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    Bester Italienischer Espresso. Der große Test

    Bester Italienischer Espresso. Der große Test

    Für viele Kaffeetrinker ist "der echte italienische Espresso" das Maß aller Dinge. Doch wie schmeckt dieser Kaffee? Wie wird er zubereitet? Und welche Bohnen werden dafür verwendet? Wir haben eure 20 Favoriten verkostet. Drei Kaffees setzen sich vom Feld ab.

    Oft hören wir in Barista-Kursen, dass der Kaffee immer besser wird, sobald jemand eine Reise in den Süden unternimmt. Wer durch den Gotthardtunnel oder über den Brennerpass fährt, werde auf der anderen Seite mit einem "richtig guten Espresso" verwöhnt.

    Ist das wirklich so? 

    Es ist gut möglich, dass die Erwartung, das Feriengefühl, der Anblick der Maschine und bekannter Bohnen-Brands in den Augenblick mit rein spielen, so dass der Espresso anders wahrgenommen wird, als wenn er zu Hause gemacht wird.

    Oder aber, das Verhältnis der eingesetzten Menge Kaffeepulver zur Extraktionsmenge in der Tasse unterscheidet sich deutlich von dem, was nördlich der Alpen gang und gäbe ist.

    Also ging es uns in unserem großen Test darum, zwei Hauptfragen zu klären:

    1. welche Kaffees identifiziert unsere Community als guten italienischen Espresso?
    2. und wie soll der genau zubereitet werden?

    Zum ersten Punkt haben wir euch im September 2024 gefragt, welche Kaffees wir verkosten sollen. Über 2000 Stimmen wurden vergeben. Die Top-17 haben wir mit der Hilfe von Philipp von Vettore aufgetrieben, drei weitere Kaffees haben wir durch Kenner italienischen Kaffees auswählen lassen: Philipp Vettore selbst, Giovanni Meola und Antonio Nurri. Zum zweiten Punkt der Zubereitung: in unserem ersten Video 2019 zum italienischen Espresso haben wir die Kaffees auf einer Nuova Simonelli Black Eagle zubereitet. Unser Standardrezept von 18g in und 45g out bei 93°C Brühtemperatur hätte nicht allen Kaffees gedient, so der Tenor in den Kommentaren. 

    Also haben wir Antonio Nurri eingeladen, der gleich mit seiner eigenen Maschine (Nurri Leva) nach Basel gereist ist. Antonio ist Kaffeeröster in Neapel und entwickelt seine eigenen Kaffeemaschinen, die für viele heute schon Kultstatus haben.

    Assistiert wurde Antonio von Gianni Marzinotto, der erfolgreich an der von uns organisierten Home Barista Meisterschaft 2023 abgeschnitten hat. Zu zweit haben Antonio und Gianni individuelle Rezepturen für alle Testkaffees gefunden und auf der Nurri Leva zubereitet.

    Verkostungs-Kriterien und Test-Ablauf

    Extraktion

    • individuelle Rezepturen von Antonio und Gianni auf der Nurri Leva
    • der Test wurde doppelblind durchgeführt: Damian vom Rösterei-Team hat die Originalbeutel codiert und die Testbeutel wiederum mit einem neuen Code versehen. Weder Antonio und Gianni, noch Benjamin und Philipp wussten, welcher Kaffee verkostet wird

    Sensorische Bewertung - massgebend für die Tabelle

    In der Bewertung des geschmacklichen Gesamteindrucks unterscheiden wir verschiedene Kriterien

    Gute/schlechte Bitterkeit

    Es gibt verschiedene Arten von Bitterkeit. Die Einen sind angenehm, die Anderen können die Wahrnehmung hemmen. Wir bewerten hier nach Intensität und Qualität. Mehr zur Bitterkeit in Kaffee in diesem Artikel und Video.

    Süße-Säure-Balance

    Hier untersuchten wir den Kaffee auf das Verhältnis von Süße zu Säure. Die wahrgenommene Süße in einem Kaffee unterstützt die Säure - je mehr Süße wir wahrnehmen können, umso angenehmer wird die Säure.

