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    Eureka Mignon Manuale im Test: Günstiger Espresso-Einstieg und Geheimtipp mit Upgrades

    Eureka Mignon Manuale im Test: Günstiger Espresso-Einstieg und Geheimtipp mit Upgrades

    Die Produktpalette von Eureka ist oft so undurchsichtig wie ein schlecht extrahierter Espresso. Da gibt es die Silenzio, die Specialita, die Perfetto – und ganz unten in der Preishierarchie steht die Eureka Mignon Manuale. Mit einem Straßenpreis von rund 240 Franken (oder Euro) ist sie die günstigste Eintrittskarte in die Welt der italienischen Traditionsmühlen.

    Die Mühle wurde in einer Zeit entwickelt, als Single Dosing noch kein Thema war für den Massenmarkt. Eigentlich funktioniert sie aber mechanisch genau wie eine solche Mühle: Sie hat einen Ein- und Ausschalter – und das war es. Keine programmierbare Zeit, keine Portionen. Genau so funktionieren moderne Single Dosing Mühlen, nur dass diese weiter optimiert wurden, um vor allem den Totraum zu reduzieren.

    Totraum ist der Bereich einer Mühle, der sich mit gemahlenen Kaffeeresten füllt, die nicht direkt im Bezug ausgegeben werden. Ohne Optimierung messen wir bei der Manuale rund 3 Gramm Totraum. Das ist recht klassisch für eine "Dosiermühle" alter Schule. Wenn wir jedoch selbst Optimierungen vornehmen, reduziert sich dieser Wert massiv.

    Deshalb ist dieser Testbericht gleichzeitig eine Anleitung, wie ihr aus der klassischen Mignon Manuale eine günstige Single Dosing Mühle in Eureka-Qualität machen könnt. Warum sich das lohnt? Weil die Partikelverteilung und die Espressoqualität absolut für diese Mühle sprechen!



    Klassisch arbeiten mit der Mignon Manuale

    Ohne zeitgesteuerte Dosierung und mit einem einfachen Bohnenbehälter waren viele der günstigeren Espressomühlen ausgestattet, die auf den Markt kamen, als "Grinding on Demand" sowohl Zuhause als auch in der Gastronomie populär wurde. Statt in eine Dosierkammer wird der Kaffee direkt in den Siebträger gemahlen. Der Heimbarista kontrollierte die Menge früher oft per Auge. Einige wenige wogen die ausgegebene Menge.

    Da die ausgegebene Menge entscheidend für die Einhaltung des Brührezeptes ist, unterrichten wir in unseren Home-Barista-Kursen das strenge Abwiegen. Das geht mit der Eureka Mignon Manuale recht einfach: Wir positionieren eine Waage vor der Mühle und mahlen direkt in einen Dosierbehälter, der auf der Waage steht. Wenn die Zielmenge erreicht ist – nehmen wir an 18 Gramm Kaffee für einen doppelten Espresso –, stoppen wir die Mahlung manuell.

    Vom Dosierbehälter wird der Kaffee in den Siebträger umgefüllt, getampt und dann der Espresso bezogen.

    Haptik: Die solide Eureka Basis

    Eine Eureka ist, in fast jeder Preisklasse, eine Eureka. Und ja, die Mignon-Serie mit ihrem soliden, gefrästen Aluminium-Körper unterscheidet sich von der Manuale bis zur teuren Oro XL kaum in der grundlegenden Wertigkeit.

    Die Manuale kommt jedoch leider mit dem kleinen, winzigen und von uns wiederholt kritisierten Mini-Mahlgradverstellrad. Wenn ihr nur ein einziges Upgrade an der Mühle vornehmen wollt, dann dieses: Tauscht das Rad gegen ein größeres aus. Die genaue Einstellung des Espressos ist sonst quasi unmöglich. Je größer der Durchmesser, desto genauer lässt sich die Verstellung steuern und vor allem auch notieren.

    Die Verstellung ist im Prinzip stufenlos. Allerdings merkt man das erst mit einem anderen Rad. Stellt man mit dem kleinen Original-Rad den Mahlgrad ein, springt man automatisch immer wieder in größeren Schritten. Es gibt keinerlei Orientierung und eine Rückkehr zu einem vorherigen Rezept ist schlicht unmöglich.

