Diese Maschine haben wir zweimal getestet. Beim ersten Test hat sie uns nicht vollständig überzeugt. Dann hat Andrea aus unserem Team etwas gefunden, das die Ergebnisse so deutlich verschoben hat, dass wir den ganzen Test unter aktualisierten Bedingungen noch einmal durchgeführt haben. Was dabei herauskam, zeigen wir euch hier nebeneinander, weil wir glauben, dass ihr beide Realitäten kennen solltet.
Die Rocket Mozzafiato R Fast kostet 2.190 Euro und ist ein Zweikreiser in der klassischen Rocket-Bauweise: ein Heat-Exchanger-Boiler, eine Rotationspumpe, die E61-Brühgruppe. Keine Volumetrik, kein Flow-Control, keine Profilierung. Wir haben die Maschine selbst gekauft.
Design und Verarbeitung
Score: 8,25/10
Wer Rocket kennt, weiß, was ihn erwartet: diese charakteristischen dicken Seitenteile, der große Schriftzug auf der Rückseite, eine Haptik, die aus der Zeit gefallen wirkt und genau deswegen ihren Reiz hat. Die schwarze Ausführung, die wir getestet haben, wirkt überzeugend massiv, 30 Kilogramm auf der Waage, 41 cm hoch, 45,7 cm tief und 31,4 cm breit. Mit ausgedrehtem Siebträger braucht ihr mindestens 57,5 cm Tiefe auf der Arbeitsfläche. Wer das nicht vorab misst, ärgert sich danach.
Was gegenüber früheren Rocket-Generationen wirklich besser geworden ist: die Verarbeitung. Ältere Modelle waren bekannt für scharfe Kanten an der Tropfschale und am Gehäuse, an denen man sich beim Reinigen regelmäßig die Finger aufriss. Das ist vorbei. Alle Abschlüsse sind sauber entgratet, das neue Display sitzt bündiger im Gehäuse und das Gerät fühlt sich insgesamt runder an. Der Siebträger liegt gut in der Hand, die Knöpfe haben echten Druckpunkt.
Wassertank mit 1,8 Litern, Tropfschale mit 1.100 ml, Festwasseranschluss vorhanden. Was uns im Alltag leicht nervt: Den Wasserstand kann man von außen schlecht ablesen. Bei einer 30-Kilo-Maschine ist das kein Luxusproblem, man kippt sie nicht mal eben um.
Bedienung: Absichtlich einfach
Score Bedienbarkeit: 5,5/10
Die Maschine stellt ihr auf 122 Grad ein und brüht. So ungefähr lässt sich der Bedienungsumfang zusammenfassen. Das Display zeigt die Boilertemperatur an, was ausdrücklich nicht die Brühtemperatur ist, sondern die Dampfboilertemperatur, aus der sich das Brühwasser über den Wärmetauscher-Kreislauf ergibt. Einen Offset gibt es, er ist auf 3 eingestellt, aber was tatsächlich am Siebträger ankommt, hängt von einer Reihe weiterer Variablen ab: Flushzeit, Wartezeit zwischen den Bezügen, Boilertemperatureinstellung. Diese Maschine erwartet, dass ihr das Spiel versteht.
Hinter der Tropfschale versteckt sich ein Menü mit drei Knöpfen: Eco-Modus, Temperatureinheit, und, wie Andrea herausgefunden hat, ein weiteres Untermenü für die Brühkopftemperatur, das in keiner Anleitung dokumentiert ist. Dazu gleich mehr.
Profiling, Flow-Control, Volumetrik, Preinfusion: alles nicht vorhanden. Für alle, die täglich an Druckkurven tüfteln wollen, ist das die falsche Maschine. Wer aber Verlässlichkeit über Einstellungstiefe stellt und eine Maschine will, die in 15 Jahren noch genauso läuft wie heute, ist hier gut aufgehoben. Eine Rotationspumpe, bewährte Elektronik, E61-Brühgruppe. Das hält.