    Schwere und Textur

    Die Schwere des Kaffees ist weniger als die halbe Miete: wir können Kaffees immer so brühen, dass sie möglich schwer sind, aber das geht vielleicht auf Kosten der Textur:

    Textur - hier analysieren wir das sogenannte Mundgefühl, also wie sich der Kaffee auf der Zunge ausbreitet. Ist der Kaffee seidig, cremig, wässerig, samtig, etc., belohnen wir das mit einer hohen Note. Ist der Kaffee rau, staubig, kreidig oder mehlig, ziehen wir Punkte ab.

    Aroma-Spektrum

    Hier beschreiben wir die Vielfältigkeit der Aromen. Sitzt der Kaffee im schokoladigen Bereich, schert er etwas aus in die nussigen, oder sogar leicht fruchtigen Noten.

    Bewertung der physischen Bohnenqualität

    Die Bewertung der physischen Bohnenqualität hatte keinen direkten Einfluss auf die finale Rangliste. Indirekt aber bewerteten wir Kaffees mit einem schlechteren Bohnenbild niedriger, weil physische Bohnendefekte einen marginalen bis starken Einfluss auf die Sensorik haben können.

    Bruch

    Besteht der Kaffee aus vielen kaputten Bohnen, oder finden wir gar keine? Gebrochene Rohkaffee-Bohnen verbrennen während der Röstung und können stark brandige Noten in den Kaffee bringen.

    Eine durchmischte Bohnenqualität mit Bruch, Hüllen, Kratern der heissen Röstung und viel Öl

    Öligkeit

    Wie stark ölt der Kaffee? Je mehr Kaffeeöl auf der Oberfläche erscheint, umso schneller kann der Kaffee geschmacklich ranzig werden

    Bewertung der Transparenz

    Wie auch die physische Bohnenqualität haben wir die Transparenz und Nachhaltigkeit nicht in die sensorische Rangliste genommen, untersuchen und bewerten aber jeden Kaffee darauf in der Einzelanalyse weiter unten.

    Röstdatum

    Ist das Röstdatum bekannt?

    Angabe Rohkaffees

    welche Rohkaffees werden verwendet, in welchem Verhältnis?

    Rückverfolgbarkeit

    Beschränkt sich jemand auf die Mindestangabe "Arabica/Robusta"? Wer nennt die Herkunftsländer, oder schildert, woher die Kaffees ganz genau kommen?

    Zertifizierungen

    besitzt der Kaffee Zertifizierungen oder nicht?

    Auf der Suche nach Transparenz

    Die Resultate: bester italienischer Espresso

    Wir haben alle Kaffees an einem Tag verkostet. Am Ende waren es 19 statt 20, da es ein Paket nicht zeitgerecht zu uns geschafft hat. Antonio und Gianni haben individuelle Rezepturen gemacht, Benjamin und ich haben die Kaffees verkostet. 

    Wir haben grössere Unterschiede in der Rohkaffeequalität gesehen, wie auch in der Intensität der Röstung. Einige Kaffees passten sehr gut auf die notabene sehr breite Definition des espresso italiano. Andere Kaffees überraschten uns, weil wir diese nicht als “klassischen italienischen Espresso” klassifiziert hätten.

    In dieser Tabelle seht ihr die Gesamtsieger. Weiter unten folgt die Analyse der einzelnen Kaffees.

    Der Gewinner: Illy Classico

    Sensorik:

    Florale Noten im Aroma geben dem Kaffee Charakter. Wenig bis mittlerer Körper, seidige Textur. Zitrische, delikate Säure. Ausgewogen, karamellige Noten im Abgang.