    Ansonsten verfügt die Manuale über den besagten Einschalter, 50 mm flachparallele Mahlscheiben sowie einen Bohnenbehälter mit einem Fassungsvermögen von rund 300 Gramm. Ein Detail nervt im Alltag: Schiebt ihr den Schieber ein und nehmt den Behälter ab, bleiben gut 11,5 Gramm Kaffee im Schacht zurück, die vor einem Bohnenwechsel mühsam entfernt werden müssten.

    Die Mignon Manuale ist 35 cm hoch, 14 cm tief (mit Stecker 16 cm), 12 cm breit und 5,6 Kilogramm schwer. Die Mahlscheiben drehen mit einer fixierten Geschwindigkeit von 1350 Drehungen in der Minute.

    Im Betrieb: Nichts für zarte Ohren

    Bevor wir über die Qualität des Mahlguts sprechen, müssen wir über die Lautstärke reden. Der Name "Silenzio" bei den teureren Modellen kommt nicht von ungefähr, denn die Manuale besitzt keine der dort verbauten Geräuschdämmungen. Im Test messen wir stolze 86,6 Dezibel. Das ist laut. Richtig laut. Zum Vergleich: Die gedämmte Specialita liegt eher bei 78 Dezibel. Wer morgens Espresso machen will, ohne das ganze Haus zu wecken, wird mit der Manuale keine Freunde finden.

    Auch die Geschwindigkeit ist eher gemütlich. Für 18 Gramm Espressobohnen benötigt die Mühle etwa 17,4 Sekunden. Ohne Gegenmaßnahmen streut die Mühle zudem ordentlich, und das Kaffeemehl landet nicht nur im Siebträger, sondern durch die statische Aufladung auch gerne mal auf der Arbeitsplatte.

    Das Labor: Überraschende innere Werte

    Wir haben die Mühle aufgeschraubt und vermessen. Im Inneren arbeiten 50-Millimeter-Scheiben aus gehärtetem Stahl, die klassisch durch die Mahlscheibe verschraubt sind. Ein kritischer Punkt bei jeder Mühle ist der Totraum. Wenn wir die Mühle mit dem Standard-Bohnenbehälter nutzen, behält sie insgesamt etwa 3,2 Gramm Kaffeemehl im Inneren zurück. Das ist für eine Dosiermühle eher wenig, im Zeitalter von Single Dosing allerdings viel – vor allem, wenn man die Mühle so nutzen möchte.

    Geben wir beispielsweise 18 Gramm Kaffee in die leere Mühle, verlieren wir bis zu 2,4 Gramm im sogenannten austauschbaren Totraum. Der permanente Totraum, der quasi nie das Tageslicht sieht, umfasst weitere 0,8 Gramm.

    Die Partikelverteilung: Der heimliche Star

    Wir haben das Mahlgut der Manuale in Zusammenarbeit mit der ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) messen lassen. In diesem standardisierten Messverfahren, welches wir bereits bei über 90 Mühlen durchgeführt haben, zeigen die kleinen 50er Mahlscheiben ein erstaunlich homogenes Bild.

    Wir kommen auf einen Hauptpeak von 200,8 Micron, was sehr schmal und gut ist. Viele Partikel sind ähnlich groß und werden dementsprechend auch gleichmäßig extrahiert. Dem gegenüber steht ein eher höherer Feinpeak, also Feinstpartikel, die einen guten Widerstand im Siebträger (Puck) bilden.

    Interessanterweise mahlt die günstige Manuale hier "sauberer" und mit einem schmaleren Peak als beispielsweise eine Niche Zero, die deutlich mehr kostet. Das Mahlwerk liefert also eine Qualität ab, die weit über dem liegt, was der Preis vermuten lässt. Das ist eine echte Ansage an die Konkurrenz.