Temperatur: Was wir im ersten Test gemessen haben
Temperaturmanagement Original: 6,7/10 | Aufheizzeit Original: 3/10 (25 Minuten)
In unserem KM-Protokoll messen wir fünf Bezüge à 27 Sekunden im Minutentakt, jeweils mit dem Scace-Messgerät direkt im Siebträger. Nach 25 Minuten Aufheizzeit, mit dem Boiler auf 122 Grad eingestellt, sehen die Brühtemperaturen so aus:
| Bezug | Durchschnittstemperatur | Abweichung vom 93°C-Ziel |
|---|---|---|
| 1 | 91,6°C | −1,4°C |
| 2 | 92,0°C | −1,0°C |
| 3 | 91,5°C | −1,5°C |
| 4 | 90,9°C | −2,1°C |
| 5 | 90,4°C | −2,6°C |
Das ist zweikreisertypisch fallendes Verhalten: Bezug 1 liegt 1,4°C unter dem Ziel, und von dort geht es weiter nach unten. Der Range über alle fünf Bezüge beträgt 1,6°C. Innerhalb eines einzelnen Bezugs ist die Kurve stabil, ab Sekunde 5 eine Flatline bei rund 91,5°C. Das gibt volle 2,7 Punkte für Cluster B in unserem Protokoll. Das Problem ist nicht, was die Maschine während des Shots macht, sondern wo sie dabei landet.
25 Minuten Aufheizzeit sind in 2025 lang. Moderne Dualboiler, Dickfilmheizer und Thermoblock-Maschinen sind in unter 10 Minuten betriebsbereit. Wer ungeduldig wird und nach 15 Minuten brüht, liegt in dieser Konfiguration noch bei 89°C Durchschnittstemperatur, was für die allermeisten Kaffees einfach zu kalt ist. Im WBC-Stresstest mit 14 schnell aufeinanderfolgenden Bezügen öffnet sich das Temperaturfenster auf 11,6°C, von 83,1 bis 94,7°C. Das ist kein Einsatzbereich dieser Maschine.

Der Andrea-Hack: was ein verstecktes Menü verändert
Temperaturmanagement mit Hack: 7,3/10 | Aufheizzeit mit Hack: 5/10 (15 Minuten)
Rocket hat uns nach unserem ersten Test kontaktiert und gefragt, ob wir die Ergebnisse nochmals überprüfen könnten, um zu testen, ob die Brühkopftemperatur auf 91°C stehen würde. Es gibt eine versteckte Einstellung für eben jene Brühkopftemperatur. Rocket empfiehlt in ihrer internen Kommunikation 91°C. Da standen wir aber. Dann ist Andrea systematisch höher gegangen, hat verschiedene Werte durchgetestet und ist bei 96°C gelandet. Die Temperaturkurven sehen danach so aus:
| Bezug | Original (25 Min. Aufheizzeit) | Andrea-Hack (15 Min. Aufheizzeit) | Differenz |
|---|---|---|---|
| 1 | 91,6°C | 92,8°C | +1,2°C |
| 2 | 92,0°C | 92,3°C | +0,3°C |
| 3 | 91,5°C | 92,8°C | +1,3°C |
| 4 | 90,9°C | 93,0°C | +2,1°C |
| 5 | 90,4°C | 93,3°C | +2,9°C |
Bezug 1 liegt jetzt nur noch 0,17°C unter dem 93°C-Ziel, was die volle Punktzahl für die Treffsicherheit im Kaltstart bringt. Der Range über alle fünf Bezüge fällt auf 1,03°C. Die Maschine zeigt jetzt keine fallende Kurve mehr, sondern eine leicht steigende, was bedeutet, dass sie nach 15 Minuten bereit ist und sich von Bezug zu Bezug noch leicht einschwingt. Die Standardabweichung im Gesamtverlauf: 0,4°C. Das ist für einen Zweikreiser außerordentlich gut, da kann man ohne weiteres Vergleiche zu deutlich teureren Dualboiler-Maschinen ziehen.
Tropfschale abnehmen. Dahinter findet ihr drei Knöpfe. Rechten Knopf einmal drücken, dann linken Knopf einmal drücken, dann mittleren Knopf gedrückt halten bis das Untermenü erscheint. Dort die Brühkopftemperatur von 91°C auf 96°C erhöhen und mit langem Druck auf den mittleren Knopf bestätigen. Das war es.

Bewertungsübersicht: Original vs. Andrea-Hack
Rocket Mozzafiato R Fast
Testprotokoll v2.3 — Original-Einstellung (Brühkopf 91°C)
Espresso-Qualität
Score: 7,0/10
Mit dem Andrea-Hack brüht die Maschine bei stabilen 92,5 bis 93°C. Das merkt man in der Tasse. Wir haben mit Komal aus unserer lila Linie gebrüht: süß, rund, weich. Die E61-Brühgruppe sorgt für gleichmäßigen Druckaufbau, die thermische Masse gibt dem Bezug Stabilität.