    Bohnenqualität: relativ einheitlich, etwas Bruch

    Rezeptur: in: 18,1g, out pro Tasse: 14,7g, Ratio: 1:1,62, Zeit: 34sec

    Öligkeit der Bohnen: 2/5

    Röstdatum: ja

    Angabe Rohkaffees: nein, nur: 100% Arabica

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Der Zweitplatzierte: Manaresi

    Sensorik:

    Sehr weiche Textur mit hoher Balance von Süsse zu Säure. Vielfältige Geschmacksnosten, von intensiver Haselnuss, Macadamias, Lakritz über Dörrfrüchte und Tabak. Ein angenehmer Nachgeschmack und eine mittlere Röstung.

    Bohnenqualität: mehrheitlich einheitliche Grösse, wenig Bruch, gut

    Rezeptur: in: 18g, out pro Tasse: 17g, Ratio: 1:1,89, 20sec

    Öligkeit der Bohnen: 1,5/5

    Röstdatum: nein

    Angabe Rohkaffees: nein, nur 100% Arabica

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Platz drei: Omkafè Diamante

    Sensorik:

    Ölige Textur, dichter Körper. Viel Nougat, dunkle Schokolade, ganzes braunes Zucker-Spektrum, einen Ticken fruchtig (Steinobst), langer Nachgeschmack bei mittel-dunkler Röstung und mittlerer Säure.

    Bohnenqualität: sehr gutes Bohnenbild

    Rezeptur: in:18g, out pro Tasse: 15,6g, Ratio: 1:1,73, Zeit: 34sec

    Öligkeit der Bohnen: 1/5

    Röstdatum: nein

    Angabe Rohkaffees: nur Verhältnis: 92% Arabica, 8% Robusta

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Slitti Extra Black - der Robusta-Lastige

    Sensorik:

    Sehr dunkle Röstung mit angenehmer und weicher Bitterkeit. Dichter Körper und cremige Textur. Noten von Kakao, Karamell und viel Holz im Nachgeschmack, karamellige Süsse. Etwas belegend im Nachgeschmack.

    Bohnenqualität: Öligkeit der Bohnen: 1,5/5

    Rezeptur: in: 18,1g, out pro Tasse: 15,8g, Ratio: 1:1,75, Zeit: 33sec

    Röstdatum: ja

    Angabe Rohkaffees: nur Verhältnis: 35% Arabica, 65% Robusta

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Caffè Moreno - wie ein Strich

    Sensorik:

    Sehr dunkle Röstung mit tabakigen und holzigen Noten. Schwerer Körper. Wenig Komplexität und hohe Bitterkeit, wenig Säure.

    Bohnenqualität: überdurchschnittlich viel Broca und Bruch

    Öligkeit der Bohnen: 4/5

    Rezeptur: in: 18,1g, out pro Tasse: 16g, Ratio: 1:1,77, Zeit: 20sec

    Röstdatum: nein

    Angabe Rohkaffees: nein

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Nurri 100% Napoletano - aus dem Süden

    Sensorik:

    Viel Cremigkeit bei dichter Textur. Noten von dunkler Schokolade, Karamell und Cashewnüssen. Ein sehr langer, süsslicher Nachgeschmack mit angenehmer, weicher Bitterkeit.

    Bohnenqualität: relativ einheitliches Bohnenbild, etwas Bruch

    Öligkeit der Bohnen: 2/5

    Rezeptur: in: 18g, out pro Tasse: 19g, Ratio: 1:2,1, Zeit: 33sec

    Röstdatum: ja

    Angabe Rohkaffees: nein

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Lavazza Gran Espresso - der Platzhirsch

    Sensorik:

    Mittlerer Körper, eher dünne Textur. Balanciert in Süsse-Säure. Im Nachgeschmack einfach mit positiver Bitterkeit. Wenig charakteristische Noten, viel geröstete Mandeln. Etwas “normal”.

    Bohnenqualität: relativ einheitlich, ein paar zerquetschte Bohnen

    Öligkeit der Bohnen: 3/5

    Rezeptur: in: 18,2g, out pro Tasse: 18,9g, Ratio: 1:2,08, Zeit: 20sec

    Röstdatum: nein

    Angabe Rohkaffees: nein

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    New York Extra - heisser Tobak

    Sensorik:

    Gebrannte Mandeln, Kakao und holzige Noten. Eine starke Bitterkeit bei langem Nachgeschmack und alleinstehender Säure. Mittlerer Körper und etwas hohle Textur.

