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    WPM MS-130T im Test: Standalone-Dampflanze mit Top-Dampf

    WPM MS-130T im Test: Standalone-Dampflanze mit Top-Dampf

    Immer mehr Espressomaschinen haben keine Dampflanze, vielleicht auch eure. Ein Einkreiser zum Beispiel macht oft einen sehr guten Espresso, aber Milch schäumen ist dort entweder Geduldsarbeit oder gar nicht vorgesehen. Für genau diese Lücke gibt es inzwischen Standalone-Dampflanzen, also Geräte, die nichts anderes tun als Dampf zu machen. Die WPM MS-130T ist so ein Gerät. Sie kostet rund 450 Euro, arbeitet mit einem Thermoblock und hat einen Temperatursensor in der Lanze, der den Dampf abschaltet, sobald die Milch ihre Zieltemperatur erreicht. Michel Indelicato, Vize-Baristameister aus unserem Team, hat mit ihr geschäumt, gemessen und Latte Art gegossen. Wir wollten wissen, wie viel Power sie hat, wie viel Wasser in der Milch landet und ob wir sie euch empfehlen können.

    Größe und Verarbeitung: 35 × 35 × 14 cm und knapp 7 Kilo

    „Kleines Gerät” war ein bisschen untertrieben. Mit 35 Zentimetern Tiefe, 35 Zentimetern Höhe, 14 Zentimetern Breite und knapp 7 Kilo hat die MS-130T die Dimension einer wuchtigen Mühle. Für ein Gerät, das im Kern aus einem Wassertank, einem Thermoblock und einer Dampflanze besteht, ist das viel Kasten.

    WPM MS-130T von vorn mit Display und Dampflanze

    Bei uns gingen die Meinungen dazu auseinander. Neben einer Espressomaschine zu Hause wirkt sie sehr wuchtig. Der Gegeneinwand kam trotzdem prompt: Andere stellen sich einen dicken Airfryer in die Küche, der auch nicht besonders ästhetisch ist und vermutlich seltener läuft. Das Gehäuse ist schlicht genug, um zeitlos zu wirken, und das Display sieht aus wie ein alter Wecker aus den Neunzigern.

    Die Materialität ist dafür eine andere Liga als bei der Morning Dream, die wir ebenfalls getestet haben und die sich mit ihrem Kunststoffgehäuse eher wie eine Kapselmaschine anfühlt. Die MS-130T ist sauber verarbeitet, und wir haben keine scharfen Kanten gefunden. Der Wassertank fasst 0,8 Liter. In der Mini-Tropfschale sitzt ein kleiner Schwimmer, der vor dem Überlaufen warnen soll.

    WPM MS-130T in der Seitenansicht mit Dampflanze und Tropfschale

    Technik: Thermoblock, eine Minute Aufheizzeit, 4 bar

    Nach einer Minute ist die MS-130T heiß. Das ist für einen Thermoblock schnell, auch wenn ein Dickfilmheizer wie in der Morning Dream praktisch sofort bereit ist. Dafür hat die WPM 4 bar Druck zur Verfügung. Diesen Wert solltet ihr allerdings nicht eins zu eins mit 4 bar auf einer Espressomaschine vergleichen, denn dort wäre das der Druck im Dampfboiler, und mit 4 bar Boilerdruck würde euch die Milch um die Ohren fliegen. Hier kommt der Druck von einer Pumpe, die den Dampf erzeugt. In der Praxis liegt die Leistung auf dem Niveau einer guten bis sehr guten Heimmaschine, deren Dampfboiler bei 1,2 bis 1,4 bar steht.

    Über die Tasten wählt ihr eine Zieltemperatur zwischen 40 und 90 Grad. Damit gehen also auch heiße Schokolade oder andere Getränke, die heißer sein sollen als ein Cappuccino.

    Dampfleistung: 60 Grad in 35 Sekunden

    Wir messen die Dampfleistung immer gleich: Milch mit Kühlschranktemperatur, etwa 8 Grad, wird ohne Lufteinzug auf 60 Grad gebracht, damit der Wert vergleichbar bleibt. Die MS-130T braucht dafür 35 bis 36 Sekunden. Wenn ihr beim Schäumen Luft zieht, landet ihr an der 30-Sekunden-Grenze. Das ist gut, wirklich gut.

