was für einen richtig guten Kaffee mit der vielseitigsten aller Methoden wichtig ist.
Was ist die AeroPress und warum ist sie so beliebt?
Die AeroPress wurde 2005 von Alan Adler erfunden, dem Mann hinter dem Aerobie-Frisbee. Der hatte offensichtlich ein gutes Material zur Hand, das sich auch für eine Filterkaffee-Methode eignete.
So richtig wusste Adler wohl nicht, was er da erfunden hatte. Jedenfalls waren die ersten Rezepte, die der AeroPress als Empfehlung beilagen, weit entfernt vom Potenzial des kleinen Brühers.
Das Gerät kombiniert Druckextraktion mit klassischer Immersionsmethode: Kaffeepulver wird in heißem Wasser eingeweicht und anschließend durch einen Filter gepresst. Das Ergebnis ist je nach Brühverhältnis ein konzentrierter, runder Kaffee ohne Sediment, sofern du einen Papierfilter nutzt.
Was die AeroPress von der French Press oder Filterkaffee unterscheidet: Sie ist wahnsinnig variabel. Das zeigte sich vor allem, als findige Kaffee-Freaks begannen, Rezepte und neue Brüh-Ansätze zu entwickeln. Konzentriertere Methoden, Cold-Brew-Rezepte, Bypass-Methoden mit unterschiedlichen Parametern wurden erprobt. Mahlgrad, Temperatur, Brühzeit und Verhältnis lassen sich alle frei anpassen. Genau das ist die Stärke und gleichzeitig die Herausforderung.
Die experimentierfreudige Community gründete sogar eine offizielle AeroPress World Championship, bei der jedes Jahr hunderte von Rezepten eingereicht werden. Was ebenfalls zur Geschichte gehört: Wir haben 2014 die erste AeroPress-Meisterschaft in die Schweiz gebracht.
Was brauche ich für die AeroPress?
Die Ausrüstungsliste ist kurz:
- Die AeroPress (Original oder AeroPress Go für unterwegs)
- Papier- oder Metallfilter (wir empfehlen grundsätzlich Papierfilter, weil sie für klareren und besser schmeckenden Kaffee sorgen)
- Eine Feinwaage, die auf 0,1 g genau misst
- Ein Wasserkocher mit Temperaturregelung
- Frisch gemahlenen Kaffee oder eine gute Mühle
Wenn du noch keine Mühle hast, lohnt sich ein Blick auf unsere Handmühlen. Single-Dosing-Mühlen sind ebenfalls eine gute Wahl.

Das AeroPress-Standardrezept Schritt für Schritt (Regular)
Dieses Rezept funktioniert zuverlässig mit hellen bis mittleren Röstungen und gibt dir eine solide Ausgangsbasis für alle weiteren Experimente. Felix empfiehlt Filterkaffee-Röstungen und einen mittleren Mahlgrad: „Durch mehr Verwirbelung beim Umrühren kann die Extraktion erhöht werden, auch wenn der Mahlgrad etwas zu grob war."

Die Inverted-Methode: Mehr Kontrolle, mehr Körper
Die Inverted-Methode (umgekehrte Methode) ist in der Wettkampfszene verbreitet, und das aus gutem Grund. Du setzt die AeroPress umgedreht auf den Stempel, befüllst sie so und drehst sie erst kurz vor dem Pressen auf die Tasse. Das verhindert, dass Kaffee während der Ziehzeit unkontrolliert durchläuft, und gibt dir mehr Spielraum bei der Extraktionszeit. Felix dazu: „Die Inverted-Methode gibt mir mehr Kontrolle. Ich kann entscheiden, wann ich mit Immersion-Technik arbeite – und wann ich durch Druck den Kaffee durch den Filter presse."

Die Bypass-Methode: Felix' Rezept aus der Meisterschaft
Die Bypass-Methode ist unter Weltmeistern die beliebteste Technik. Die Idee dahinter: Du brühst zuerst ein starkes Konzentrat mit wenig Wasser, dann verdünnst du es im zweiten Schritt mit heißem Wasser nach. Das funktioniert deshalb so gut, weil du bei der Extraktion selbst viel präziser arbeiten kannst – und die Verdünnung hinterher Temperatur und Stärke noch mal gezielt einstellst.