    Bohnenqualität: Bruch und einige Krater von der heissen Röstung stammend

    Öligkeit der Bohnen: 2,5/5

    Rezeptur: in: 18,1g, out pro Tasse: 17g, Ratio: 1:1,88, Zeit: 26sec

    Röstdatum: nein

    Angabe Rohkaffees: nein

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Hausbrandt Superbar - stark und dunkel

    Sensorik:

    Ein “starker Kaffee” - sehr dunkel, etwas scharfer Nachgeschmack. Cremiger Körper, dominiert durch sehr dunkle Zucker. Bitterkeit zuerst weich, danach harsch.

    Bohnenqualität: relativ einheitlich, einige Quaker

    Öligkeit der Bohnen: 3/5

    Rezeptur: in: 18,2g, out pro Tasse: 16,1g, Ratio: 1:1,77, Zeit: 27sec

    Röstdatum: nein

    Angabe Rohkaffees: nein

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Haiti Golden Class - Old, old school aus Rom

    Sensorik:

    Mittlerer Körper mit hohler Textur. Säure dominant, während dunkle Aromen dominieren. Malzige und dunkle Karamell-Noten. Der Nachgeschmack wirkt etwas verbrannt und eine kreidige Bitterkeit bestimmt den Nachgeschmack.

    Bohnenqualität: relativ einheitlich, einige Quaker und Bruch

    Öligkeit der Bohnen: 2/5

    Rezeptur: in: 18,1g, out pro Tasse: 20g, Ratio: 1:2,21, Zeit: 25sec

    Röstdatum: ja

    Angabe Rohkaffees: nein

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Mago Barbera - keine Balance

    Sensorik:

    Viel Textur bei mittlerer Säure. Noten von Tabak und starker Röstung, etwas Nougat. Säure balanciert den Kaffee nicht. Die oxidierte Note gibt dem Kaffee zusammen mit der intensiven Röstungen einen ranzigen Nachgeschmack.

    Bohnenqualität: relativ viel Bruch und zerquetschte Bohnen

    Öligkeit der Bohnen: 2/5

    Rezeptur: in: 18,1g, out pro Tasse: 16,2g, Ratio: 1:1,79, Zeit: 26sec

    Röstdatum: ja

    Angabe Rohkaffees: nein

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Maisto Scugnizzo - dunkel, ölig, ist das der Süden?

    Sensorik:

    Ein “kräftiger, italienischer Kaffee”. Sehr schwer, dunkel geröstet. Etwas Melasse. Sehr hohe Bitterkeit durch die dunkle Röstung. Ein bisschen salzig (Robusta-Qualität?) im Nachgeschmack.

    Bohnenqualität: z.T. brüchige Bohnen durch dunkle Röstung

    Öligkeit der Bohnen: 5/5

    Rezeptur: in: 18,3g, out pro Tasse: 13,3g, Ratio: 1:1,45, Zeit: 28sec

    Röstdatum: ja - jedoch nur Monat

    Angabe Rohkaffees: nur 65% Arabica, 35% Robusta auf Packung, jedoch präzise auf Produktblatt

    Rückverfolgbarkeit: im Produktblatt mitgeliefert: Aufstellung der Rohkaffees

    Zertifizierungen: nein

    Danesi Classic - ist klassisch gut?

    Sensorik:

    Sehr dunkle Röstung mit hoher Bitterkeit. Noten von Asche, Holz und Melasse. Keine Säure. Schwerer Körper, hohle Textur. Süsslich-bitterer Nachgeschmack.