Was ihr nicht bekommt: Flexibilität. Kein Druckprofiling, keine einstellbare Preinfusion, keine Flowkontrolle. Die Rotationspumpe startet mit vollem Druck. Für klassische, kräftigere Espressoröstungen ist das kein Problem. Bei hellen, empfindlichen Specialty-Röstungen, die präzise Druckverläufe brauchen, stößt ihr an Grenzen. Das ist eine technologiebedingte Grenze, keine Schwäche der Verarbeitung.
Espresso-Qualität
Score: 7,0/10
Mit dem Andrea-Hack zieht die Maschine bei stabilen 92,5 bis 93°C. Wir haben mit Komal aus unserer lila Linie gebrüht und sehr süße, runde Espressi bekommen, mit einer Textur, die den vollen Körper eines gut gemachten Zweikreiser-Shots hat. Die E61-Brühgruppe baut den Druck gleichmäßig auf und ihre thermische Masse sorgt dafür, dass ein einzelner Bezug intern sehr stabil bleibt. Was die Maschine nicht kann, ist Flexibilität. Sie startet mit vollem Rotationspumpendruck, ohne Preinfusion, ohne profilierbaren Flow. Für klassisch geröstete Kaffees ist das kein Problem, bei hellen, komplexen Spezialitätsröstungen, die empfindlich auf unkontrollierten Druckaufbau reagieren, stoßt ihr an Grenzen.
Milchschaum: Die eigentliche Stärke dieser Technologie
Score Schäumqualität: 6,5/10
300 ml Milch von 8 auf 60°C in 28 Sekunden. Das ist schnell, und wer viele Gäste bewirtet, wird das schätzen. Der Kannenwinkel, den wir beim Schäumen anlegen müssen, liegt bei rund 15 Grad, was auf gute Dampfpower hindeutet ohne dass man die Kanne extrem schräg halten müsste. Weil der Dampf aus einem eigenen Kreislauf kommt, könnt ihr gleichzeitig brühen und schäumen, ohne dass eines das andere beeinträchtigt. Das ist eine echte Stärke dieser Technologie.
Zwei Dinge, die im Alltag nerven: Erstens kommen beim Öffnen der Dampflanze immer rund 8 ml Kondenswasser aus der Lanze, ihr müsst also immer zuerst kurz in ein Tuch ausblasen, bevor ihr die Milch ranhaltet. Zweitens hat die Lanze kein Cool-Touch. Nach dem Schäumen ist sie heiß genug, um sich die Finger zu verbrennen, und bleibt das eine Weile.
Lautstärke
Score: 5,0/10
62,2 dB beim Brühen, gemessen mit 20 cm Abstand. Das ist unauffälliger Durchschnitt für eine Maschine mit Rotationspumpe, hörbar aber nicht störend, kein charakteristisches Heulen oder unangenehmes Brummen.
Stromverbrauch
Score: 4,0/10
Wir messen mit dem Christ CLM1000 Professional. Für Aufheizen plus einen Espresso verbraucht die Maschine 0,264 kWh, das ist unser score-relevanter Wert nach dem Espresso-First-Prinzip. Ein vollständiges Cappuccino-Szenario mit Aufheizen, Bezug und Schäumen liegt bei 0,283 kWh. Das Warmhalten kostet 0,147 kWh pro Stunde, was sich bei längerem Betrieb summiert.
Das ist die systembedingte Schwäche des Zweikreisers: Weil der Boiler permanent auf Temperatur gehalten wird, auch wenn ihr nur einen Espresso am Tag trinkt, zieht die Maschine im Bereitschaftsbetrieb kontinuierlich Strom. Wer abends die Maschine anschaltet und morgens brüht, tut ihr keinen Gefallen und der Umwelt auch nicht.
Zubehör
Score: 7,5/10
Rocket liefert mittlerweile einen Tamper mit, der tatsächlich passt: weniger als 1 mm Spiel, das ist in dieser Preisklasse keine Selbstverständlichkeit und gibt die volle Punktzahl in dieser Kategorie. Die Siebe sind akzeptabel, nicht überragend. Blindsieb und Reinigungsbürste sind dabei. Einen Single-Auslauf, einen bodenlosen Siebträger oder eine Milchkanne findet ihr nicht im Lieferumfang.