Felix hat dieses Rezept 2016 für die Schweizer AeroPress Meisterschaft entwickelt und es seitdem bei mehreren Wettkämpfen eingesetzt, unter anderem beim Open Service an der Schweizer Meisterschaft im Brewers Cup.
„Mit diesem Rezept bringt man den Kaffee auf 90% des Potenzials. Wenn jemand ein V60-Rezept hat und das perfekt auf den Punkt bringt, kann man mehr rausholen. Aber in der Kürze der Zeit ist das wirklich eine Waffe."
Was die Weltmeisterschaft zeigt: Bypass ist Standard
Schaut man sich die Siegerrezepte der World AeroPress Championship an, fällt ein Muster auf: Inverted + Bypass dominiert seit Jahren. Und die Dosierungen liegen deutlich über dem, was Hobbybrüher kennen. 18 g Kaffee sind Weltmeister-Standard, nicht 12 oder 13 g.
Seit 2019 hat praktisch jeder Finalist die Inverted-Methode mit anschließendem Bypass verwendet. Die Siegerrezepte 2023, 2024 und 2025: alle Inverted, 18 g, Bypass. Die vollständigen Rezepte sind auf worldaeropresschampionship.com/pages/recipes dokumentiert.
Carlo Graf Bülow hat dieses Rezept speziell für die AeroPress XL entwickelt. Es skaliert die Bypass-Methode auf volle 500 ml. Die AeroPress XL ist interessant, weil sie eine der größten Schwächen der kleinen AeroPress eliminiert: zu wenig Kaffee für mehrere Menschen. Mit der AeroPress XL machen wir die ganze Familie oder Freunde auf langen Radtouren ebenfalls kaffeeglücklich.
Welcher Mahlgrad für die AeroPress?
Der Mahlgrad ist der Parameter, den die meisten Anfänger zuerst falsch einstellen. Zu grob und der Kaffee schmeckt wässrig und sauer. Zu fein und der Puck setzt sich zu, das Pressen wird zur Kraftübung und der Kaffee wird bitter.
Als Ausgangspunkt für die meisten Rezepte: mittelfeiner Mahlgrad, in etwa vergleichbar mit Haushaltszucker. Feiner als French Press, gröber als Espresso. Für die Bypass-Methode empfiehlt Felix einen deutlich gröberen Mahlgrad, vergleichbar mit Cupping – und setzt auf Temperatur und Verwirbelung, um die Extraktion zu steuern. Frisch gemahlen ist dabei immer Pflicht: vorgemahlen verkaufter Kaffee altert schnell, nach wenigen Tagen merkst du den Unterschied. Eine gute Handmühle passt perfekt zur AeroPress.
| Mahlgrad | Vergleich | Ergebnis im Cup | Wann nutzen? |
|---|---|---|---|
| Sehr fein | Mehl | Bitter, überextrahiert, schwer zu pressen | Gar nicht. |
| Fein | Feiner Sand | Intensiv, rund, leicht bitter wenn zu lang | Kurze Brühzeiten unter 1 Minute |
| Mittel-fein | Haushaltszucker | Ausgewogen, süß, klarer Abgang | Standardrezept, Inverted: der Sweet Spot |
| Mittel | Grobes Salz | Leichter Körper, säurebetonter | Helle Röstungen, längere Ziehzeiten |
| Grob (Cupping) | Feines Meersalz | Konzentriert, weich, für Bypass geeignet | Bypass-Methode, Cold Brew |
Wassertemperatur: Heisser bei hellen Röstungen, kühler bei dunklen
90 °C ist ein guter Ausgangspunkt, aber nicht das Optimum für jede Röstung. Die Grundregel: Hell gerösteter Kaffee braucht höhere Temperaturen, um die schwer löslichen Noten und das volle Potenzial eines Kaffees zu extrahieren. Dunkel gerösteter Kaffee extrahiert schneller und wird mit hohen Temperaturen leicht bitter. Bei helleren Röstungen gehen wir auf über 95 °C, mit dunkleren Röstungen bleiben wir im Bereich von 90–93 °C. Felix bringt es auf den Punkt: „Die Zunge ist das beste Refraktometer. Wenn der Kaffee schmeckt, dann schmeckt er."
| Röstgrad | Empfohlene Temperatur | Charakteristik |
|---|---|---|
| Hell (Light Roast) | 94–97 °C | Fruchtig, komplex, hohe Extraktion nötig und sinnvoll |
| Mittel (Medium Roast) | 88–93 °C | Ausgewogen, karamellisierte Töne |
| Dunkel (Dark Roast) | 82–88 °C | Kräftig, schokoladig (leicht bitter bei zu hoher Temperatur) |
Die meisten Rezepte arbeiten mit 90–93 °C als Kompromiss. Bei der Bypass-Methode lässt sich die Zieltemperatur durch die Temperatur des Bypass-Wassers noch nachkorrigieren. Die AeroPress eignet sich übrigens auch sehr gut für Cold Brew – Verwirbelung durch Rühren verstärkt dann die Extraktion.