    Eine Gastromaschine, die so etwas in 15 Sekunden schafft, ist schneller. Michel fühlt sich mit 30 bis 35 Sekunden aber in einem Rahmen wohl, in dem man die Milch kontrolliert texturieren kann. Power gibt es mehr als genug, um eine saubere Durchwirbelung zu fahren, eher sogar fast zu viel. Nach ein bis zwei Sekunden rotiert die Milch, und Michel musste die Kanne bei nur minimaler Neigung sogar zurücknehmen, weil die Zirkulation so kräftig war. Sein einziger Wunsch wäre eine Einstellung, um die Leistung für eine einzelne Portion zurückzufahren. Über die Position der Kanne lässt sich das aber gut ausgleichen.

    Kondenswasser: 17 Gramm auf 250 Gramm Milch

    Thermoblöcke und Dickfilmheizer haben oft das Problem, dass beim ersten Einschalten erst einmal viel Kondenswasser kommt. Bei der MS-130T fangen wir beim ersten Ausblasen 1,6 Gramm auf, also praktisch nichts. Der Dampf ist, wenn man das so sagen darf, staubtrocken. Michel feuchtet bei Espressomaschinen mit dem ersten Ausblasen gern seinen Lappen an, und genau das funktioniert hier nicht.

    Noch wichtiger ist, wie viel Wasser beim Schäumen in die Milch gelangt. Aus 250 Gramm Milch werden 267 Gramm, wir haben also 17 Gramm Wasser eingetragen. Das sind knapp 7 Prozent. Von vielen Heimmaschinen kennen wir rund 10 Prozent, die Morning Dream kommt mit ihrem Dickfilmheizer und der höheren Temperatureinstellung auf etwa 20 Prozent.

    Mir hat einmal ein Entwickler einer Espressomaschine felsenfest erklärt, sie hätten sich bewusst für einen Boiler entschieden, weil ein Thermoblock grundsätzlich zu viel Wasser in die Milch bringe. Die MS-130T ist der Gegenbeweis.

    Geschmack: süß, cremig, konzentriert

    Weil kaum Wasser dazukommt, verdünnt sich die Milch nicht. Ihr behaltet ihre Süße und ihre Textur, und das schmeckt man. Wir haben mit pasteurisierter Milch in biodynamischer Qualität geschäumt, und schon der pure Milchschaum war süß und cremig. Im Flat White mit unserem Apas Espresso kam ein malziges Getränk mit einer schönen Haselnussnote in die Tasse, das genau so schmeckt, wie ein Milchgetränk schmecken soll, das alle mögen.

    Kleiner Nebengedanke für die Gastronomie: Es gibt immer noch Betriebe, die UHT-Milch ausschenken. Wer seine Milchgetränke verbessern will, sollte zuerst dort ansetzen.

    Temperatursensor: Abschalten auf ±1 Grad genau

    Zwei Tasten lassen sich mit eigenen Temperaturen belegen. Michel hat 60 und 55 Grad gespeichert, denn er schäumt Milch am liebsten auf 55 Grad, manchmal sogar nur auf 50. Die Milch bleibt dann süßer, der Schaum wird nicht so trocken, und der Kaffee kommt besser zur Geltung. Auf Weltmeisterschaften sehen wir diesen Trend zu niedrigeren Milchtemperaturen schon länger. Unser deutscher Baristameister Felix Hohlmann, der 2026 Deutschland an der WM in Panama vertreten hat, hat ebenfalls auf 50 Grad Milchtemperatur geschäumt.

    Wir haben die Abschalttemperatur mit unserem eigenen Fühler nachgemessen. Die Abweichung lag bei ±1 Grad, was für Milch sehr präzise ist. Den Sensor seht ihr als kleinen Stift an der Spitze der Dampfdüse.