    Das Upgrade: Vom Einsteiger zum Single Dosing Experten

    Die gute Partikelverteilung lädt dazu ein, die Mühle weiter zu optimieren – und das ist dank vieler verfügbarer Drittanbieter-Ergänzungen möglich. Wir selbst haben die drei sinnvollsten Upgrades identifiziert:

    Da uns das kleine Verstellrad und der Totraum gestört haben, haben wir modifiziert. Zuerst haben wir das winzige Original-Rad durch ein größeres, von Eureka selbst "King Size" genanntes Rad ersetzt. Damit lässt sich der Mahlgrad endlich feinfühlig und präzise einstellen.

    Der wirkliche Durchbruch ist der Umbau auf Single Dosing. Wir haben den Standard-Hopper entfernt und durch einen Blasebalg-Aufsatz ersetzt. Wenn man nun zum Ende des Mahlvorgangs den Blasebalg betätigt, drückt man die Kaffeereste aktiv aus der Mahlkammer.

    Das Ergebnis im Labor ist beeindruckend: Der Totraum reduziert sich auf 0,1 bis 0,2 Gramm. Damit spielt die 240-Franken-Mühle plötzlich in einer Liga mit dedizierten Single-Dosing-Mühlen, die oft das Doppelte oder Dreifache kosten. Wer diesen kleinen Umbau vornimmt, wertet die Maschine massiv auf.

    Die kleine, aufsteckbare Auswurf-Zielführung sorgt zudem dafür, dass das Mahlgut besser im Dosierbehälter landet. Ja, auch ein solcher ist eine sinnvolle Investition, genauso wie eine kleine Waage zum Abwiegen der Kaffeepulvermenge.

    Geschmack in der Tasse

    Messwerte sind wichtig, aber schmeckt der Espresso auch? Wir haben verschiedene Röstungen verkostet, darunter unseren dunklen Apas und mittlere Röstungen. Da die Partikelverteilung sehr homogen ist, gelingen uns Espressi mit einer schönen Textur und einem runden Körper.

    Die Mühle eignet sich hervorragend für klassische, dunkle bis mittlere Röstungen. Hier spielt sie ihre Stärken voll aus und liefert Ergebnisse, die von deutlich teureren Mühlen kaum zu unterscheiden sind.

    Wer allerdings primär sehr helle, fruchtige Röstungen trinkt, könnte an Grenzen stoßen. Wir konnten die Mühle oft nicht fein genug stellen – hellere Röstungen verlangen einen noch feineren Mahlgrad, um ausreichend Widerstand im Siebträger zu entwickeln. Bei unseren Experimenten hörten wir sogar das Aufeinanderreiben der Mahlscheiben, bevor der Espresso langsam genug lief. Für Light-Roast-Liebhaber ist das nichts. Wir sind daher wieder zurück zu mittleren Röstungen wie dem Toca oder Apas gewechselt, wo die Mühle glänzt.

    Fazit: Die beste Mühle unter 300 Franken?

    Die Eureka Mignon Manuale ist ein faszinierendes Gerät. "Out of the box" ist sie laut und etwas hakelig zu bedienen. Aber in ihrem Herzen – bei Mahlwerk und Motor – wartet gute Eureka-Qualität.

    Die Mahlgradeinstellung in der Basisversion ist herausfordernd, was sich durch ein Upgrade des Verstellrades lösen lässt. Dann gelingt es auch, reproduzierbar zwischen Rezepten und Kaffees zu wechseln. Die Mahlgeschwindigkeit ist langsam, und um die Mühle gründlich zu reinigen (Reinigung), müssen zunächst einige Schrauben gelöst werden. Das ist unpraktisch.

    Und dennoch: Vor allem der Espresso in der Tasse überzeugt dank sehr guter Mahlgradhomogenität. Und deshalb ist die Eureka Mignon Manuale eine interessante Mühle, die – vor allem als Single Dosing Mühle mit einigen Upgrades – einen sehr spannenden Einstieg in die Welt des Espresso bietet.

    Wir finden, mit den entsprechenden Upgrades muss sich die Mühle für ihren Preis keinesfalls hinter gehypten Modellen wie der Varia VS3 oder der DF54 verstecken. Ihr müsst nur selbst etwas Hand anlegen, aber dann macht die Mühle Spaß und verdammt guten Kaffee!

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