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    Option-O Lagom 01 im Test: 102-mm-Scheiben, 3.000 Euro, eine Überraschung

    Option-O Lagom 01 im Test: 102-mm-Scheiben, 3.000 Euro, eine Überraschung

    2.999 Euro, 2.999 Franken. Die Option-O Lagom 01 ist die teuerste Single-Dosing-Mühle, die wir bisher getestet haben, und gleichzeitig die offizielle Filterkaffeemühle der World Brewers Cup Championship 2026–2029. Eine Weiterentwicklung der P100, in unserer Version mit 102-mm-Mizen-102OM-Scheiben (Blind Burrs), stufenloser RPM-Regelung von 200 bis 1.700 und einem Gewicht, das manche Espressomaschine neidisch macht: 15,3 kg.

    Diese Mühle haben wir nicht gekauft. Wir haben sie von Urs Rotzinger geliehen, dem deutschen Brewers-Cup-Meister, der die 01 für seinen Weg zur Weltmeisterschaft nutzt. Danke, Urs.

    Die Frage, die über diesem Test steht: Was rechtfertigt 3.000 Euro bei einer Mühle?

    Design & Verarbeitung

    Die Lagom 01 ist kein Designstück – finden zumindest wir. Sie ist ein Robustheitsstatement. 15,3 kg CNC-gefrästes 6061-T6-Aluminium, 17 cm breit, 30 cm tief, 36 cm hoch. Keine Eleganz à la P64 oder Casa, dafür eine Mühle, die sich anfühlt, als hätte man sie für die nächsten zwanzig Jahre gebaut.

    Die Verarbeitungsqualität ist das, was wir von Option-O gewohnt sind: alles massiv, alles durchdacht. Die Mahlscheiben sind fast werkzeuglos zugänglich – Oberteil hochheben, drehen, raus. Technisch braucht ihr einen dünnen Stift zum Lösen, aber das ist so nah an werkzeuglos, dass wir die Reinigungsmöglichkeit als sehr gut bewerten. Noch wichtiger: Nach dem Zusammenbau seid ihr exakt wieder beim alten Mahlgrad. Keine Neukalibrierung nötig.

    Der magnetische Dosierbecher (50 g) sitzt sauber. Er ist allerdings sehr groß, damit er bis unter den Auswurf reicht. Das macht ihn funktional, aber nimmt ihm die Eleganz beim Arbeiten. Deutlich angenehmer: der mitgelieferte Siebträgerhalter, der magnetisch einrastet und den Kaffee direkt in den Siebträger leitet.

    Mahlwerk & Technik

    Mizen 102OM Flat Burrs, in der Version als Blind Burrs. Die Mahlscheiben sind also von hinten verschraubt, was sich in der Homogenität des Mahlgutes zeigt. Die RPM-Regelung reicht von 200 bis 1.700 U/min, einstellbar über eine Skala von 1 bis 9. Diese Range ist massiv und eröffnet sowohl für Filterkaffee als auch Espresso ein enormes Spielfeld.

    Niedrige Drehzahlen liefern in der Regel schmalere Hauptpeaks in der Partikelverteilung und mehr Klarheit, hohe Drehzahlen mehr Körper. Dazu gleich mehr im PVM-Abschnitt.

    Die Mahlgradverstellung ist stufenlos, jeder Hauptstrich bewegt die Scheiben um 7,5 Mikrometer. Zwischen Espresso und Filterkaffee liegt weniger als eine volle Umdrehung. Das macht das Verstellen der Mühle sehr angenehm und erlaubt auch eine bessere Wiederfindbarkeit des Mahlgrades. Bei anderen Mühlen muss man sich notieren, zu wievielten Mal die 1 am Markierstrich vorbei kam, wenn man von Espresso zu Filterkaffee wechselt. Integriert sind ein Knocker gegen Rückstände im Auswurf und eine Purge-Funktion, die am Ende der Mahlung die Drehzahl kurz hochfährt, um den temporären Totraum auszublasen.


    Mahlgeschwindigkeit & Lautstärke

    75 g in 10 Sekunden. 18 g in 4 Sekunden. Bei Espresso-Mahlgrad. Das sind Werte, die wir sonst von der Oberklasse der Gastronomie-Mühlen kennen. Der Motor (Peak 1.300 W, Brushless DC) und die großen Scheiben machen das möglich.