Volumenpotential
Score: 5/10
Der WBC-Stresstest mit 14 schnell aufeinanderfolgenden Bezügen ist kein realistischer Einsatzbereich dieser Maschine, das Temperaturfenster öffnet sich dabei auf 11,6°C. Was positiv eingeht: Festwasseranschluss vorhanden, Tropfschale mit Ablauf. Beim Durchschäumen von fünf Kannen à 300 ml merkt man ab dem fünften Durchgang den Leistungsabfall bei der Dampfpower, was auf eine gute aber nicht unbegrenzte Reservekapazität hindeutet. Für einen Privathaushalt mit gelegentlichen Gästen ist das völlig ausreichend, für Catering-Einsatz nicht gedacht.
Alle Messungen nach Kaffeemacher-Testprotokoll v2.3. Temperaturmessung mit Scace 2, Strommessung mit Christ CLM1000 Professional.
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Fazit
Im ersten Test lag die Mozzafiato R Fast genau da, wo wir sie erwartet hatten: ein solider Zweikreiser mit 25 Minuten Aufheizzeit und einem Temperaturniveau, das knapp unterhalb der 93°C-Zielmarke blieb. Besser als ihre Vorgänger, aber nichts, was im Markt 2025 wirklich aufhorchen lässt. Dann hat Andrea das Untermenü gefunden.
Mit dem Andrea-Hack ist die Maschine in 15 Minuten brühbereit und liefert eine Temperaturkonstanz, die selbst im Zweikreiser-Vergleich außerordentlich ist. 0,4°C Standardabweichung, Bezüge zwischen 92,8 und 93,3°C, eine Flatline innerhalb des Shots. Das ist nicht mehr die Maschine, über die wir im ersten Test geschrieben haben. Wir empfehlen euch deshalb ausdrücklich, den Hack zu machen, wenn ihr die Mozzafiato R Fast besitzt oder kauft.
Was diese Maschine nicht wird: eine Maschine für alle. Wer morgens mit wenigen Minuten Vorlaufzeit brühen will, ist mit einem Dickfilmheizer besser bedient. Wer helle Spezialitätsröstungen mit präzisem Druckprofil extrahieren will, braucht Flow-Control. Und wer auf den Stromverbrauch schaut, muss wissen, dass ein Zweikreiser im Bereitschaftsbetrieb läuft, solange er eingeschaltet ist.
Für alle anderen, und das ist eine respektable Gruppe, bekommt ihr für 2.190 Euro eine Maschine, die zuverlässig, langlebig und mit dem richtigen Hack temperaturstabil ist, mit einer Dampfpower, die viele deutlich teurere Geräte alt aussehen lässt, und mit einer Verarbeitung, die man bei früheren Rocket-Generationen so nicht kannte. Das hat Substanz.
Technische Daten
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Preis | 2.190 EUR |
| Boiler-Typ | Heat Exchanger (Zweikreiser) |
| Pumpentyp | Rotationspumpe |
| PID | Ja (Boilertemperatur, nicht Brühtemperatur) |
| Profilierung | Keine |
| Aufheizzeit Original | 25 Minuten |
| Aufheizzeit Andrea-Hack | 15 Minuten |
| Brühtemperatur Original | 91,6°C bis 90,4°C (sinkend über 5 Bezüge) |
| Brühtemperatur Andrea-Hack | 92,8°C bis 93,3°C (stabil) |
| Lautstärke | 62,2 dB(A) |
| Stromverbrauch Espresso | 0,264 kWh (Aufheizen + 1 Shot) |
| Stromverbrauch Cappuccino | 0,283 kWh (Aufheizen + Shot + Dampf) |
| Warmhalten pro Stunde | 0,147 kWh |
| Milchschäumen 300ml | 28 Sekunden (8°C auf 60°C) |
| Wassertank | 1,8 Liter |
| Tropfschale | 1.100 ml |
| Festwasseranschluss | Ja |
| Maße (B × T × H) | 31,4 × 45,7 × 40,9 cm |
| Tiefe mit Siebträger | 57,5 cm |
| Gewicht | 30 kg |
| Siebträgerdurchmesser | 58 mm |
Strommessung mit Christ CLM1000 Professional, Kaltstart nach 6 Stunden Ruhe.

Wie immer haben wir auch diese Maschine selbst gekauft. Dieser Test wurde nicht von Rocket angefragt. Die Bewertung basiert auf unserem Testprotokoll v2.3.
