    Dampfdüse der WPM MS-130T mit Temperatursensor an der Spitze

    Dazu kommt eine Reinigungstaste, die die Lanze ausbläst. Das dauert relativ lange, aber einmal vor und einmal nach dem Schäumen auszublasen ist ohnehin immer gut.

    Automatisch schäumen: Kanne hinstellen und loslassen

    Mit dem Temperatursensor könnt ihr die Kanne einfach unter die Lanze stellen, nicht mehr anfassen und das Gerät den Milchschaum allein machen lassen. Wichtig dabei: Positioniert die Lanze nicht genau in der Mitte, sondern leicht seitlich, und zwar nach Michels Erfahrung mit unseren Kannen eher zum Henkel hin als zum Ausguss (siehe auch im Video). Es braucht beim ersten Mal ein bisschen Mut, weil man das Gefühl hat, gleich spritzt es heraus. Das passierte aber bei unseren Tests nicht.

    Das Schäum-Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Der Schaum ist reproduzierbar, solange ihr dieselbe Position einhaltet, und er landet zuverlässig auf der richtigen Temperatur. Gerade Einsteiger schäumen oft zu heiß. Für unsere Latte-Art-Kurse finden wir den Schäumer spannend: Wenn die Maschine das Schäumen übernimmt, können sich die Teilnehmenden ganz auf das Gießen konzentrieren und erleben gleichzeitig, wie die Zieltextur von gutem Milchschaum aussieht und sich beim Schäumen anfühlt. Wie das Gießen selbst funktioniert, zeigen wir euch in unserer Anleitung für Latte Art zu Hause.

    Latte Art lernen in der Schweiz

    Ihr wollt das Gießen nicht allein üben? In unseren Kaffeeschulen bieten wir Latte-Art-Kurse an, in der Schweiz zum Beispiel den Kurs für Home-Baristas. Zum Latte-Art-Kurs

    Eine Grenze hat der Automodus allerdings. Mit einer kleinen Kanne für einen einzelnen Espresso Macchiato liegt die Lanze am Ende deutlich außerhalb der Milch. Auch für einen einzelnen Cappuccino sind die rund 200 Milliliter, mit denen der Automodus sauber arbeitet, eigentlich zu viel. Das Gerät ist im Automodus eher für zwei Portionen gemacht, bei einer einzelnen Portion schäumt ihr besser von Hand. Wir schäumen übrigens mit unseren eigenen Milchkännchen: Die kleine hat Felix Hohlmann, Deutscher Baristameister, gestaltet und die große Michel, weil die beiden unterschiedliche Ausgussformen bevorzugen und Michel gerne mit der großen Kanne gießt und Felix lieber mit der kleinen.

    Hafermilch: Bei 50 Grad abschalten

    Auch mit Haferdrink funktioniert die MS-130T. Wir haben dafür eine Taste auf 50 Grad programmiert: Taste gedrückt halten, auf 50 herunterzählen, loslassen, und ein kurzes Signal bestätigt die Einstellung. Auch wenn das Display nach 1995 aussieht, ist die Bedienung selbsterklärend. Beim Haferdrink ziehen wir weniger Luft und lassen das Gerät früher abschalten, wodurch die Schäumzeit kürzer wird. Der Schaum ist etwas flüssiger, ihr müsst also vorsichtiger gießen, aber das ist bei Milchalternativen ohnehin oft so. Das Ergebnis war jedenfalls top.

    Bedienfeld der WPM MS-130T mit Temperaturanzeige, Speichertasten P1 und P2, Reinigungs- und Dampftaste

    Die Schwäche: eine steife Dampflanze

    Der größte Kritikpunkt an dem Schäumer ist für uns die unflexible Lanze. Die Dampflanze lässt sich nur schwergängig bewegen und hat wenig Spielraum. Wenn sie einmal steht, steht sie zwar, aber die Kanne einzufädeln ist nicht ganz simpel, weil der Schwenkradius sehr begrenzt ist. Für das Schäumen von Hand empfehlen wir, die Lanze ganz nach vorn zu ziehen oder ganz oben zu lassen. Dann habt ihr genug Platz und müsst die Kanne nur leicht neigen.