    Die Kehrseite: 89,2 dB. Die 01 ist laut. Nicht penetrant-eiernd, eher ein Turbinengeräusch, das kurz hochfährt und wieder stoppt. Wir sind an der Grenze zwischen unserem mittleren und lauten Bereich.

    Der Trost: Bei 4 Sekunden Mahldauer für einen Espresso ist das Geräusch schnell vorbei. Wer aber frühmorgens in der Wohnung mahlen will, während der Rest noch schläft – der sollte das wissen.

    Mahltemperatur & Konstanz

    Im Temperaturtest (5 × 18 g, je 20 Sekunden Pause) bleiben wir durchgehend unter 30,5 °C. Der Mittelwert liegt bei 29,3 °C. Trotz der enormen Geschwindigkeit keine nennenswerte Erwärmung. Top-Kategorie.

    Was das praktisch heißt: Ihr könnt mehrere Portionen hintereinander mahlen, ohne dass flüchtige Aromen durch Hitze verloren gehen. Für helle Röstungen, bei denen thermische Belastung schnell spürbar wird, ist das relevant.

    Die Konstanz bestätigt das Bild: 0,04 g Standardabweichung über 15 aufeinanderfolgende Mahlungen. Hervorragend. Die 01 wirft zuverlässig die gleiche Menge aus, Mahlung für Mahlung.

    Totraum

    Der Totraum ist bei 102-mm-Scheiben die spannendste Messung. Die Mahlkammer der 01 bietet viel Luftraum zwischen den Mitnehmern – bei einer klassischen Mühle dieser Baugröße würde man mit zweistelligen Grammwerten konfrontiert.

    Wir haben den Totraum in zwei Konfigurationen gemessen:

    Ohne Purge-Funktion (Start-Stop): 0,7 g temporär, 0,1 g permanent, 0,8 g absolut.

    Mit Purge-Funktion (Auto-Modus): 0,4 g temporär, 0,1 g permanent, 0,5 g absolut.

    0,5 g absoluter Totraum bei 102-mm-Scheiben. Das ist wirklich beeindruckend. Da hätten uns viel höhere Werte nicht überrascht. Die Konstruktion der Mitnehmer und die Purge-Funktion drücken den Wert auf ein Level, das viele deutlich kleinere Mühlen nicht erreichen.

    Single-Dosing-Performance

    18 g rein, 18 g raus. Bei fünf aufeinanderfolgenden Mahlungen messen wir Abweichungen zwischen 17,9 und 18,0 g, sofern die Purge-Funktion aktiv ist.

    Die eingebaute Antistatik funktioniert auffallend gut. Im Gegensatz zur P64, die ohne Wasserspray kaum nutzbar ist, könnt ihr die 01 problemlos ohne RDT betreiben. Ein bisschen Statik am Rand des Dosierrings, aber nichts, was den Workflow stört.

    Mit RDT steigt die Ausgabemenge minimal über 18 g (18,1–18,2 g), weil das Wasser Gewicht hinzufügt.

    Wer direkt in den Siebträger mahlen will: Der mitgelieferte Siebträgerhalter ist der angenehmere Weg. Magnetisch, sauber positioniert, der Kaffee landet dort, wo er soll. Wirklich schön gemacht, dieser Aufhänger. Und ein echter Konstruktionsvorteil, dass der Kaffee von oben nach unten in den Siebträger fällt, und nicht über eine schräge Rutsche, wie bei der überwiegenden Anzahl aller Espressomühlen.

    Mahlgradreplizierbarkeit

    Im Verstellungstest (Espresso → Ristretto → Lungo → zurück auf Espresso) zeigt die 01, was die stufenlose Verstellung und die Präzision der Mechanik wert sind.

    Die Peak-Breite im T4 (Espresso-Ausgangseinstellung): 183,9 µm. Nach der kompletten Verstellungssequenz zurück auf Espresso (T7): 182,5 µm. Eine Abweichung von 1,4 µm – praktisch identisch. Ihr kommt exakt dahin zurück, wo ihr angefangen habt.

