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    Lelit Pagaia: Flow Control von Mara X3 bis Victoria 3

    Lelit Pagaia: Flow Control von Mara X3 bis Victoria 3

    Pagaia heißt auf Italienisch Paddel. Lelit nennt so das Hebelchen, mit dem sich seit der Mara X3 die Fließgeschwindigkeit beim Espressobezug steuern lässt. Die Mara X3 war die erste Maschine mit dieser Steuerung. Auf der World of Coffee in Brüssel hat Lelit nachgelegt: die Elizabeth und die Victoria kommen jetzt ebenfalls mit Pagaia, und dort steckt sogar noch mehr drin.

    Auf dieser Seite sammeln wir, was wir über Pagaia wissen: wie die Steuerung technisch arbeitet, welcher Hebelwinkel welchen Fluss bedeutet, und worin sich die Ausbaustände zwischen den Maschinen unterscheiden.

    Wichtiger Vorbehalt: Alle Angaben zur Steuerung und alle Messwerte auf dieser Seite stammen aus unserem Test der Lelit Mara X3. Die Pagaia-Versionen der Elizabeth und der Victoria haben wir noch nicht im Test-Labor gehabt. Was wir über sie schreiben, basiert auf der Vorstellung in Brüssel und auf Angaben von Lelit. Ob sich die Steuerung dort genauso verhält, prüfen wir, sobald die Maschinen bei uns stehen. Die Temperaturprotokolle der entsprechenden Maschinen sind voraussichtlich ebenfalls betroffen.

    Wie Pagaia technisch arbeitet

    Klassische Flow Control an einer E61-Brühgruppe funktioniert mechanisch: ein Nadelventil verengt den Wasserweg, die Pumpe läuft weiter auf voller Leistung, der Rest wird abgedrosselt. So macht es Lelit selbst bei der Bianca. Pagaia macht es anders. Der Hebel regelt die Leistung der Pumpe selbst, elektronisch und in Echtzeit über eine Pulsweitenmodulation. Es wird also nicht gebremst, sondern von vornherein weniger Wasser gefördert.

    Das hat zwei praktische Folgen. Erstens hört ihr die Steuerung: bei reduziertem Fluss geht die Vibrationspumpe an der Mara X3 auf unter 50 dB zurück. Ein schönes mechanisches Feedback, das euch beim Brühen mehr sagt als jeder Zeiger. Zweitens ist der Druck bei Pagaia kein Sollwert, sondern ein Ergebnis. Ihr steuert den Fluss, der Druck stellt sich als Folge des Widerstands im Kaffeekuchen ein. Wer aus der Druckprofilierung kommt, muss hier umdenken.

    Welcher Winkel bedeutet welchen Fluss

    Das ist die Frage, die uns häufig gestellt wird. An der Mara X3 haben wir es gemessen:

    6 ml/sHebel voll offen
    ~3,5 ml/s10-Uhr-Position

    Pagaia Hebel an der Lelit Mara X3

    Der Pagaia-Hebel sitzt links an der Maschine. Er regelt keine Ventilstellung, sondern die Leistung der Pumpe.

    Die 10-Uhr-Position ist eine sinnvolle Startposition für die Vorbenetzung des Kaffeekuchens, weil der Puck dort gleichmäßig durchnässt wird, ohne dass ihr sofort Kanäle reißt.

    Unser Tipp für den Einstieg

    Fangt mit dem Hebel auf 10 Uhr an, wartet bis die ersten Tropfen am Auslauf erscheinen, und dreht dann auf voll auf. So haben wir unseren Toca-Espresso aus Mexiko gebrüht: rund 40 Gramm in knapp 30 Sekunden. Das Ergebnis war karamellig und cremig, mit langem Nachgeschmack.

    Und wenn ihr keine Lust auf das Spiel habt: Hebel auf vollen Durchfluss stellen und klassisch brühen. Pagaia zwingt euch zu nichts.

    Was Pagaia an der Mara X3 nicht kann

    Reproduzierbarkeit. Ihr brüht manuell, ihr müsst ein Gefühl dafür entwickeln, wann der Puck benetzt ist und wann ihr hochdreht. Das macht Spaß, wenn ihr Bock darauf habt. Wer morgens verlässlich denselben Espresso will, ohne nachzudenken, ist damit falsch beraten. Eine Volumetrik gibt es an der Mara X3 ebenfalls nicht, und ein Shot-Timer fehlt auch.