    Kleinere Punkte kommen dazu. Ihr könnt im Automodus nicht einstellen, ob ihr dickeren oder dünneren Schaum wollt, das Ergebnis liegt immer auf Latte-Art-Niveau. Wer etwa einen klassisch dicken Cappuccinoschaum möchte, muss von Hand schäumen. Auch nicht so schön: die große Dampflanzen-Unterfläche versteckt aufgrund ihrer Form etwas, ob sie nun wirklich ganz sauber abgewischt wurde.

    Gastronomie und Catering: eher als Backup

    Interessant fanden wir die Frage, ob sich die MS-130T im kleinen gastronomischen Rahmen lohnt. Wir kennen Situationen, in denen eine ein- oder zweigruppige Espressomaschine beim Dampf nicht mithält, weil es saisonal viele Latte Macchiato oder viel heiße Schokolade gibt. Ohne Festwasseranschluss und ohne Abwasserschlauch sehen wir sie trotz ihrer Potenz nicht als festen Bestandteil in der Gastronomie, auch wenn 0,8 Liter Tank einiges schaffen. Als Backup ergibt der Schäumer aber Sinn. Wer ein Catering plant, bei dem nichts ausfallen darf, hat neben der Espressomaschine im Auto vielleicht künftig auch diese Dampflanze dabei.

    Michel Indelicato und Benjamin Hohlmann mit dem WPM MS-130T Milchschäumer

    Fazit

    Die WPM MS-130T ist ein großer Kasten mit Display, der ästhetisch wenig Eleganz vermittelt, aber mit seiner Leistung überzeugt. Nach einer Minute ist der Schäumer bereit, bringt Milch in 35 Sekunden auf 60 Grad, trägt mit 17 Gramm auf 250 Gramm Milch weniger Wasser ein als viele Heimmaschinen und schaltet auf ±1 Grad genau ab. Der Schaum ist sensationell, und ihr könnt damit Latte Art in jeder Qualität gießen, egal ob von Hand oder im Automodus. Die Schwächen liegen bei der steifen Lanze, beim Automodus, der für eine einzelne Portion zu viel Milch verlangt, und beim fehlenden Einfluss auf die Schaumkonsistenz, wenn ihr nicht von Hand schäumt.

    Für wen lohnt sich das? Für alle, die eine richtig gute Espressomaschine ohne Dampflanze haben, etwa einen Einkreiser, der temperaturmäßig voll im Sweetspot liegt, und die irgendwann merken, dass sie doch Cappuccino oder Flat White trinken wollen. Statt einer neuen Maschine reicht dann eine separate Dampflanze, und sie sieht neben einer größeren Espressomaschine auch top aus. Neben einer Roxy streiten sich dann Schäumer und Maschine, wer eigentlich größer ist. Billig ist der Schäumer mit rund 450 Euro allerdings nicht, das ist etwas mehr als die Morning Dream für rund 400 Euro. Dafür bekommt ihr mehr Wumms, die bessere Materialität und deutlich weniger Wasser in der Milch. Welche Maschine überhaupt zu euch passt, haben wir in der Kaufberatung für Espressomaschinen aufgeschrieben.

    Technische Daten im Überblick

    Merkmal Wert
    Preis ca. 450 Euro (Stand Oktober 2026)
    Heizsystem Thermoblock
    Aufheizzeit ca. 1 Minute (gemessen)
    Druck 4 bar über Pumpe
    Aufheizen 8 → 60 °C ohne Lufteinzug 35–36 Sekunden (gemessen)
    Kondenswasser beim ersten Ausblasen 1,6 g (gemessen)
    Wassereintrag 17 g auf 250 g Milch, knapp 7 % (gemessen)
    Genauigkeit Abschalttemperatur ±1 °C (gemessen)
    Temperaturbereich 40–90 °C
    Speicherplätze 2
    Wassertank 0,8 l
    Maße (B × H × T) 14 × 35 × 35 cm
    Gewicht knapp 7 kg
    Leistung 1.450 W (Herstellerangabe)

    Wie immer haben wir auch dieses Gerät selbst gekauft. Dieser Test wurde nicht von WPM angefragt.

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