    Bohnenqualität: viele brüchige Bohnen Grund der dunklen Röstung

    Öligkeit der Bohnen: 2/5

    Rezeptur: in: 18,3g, out pro Tasse: 16g, Ratio: 1:1,75, Zeit: 25sec

    Röstdatum: nein

    Angabe Rohkaffees: nein

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Toscaffè Oro

    Sensorik:

    Hohe Intensität von Robusta-Geschmack. Säure nicht genau definiert. Mittlerer Körper, mittlere Textur, langer Nachgeschmack mit hoher Bitterkeit. Etwas salzig.

    Bohnenqualität: einige Quaker

    Öligkeit der Bohnen: 2/5

    Rezeptur: in: 18,1g, out pro Tasse: 14,8g, Ratio: 1:1,64, Zeit: 28sec

    Röstdatum: nein

    Angabe Rohkaffees: nein

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Tre Forze

    Sensorik:

    Dunkles Nougat, dunkle Nüsse. Ein schwerer, cremiger Körper mit wenig definierter Textur. Hohe Bitterkeit, die sich in Nachgeschmack zieht. Kaum Säure.

    Bohnenqualität: relativ einheitlich, etwas Bruch

    Öligkeit der Bohnen: 2,5/5

    Rezeptur: in: 18,2g, out pro Tasse: 16,3g, Ratio: 1:1,8, Zeit: 24sec

    Röstdatum: nein

    Angabe Rohkaffees: nein

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Kimbo Napoletano - viel von allem

    Sensorik:

    Dunkle Röstung, die dunkle Zuckerarten betont. Dunkles Holz im Nachgeschmack. Röstigkeit dominiert, Säure hilft nicht zur Balance. Im Nachgeschmack lange Bitterkeit, eher harsch und metallisch, wenig Süsse.

    Bohnenqualität: relativ viel Broca und Bruch

    Öligkeit der Bohnen: 5/5

    Rezeptur:vin: 18,2g, out pro Tasse: 14,5g, Ratio: 1:1,6, Zeit: 28sec

    Röstdatum: ja

    Angabe Rohkaffees: nein

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Passalacqua Mehari  

    Sensorik:

    Fast schaumiger Körper. Sehr dunkle Röstnoten, aschig, kohlig, keine Süsse mehr. Im Nachgeschmack dominiert eine harte und kreidige Bitterkeit.

    Bohnenqualität: Bruch und etwas Broca sowie Rohkaffee-Schalen

    Öligkeit der Bohnen: 5/5

    Rezeptur: in: 18g, out pro Tasse: 13,5g, Ratio: 1:1,5, Zeit: 28sec

    Röstdatum: nein

    Angabe Rohkaffees: nein

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Borbone Miscela Blu

    Sensorik:

    “Geradliniger” Kaffee, hohe Schwere, viel Körper, etwas hohle Textur. Limitierte Aromatik, kaum Säure, simpel.

    Bohnenqualität: relativ einheitliches Bohnenbild

    Öligkeit der Bohnen: 4/5

    Rezeptur: in: 17,9g, out pro Tasse: 15,3g, Ratio: 1:1,7, Zeit: 26sec

    Röstdatum: ja - jedoch nur Monat

    Angabe Rohkaffees: nein

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Caffè Armeno Penelope

    Sensorik:

    “Ein Kaffee wie ein Strich - kein links, kein rechts.” Kaum Schwere. Keine Säure. Viel Bitterkeit, etwas körnig. Adstringierender Nachgeschmack, unangenehme Bitterkeit.

    Bohnenqualität: relativ viel Broca, Krater durch sehr heisse Röstung

    Rezeptur: in: 18g, out pro Tasse: 15,6g, Ratio: 1:1,73, Zeit: 32sec

    Öligkeit der Bohnen: 3/5

    Röstdatum: nein

    Angabe Rohkaffees: nein

    Rückverfolgbarkeit: nein

    Zertifizierungen: nein

    Was ist ein klassischer italienischer Espresso?

    Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. In unserer Umfrage wurden Kaffees ausgewählt, die wir dann blind verkostet und in dem Setting nicht als “klassisch italienisch” befunden haben. Kräftige Kaffees, dunklere Röstungen, viel Körper, teilweise mit höherem Robusta-Anteil und geringer Säure - diese Beschreibungen hören wir oft. 