    Genau an dieser Stelle wird die zweite Generation interessant.

    Elizabeth 3 und Victoria 3: Pagaia plus programmierbare Stufen

    Lelit nennt die neuen Versionen Elizabeth 3 und Victoria 3. Beide haben den Pagaia-Hebel, aber sie haben zusätzlich einen Drucksensor, dessen Wert auf dem Display angezeigt wird. Und sie haben zwei Tasten, auf denen sich jeweils ein Profil ablegen lässt.

    Ein Profil besteht aus mehreren Stufen. Ihr könnt zum Beispiel mit einer sanften Präinfusion bei niedrigem Druck starten, danach in eine zweite Stufe wechseln, dann in eine dritte. Weil Pagaia die Pumpenleistung regelt, lässt sich das wirklich steuern und nicht nur ventilseitig annähern. Der Druck wird währenddessen gemessen und folgt den programmierten Phasen.

    Das ist der Unterschied, der uns in Brüssel am meisten interessiert hat: an der Mara X3 ist Flow Profiling Handarbeit, an der Elizabeth 3 und der Victoria 3 wird es speicherbar, und die Maschine fährt das Profil automatisch nach. Eine Volumetrik und eine Zeitsteuerung gibt es trotzdem nicht. Die Druckmodulierung ist in dieser Preisklasse dennoch eine Ansage!

    Welche Lelit hat welchen Pagaia-Ausbaustand

    Maschine Bauart Hebel Drucksensor mit Anzeige Programmierbare Profile
    Mara X3 (PL62X3) Zweikreiser ja nein nein
    Elizabeth 3 Dualboiler ja ja, laut Lelit 2 Tasten, mehrere Stufen
    Victoria 3 Einkreiser ja ja, laut Lelit 2 Tasten, mehrere Stufen

    Keine der drei Maschinen hat eine Volumetrik. Von uns getestet ist bisher nur die Mara X3, mit 50,2 von 100 Punkten. Die Angaben zur Elizabeth 3 und zur Victoria 3 stammen von der Vorstellung auf der World of Coffee in Brüssel und sind nicht nachgemessen.

    Was kostet Pagaia

    Lelit verkauft Pagaia bei der Elizabeth und der Victoria als Aufpreis-Variante. In Brüssel wurde uns ein Aufschlag von 300 Euro genannt, jeweils gegenüber der Version ohne Hebel. Bei der Mara X3 ist Pagaia dagegen fest eingebaut, dort liegt der Preis bei 1.699 Euro, rund 500 Euro über der Vorgängerin.

    Die Preise der Lelit Gerätschaften wurden die letzten Jahre durch große internationale Händler stark rabattiert. Maschinen waren teilweise 200 bis 400 Euro unter dem UVP zu haben. Wir werden sehen, wo sich die Gerätschaften mit Pagaia einpendeln.

    Warum Lelit das jetzt kann

    Lelit gehört seit 2022 zur Breville-Gruppe, also zu dem Unternehmen, das in Europa als Sage auftritt. In Brüssel wurde uns gesagt, dass dort ein großer Patentbestand liegt, aus dem Lelit schöpfen kann. Nach Jahren, in denen wir auf Messen Witze über neue Lackierungen als Innovation gemacht haben, fließen hier erstmals sichtbar Technologien zusammen.

    Fazit

    Pagaia ist kein Gimmick. An der Mara X3 haben wir echtes Flow Profiling in einem klassischen Zweikreiser gehabt, und das hat Freude gemacht. Was Lelit für die Elizabeth 3 und die Victoria 3 ankündigt, geht darüber hinaus: programmierbare Stufen in einer Preisklasse, in der es das bisher nicht gab.

    Ob das im Alltag hält, wissen wir erst nach unseren Messungen. Bei der Mara X3 war die Steuerung stark, die Temperaturkonstanz dagegen schwach. Gerade bei der Victoria als Einkreiser mit kleinem Kessel wird spannend, ob eine sanfte Präinfusion überhaupt in einem stabilen Temperaturfenster stattfindet. Wir haben beide Maschinen auf der Liste, schauen uns die Temperatur an und untersuchen das Ganze dann genau.


    Weiterlesen: unser Test der Lelit Mara X3 mit allen Messwerten zur Pagaia, unser Test der Lelit Elizabeth und unser Test der Lelit Victoria. Wie wir messen, steht im Testprotokoll v2.3.

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