    Der x50-Wert weicht zwischen T4 (274 µm) und T7 (287 µm) um rund 12 µm ab, was innerhalb normaler Streuung liegt.

    Was das für den Alltag heißt: Wer zwischen Espresso und Filter wechselt, muss nach dem Zurückstellen nicht neu kalibrieren. Die Mühle liefert reproduzierbar. Sehr gut.


    Partikelverteilung

    Die Partikelverteilung haben wir in Kooperation mit der ZHAW mit dem Retsch Camsizer X2 analysiert.

    Espresso-Einstellung (T4):

    x50: 274 µm | Feinanteil (Qf <100 µm): 32,7 % | 60%-Peak-Breite: 184 µm

    Eine Peak-Breite von 184 µm ist eng. Das Mahlgut ist homogen, die Extraktion entsprechend gleichmäßig. In der Tasse zeigt sich das als Klarheit und Struktur – der Espresso wirkt nicht „verzettelt". Zum Vergleich: Ab rund 300 µm Peak-Breite erleben wir regelmäßig Espressi, in denen einzelne Geschmacksnoten auseinanderfallen.

    Der Feinanteil von 33 % liefert genügend Körper, ohne den Espresso zu überladen. Das passt zu mittel-hellen Röstungen ebenso wie zu klassischeren Profilen. Wer ganz helle, komplexe Röstungen bevorzugt: Mit niedrigerer RPM lässt sich der Feinanteil weiter reduzieren.

    RPM-Vergleich (Filterkaffee):

    Wir haben die 01 auch im Filterkaffee-Betrieb mit zwei RPM-Einstellungen getestet: Minimum (200 U/min) und Maximum (1.700 U/min). Beide Tassen sind sauber und balanciert. Die niedrige Drehzahl liefert ein schmaleres Peak, mehr Klarheit, weniger Bitterkeit. Die hohe Drehzahl bringt etwas mehr Körper, dafür einen leicht trockeneren Nachgeschmack.

    Die 01 hat aber auch bei maximaler RPM so viel Klarheit durch die enge Partikelverteilung, dass der Unterschied feiner ausfällt als erwartet. Beide Einstellungen funktionieren. Die RPM-Regelung ist ein Werkzeug für die Feinabstimmung, kein Pflichtprogramm.

    Verkostung

    In der Tasse zeigt die 01 das, was die Partikelverteilung verspricht: Klarheit. Das ist das Wort, das uns bei dieser Mühle am häufigsten einfällt.

    Espresso mit dem Apas (unser Referenzkaffee): Viel Süße, weiche Textur, klare Säure ohne Schärfe. Der Körper ist eher auf der sanfteren Seite – kein schwerer, drückender Espresso. Das passt zu mittel-hellen Röstungen, lässt sich aber auch bei etwas dunkleren Profilen sauber einstellen.

    Im Filterkaffee-Test (Amigo): Überraschend niedrige Bitterkeit, eine saubere Tasse mit viel Balance. Beide RPM-Einstellungen liefern Tassen, die die Mühle nicht limitiert.

    Und dann war da noch ein heller, komplexer Kaffee aus der Kaffeemacher-Orangenlinie namens Yulieth. Extreme Klarheit, viel Süße, lebendige Säure. Die Mühle holt aus solchen Kaffees das Maximum raus, ohne zu überextrahieren.

    Filterkaffee

    Die 01 ist die offizielle WBrC-Mühle 2026–2029. Das ist kein Zufall. Wer Filterkaffee als Hauptanwendung sieht, bekommt eine Mühle, die auch bei 40 g für Batch Brew schnell und temperaturstabil mahlt.

    Die Kombination aus Geschwindigkeit, RPM-Regelung und enger Partikelverteilung macht die 01 für den Filterkaffee-Einsatz in der Gastronomie interessant. Für zu Hause erst recht – wenn Platz kein Thema ist.

    Die Einschränkung: Unter die Mühle passt kein ganzer Beutel zum Durchmahlen. Wer für Kunden ganze Packungen mahlen will, braucht eine andere Lösung.


    Fazit

    Die Option-O Lagom 01 ist in den meisten Messkategorien der Benchmark unter den Mühlen, die wir bisher getestet haben. 0,5 g Totraum bei 102-mm-Scheiben, 29,3 °C Mahltemperatur bei 75 g/10 Sek, 0,04 g Standardabweichung, Peak-Breite von 184 µm, nahezu perfekte Replizierbarkeit. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache.