    Aber gerade die Kaffees von Manaresi (Rang 2) und Omkafè (Rang 3) entsprechen nicht dieser Definition. Sie zeigten eine deutliche Säure, die Röstungen waren mittel-dunkel und wenn Robusta in der Mischung war, dann schmecken wir den nicht raus.

    Ein Kaffee, den wir als “kongruenten italienischen Espresso” bezeichnet haben, also als Kaffee, bei dem die wenig präzise Vorstellung der Kategorie mit dem Produkt in der Tasse vereinbar schien, war der Espresso von Hausbrandt.

    Im Verkostungsmodus

    Italienischer Espresso: dunkel, dunkler, am dunkelsten?

    Keineswegs. Wir haben eine ganze Palette an Röstgraden verkostet. Mittlere Röstungen von den Top 3, wie auch mittel-dunkle Röstungen von Caffè Armeno, Lavazza, Treforze oder Nurri, bis hin zu den sehr dunklen Kaffees  von Maisto, Moreno oder Passalacqua.

    Auch hier zeigt sich: es gibt keinen einheitlichen Röstgrad von dem, was als klassischer italienischer Espresso gilt.

    Nebst ölig-dunklen Bohnen verkosteten wir auch mittlere Röstungen

    Italienischer Espresso: Robusta-Bomben?

    Teils-teils. Wir hatten Kaffees, die florale Noten zeigten (Illy), andere, die 100% Arabica auslobten, und solche, die mit hochwertigen Robusta-Bohnen arbeiteten. Einige Röstereien setzten Robusta ins Zentrum (Slitti) und betonten so die Schwere und die Holzigkeit.

    Frische - Konsumenten tappen im Dunkeln

    Was für Spezialitätenröstereien Standard ist, gilt für viele italienische Röstereien scheinbar nicht: nur sechs von 20 Röstereien haben das Röstdatum präzise angegeben: Slitti, Kimbo, Illy, Nurri, Haiti, Mago. Zwei Röstereien haben immerhin den Monat angegeben: Maisto, Borbone. 

    Zwölf der 20 Röstereien lassen die Konsumenten im Dunkeln tappen. Gut möglich, dass ihr da an Kaffee kommt, der schon ein Jahr oder weit darüber hinaus alt sein kann.

    Arabica-Robusta Verhältnis - kaum Infos

    Auch hier staunten wir über das Marken-Selbstverständnis, dass scheinbar die Transparenz übertrumpft. Nur drei Röstereien haben auf der Packung vermerkt, dass sie “100% Arabica”-Kaffees verwenden: Illy, Manaresi, Slitti. 

    Würden wir diese Angabe für Wein benutzen, wäre das so präzise wie: 100% Wein aus roten Trauben. Das geht doch besser. Nur drei Röstereien schlüsseln auf der Packung auf, aus wie vielen Teilen Arabica und Robusta die Mischungen bestehen: Omkafè, Maisto und Slitti.

    Keine einzige Rösterei kommuniziert auf der Packung über die eigentliche Herkunft der verwendeten Bohnen. 

    Ein Drittel beschreibt, dass es “die besten Bohnen aus den besten Anbaugebieten der Welt” seien - damit reihen sich diese Röstereien in den Marketingsprech der grössten Supermarktröstereien ein.

    Transparenz und Nachhaltigkeit. Weit gefehlt

    Auch wenn Siegel nicht die totale Absicherung geben, dass der verwendete Kaffee nachhaltig produziert wurde, garantieren sie einen Mindeststandard. Einen, den alle 20 Röstereien ignorieren.

    Keine der getesteten Röstereien setzt auf Siegel (FairTrade, Bio, Rainforest, etc.), oder schreibt es zumindest nicht auf die Packung. Des Weiteren verzichten alle Röstereien darauf, genau zu beschreiben, was für Kaffees verwendet werden. Damit stellt sich die Frage überhaupt nicht, von wem der Kaffee eigentlich kommt. Nur Maisto liefert im Beipackzettel mit, wie sich die Mischung zusammensetzt. 