AeroPress vs. French Press: wann was?
Die beiden Geräte werden oft verglichen, funktionieren aber grundlegend anders. Die French Press ist reine Immersionsextraktion ohne Druckkomponente, mit Metallsieb statt Papier. Das ergibt mehr Körper, mehr Öle im Cup, aber auch mehr Sediment.
| AeroPress | French Press | |
|---|---|---|
| Filtertechnik | Papier oder Metall | Metall (Sieb) |
| Sediment | Keins (mit Papierfilter) | Immer vorhanden |
| Körper | Leicht bis mittel | Voll, ölig |
| Kaffeeöle | Weitgehend herausgefiltert | Komplett im Cup |
| Brühzeit | 1–3 Minuten | 4–5 Minuten |
| Menge | 1–3 Tassen | 2–8 Tassen |
| Variabilität | Sehr hoch | Gering |
| Reisen | Ideal (AeroPress Go) | Bruchgefahr bei Glas; andere Varianten existieren mittlerweile |
Kurz gesagt: Wer Klarheit, Komplexität und Kontrolle will, greift zur AeroPress. Wer einen robusten, „ehrlichen" Kaffee für mehrere Personen sucht, ist mit der French Press besser bedient. Beides hat seine Berechtigung. Es ist keine Entweder-oder-Entscheidung.

Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Der Kaffee schmeckt sauer und wässrig. Klassisches Unterextraktionsproblem. Entweder ist der Mahlgrad zu grob, die Temperatur zu niedrig oder die Brühzeit zu kurz. Zuerst Mahlgrad feiner stellen, dann Temperatur erhöhen.
Der Kaffee schmeckt bitter. Überextraktion. Mahlgrad gröber, Temperatur senken oder Brühzeit verkürzen. Auch zu langes oder zu starkes Pressen kann Bitterstoffe aus dem Puck lösen.
Das Pressen geht kaum. Der Mahlgrad ist zu fein. Mahlgrad gröber einstellen.
Die AeroPress läuft durch, bevor du presst. Das passiert bei der klassischen Methode, wenn der Mahlgrad zu grob ist. Entweder Mahlgrad feiner, oder auf die Inverted-Methode umsteigen, die das Problem konstruktionsbedingt verhindert.
Der Kaffee kühlt zu schnell ab. Die AeroPress-Kammer ist aus Plastik, Vorspülen mit heißem Wasser hilft. Aber die Tasse direkt darunter ist entscheidend. Vorgewärmte Tassen machen hier einen messbaren Unterschied.
Fazit: Klein, vielseitig, verzeihend
Die AeroPress ist billiger als die meisten Mühlen, passt in jede Reisetasche und produziert mit dem richtigen Rezept einen der besten Filterkaffees, die du zu Hause brühen kannst. Sie schmeckt fast immer solide – und mit unseren Tipps holst du richtig viel aus jedem Kaffee heraus.
Unser Tipp für den Einstieg: Halte das Standardrezept eine Weile konstant, ändere dann immer nur einen Parameter. Wer wie Felix Hohlmann regelmäßig mit der AeroPress übt, merkt schnell, dass die Lernkurve steil ist, das Ergebnis aber rechtfertigt.
Den nächsten Schritt findest du in unserem Shop: Wir haben die AeroPress und die AeroPress XL sowie eine Auswahl an Kaffeesorten, die sich für die AeroPress besonders gut eignen. Vom fruchtigen naturbelassenen Kaffee bis zum gewaschenen Äthiopier. Unsere Kaffees sind saisonal. Ein sehr guter Einstieg ist unser Filterkaffee-Blend „Amigo" – entwickelt dafür, dass er einfach zu brühen ist und in der Tasse weich, voll und ausgewogen schmeckt.
