    Stärken:

    – Partikelverteilung und Tassenqualität auf Benchmark-Niveau
    – Totraum für diese Scheibengröße herausragend
    – Temperatur, Konstanz, Geschwindigkeit: Top in jeder Kategorie
    – RPM-Regelung als Werkzeug für Geschmackssteuerung
    – All-Purpose (Espresso + Filter) innerhalb einer Umdrehung
    – Antistatik funktioniert ohne RDT

    Schwächen:

    – 89,2 dB: laut
    – 2.999 EUR/CHF: hoher Einstiegspreis
    – Design funktional, nicht elegant
    – Dosierbecher-Handling etwas klobig

    Für wen?

    High-End-Homebaristas, die eine Mühle für Espresso und Filterkaffee wollen, ohne Kompromisse bei der Partikelverteilung. Für Specialty-Gastronomie als Filterkaffeemühle oder als Single-Dosing-Lösung mit hohem Durchsatz.

    Für wen nicht?

    Wer eine elegante, leise Mühle für die Küchentheke sucht. Wer 2.999 Euro nicht in eine Mühle investieren kann oder will. Wer bereits eine spezialisierte Espressomühle hat und keinen Filterkaffee macht.

    Wenn die 01 1.500 Euro kosten würde, wäre die Empfehlung eindeutig für alle, die beides wollen. Bei 2.999 Euro ist sie eine Investition, die man bewusst treffen muss. Aber was man dafür bekommt, ist aktuell schwer zu toppen. Allerdings ist der qualitative Unterschied zu mancher Mühle im Preisbereich von 1.400 – 2.000 Euro (wie etwa der DF83 V2) ehrlich gesagt vor allem die Geschwindigkeit. Qualitativ-sensorisch tun sich die guten Mühlen mit guten Mahlscheiben da wenig.

    Testergebnisse: Option-O Lagom 01

    Leistung & Messwerte
    Lautstärke 89,2 dB
    Geschwindigkeit / 10 Sek 75 g
    Geschwindigkeit / 18g 4 Sek
    Temperatur 29,3 °C

    Totraum (Retention)
    Temporärer Totraum 0,4 g
    Permanenter Totraum 0,1 g
    Absoluter Totraum 0,5 g
    Single Dosing Performance 0,4 g
    Praxis-Bewertung
    Konstanz (Stabw) 0,04
    Bedienbarkeit sehr gut
    Mahlgrad-Replizierbarkeit sehr gut
    Reinigungsbedienung sehr gut
    Espressopotential sehr gut

    Technische Daten im Überblick

    Preis 2.999 EUR / 2.999 CHF (UVP, Stand 2026)
    Scheibengröße 102 mm (98/102 mm inner/outer)
    Scheibentyp Flat (Mizen 102OM Blind Burrs)
    Betriebsmodus Single Dosing / Hopper (300 g)
    Mahlgeschwindigkeit 75 g / 10 Sek | 18 g in 4 Sek
    Lautstärke 89,2 dB(A)
    Mahltemperatur 28,3–30,2 °C (Mittelwert 29,3 °C)
    Totraum absolut 0,5 g mit Purge (0,4 g temp. / 0,1 g perm.)
    Totraum ohne Purge 0,8 g (0,7 g temp. / 0,1 g perm.)
    Single-Dosing-Abw. 0–0,1 g (mit Purge)
    Konstanz (Std.abw.) 0,04 g
    x50 (Espresso T4) 274 µm
    Feinanteil Qf <100 µm 32,7 %
    60%-Peak-Breite 184 µm
    RPM-Regelung Ja (200–1.700 U/min, Skala 1–9)
    Gewicht 15,3 kg
    Maße (B × T × H) 17 × 30 × 36 cm
    Motor Brushless DC, Peak 1.300 W
    Material 6061-T6 CNC Aluminium
    Besonderheiten Purge-Funktion, integr. Antistatik, Knocker, Siebträgerhalter, stufenlos (7,5 µm/Tick)

    Alle unsere Espressomühlen-Tests findet ihr in der Espressomühlen-Übersicht.

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