    Genannt werden die oberflächlichen Daten, wie Händler die Kaffees bezeichnen würden, die einem eine Ahnung geben, woher den Kaffee kommt, aber nicht genau von wem. Auch wenn das in einem Maßstab von 2024 wenig ist, ist es in diesem Panel viel und löblich.

    Fast alle getesteten Espressi in diesem Panel, von kleinen und grösseren Röstereien, setzen damit ausschliesslich auf ihre Markenstärke als Garantin für gute Arbeit. 

    Das ist im Jahr 2024 erstaunlich anachronistisch und zeigt, wie viel Aufholbedarf existiert. 

    Da wünschen wir uns von den Röstereien deutlich mehr Bewusstsein für Nachhaltigkeits-Themen und deren Kommunikation.

    Fazit

    Wir haben eine limitierte Auswahl an italienischen Kaffees verkostet, sahen aber deutlich, dass es kaum eine innere Kohärenz einer eigenen Kategorie gibt. Wir wissen ebenfalls, dass die italienische Kaffeewelt über die 20 verkosteten Espressi hinausgeht. 

    Große Röstereien haben in unserem Test sehr gut bis gut abgeschnitten. Das ist ein Zeugnis dafür, dass diese Unternehmen viel in die gleichbleibende Qualität der Rohkaffees investieren, Qualitätskontrollen standardisiert werden und die Konstanz vielleicht vor der Geschichte stehen.

    Kleinere Röstereien bekommen oft etwas Vorschusslorbeeren und leben vom Charme, der kleineren Unternehmungen einfach inne wohnt. Dieser Charme ist aber in einer Blindverkostung nicht spürbar. Da trennt sich die qualitative Spreu vom Weizen. Wir hatten Kaffees von kleineren Röstereien die sehr guten Rohkaffee ausgewählt und präzise geröstet haben. Ebenso hatten wir Kaffees von kleineren (und auch grösseren) Röstereien, die mittelwertigen Rohkaffee ausgewählt und entweder sehr schnell oder sehr heiss geröstet haben, so dass teilweise nur noch die Röstnoten dominiert haben.

    Zucker

    Wir haben alle Kaffees ohne Zucker probiert. Denn Zucker täuscht über die Qualität des Kaffees hinweg. Solange ein Kaffee ausschliesslich mit Zucker geniessbar ist, dann überwiegt das Gefühl und die Markentreue deutlich mehr als die pure sensorische Analyse.

    Erstaunt waren wir darüber, wie wenig Transparenz und Nachhaltigkeit bei den ausgewählten Kaffees eine Rolle spielt. Viele Supermärkte agieren hier transparenter, wenn sie das Röstdatum auf die Packung schreiben. Das Röstdatum muss ein no-brainer sein, egal für welche Kaffeeart. Wir hatten keinen Kaffee, der mit einer Zertifizierung ausgelobt war - zumindest nicht auf der Verpackung. 

    Auch "Italienischer Espresso" besteht aus Kaffeebohnen. Und alle Röstereien sehen sich mit den gleichen Herausforderungen der Kaffeebranche konfrontiert. Da wünschen wir uns mehr Hinwendung zu Transparenz und nachvollziehbarer, übernommener Verantwortung auf der Kaffeekette.

    Das nächste Mal 30 Espressi? 

    Die 19 verkosteten Espressi gaben ein Stimmungsbild dessen wieder, was als italienischer Espresso getrunken und geschätzt wird. Wir sind weiterhin interessiert und offen, uns ein gesamtheitliches Bild - so divers das auch sein mag - über italienischen Espresso zu machen.

    Wenn ihr also jetzt einen Kaffee vermisst in der Liste, dann schreibt gerne in die Kommentare, was wir beim nächsten Mal verkosten sollen. Und vielleicht sind es in ein paar Jahren dann eben 30, und nicht mehr 20.

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