Eine gute Cold-Brew-Basis schmeckt schon pur. Richtig Spaß macht sie aber als Grundlage für Sommergetränke und Cocktails. Wir haben zwölf Kaffeeprofis aus dem deutschsprachigen Raum nach ihren Lieblingsrezepten gefragt: Baristameisterinnen, Brewers-Cup-Champions und Cup-Tasting-Meister. Herausgekommen ist eine Sammlung, die du so nirgends findest.
Wie schmeckt Cold Brew überhaupt? Abhängig vom Kaffee zeigt er vor allem die schokoladigen und nussigen Facetten, überdeckt dabei aber die fruchtigen Noten nicht. Eine Eigenheit von kaltem Kaffee ist ein leicht „alkoholischer" Geschmack, der an Rum oder Cognac erinnert.
Alle Rezepte hier bauen auf einer guten Cold-Brew-Basis auf. Wie du die richtig hinbekommst, mit dem passenden Verhältnis, Mahlgrad und der richtigen Ziehzeit, steht ausführlich in unserer Cold-Brew-Anleitung. Dort klären wir auch die häufigsten Mythen zu Säure und Koffein. Für die Zubereitung eignet sich eine French Press ebenso wie ein Handfilter oder die AeroPress. Frisch gemahlen schmeckt es am besten, am einfachsten mit einer Handmühle.
Pink Unicorn Cold Brew von Erna Tosberg
„Mein Tipp: Hibiskus Tonic Water von Weißwang. Passt wunderbar zum Black Unicorn Cold Brew, ist dann quasi ein Pink Unicorn. Für den Cold Brew setze ich gern 70 g auf einen Liter an und lasse 24 Stunden ziehen. Getrunken wird pur, mit Tonic oder als Gin Tonic."
Welches Verhältnis für den Drink? „Hm, ich schmecke das immer ab, nach Balance. Ich würde aber schätzen: ein Drittel Cold Brew, zwei Drittel Tonic."
Erna Tosberg ist zweifache deutsche Baristameisterin, war an der World Barista Championship auf Platz 10 und 12 und ist heute selbst WBC-Judge. Sie arbeitet für die roestbar in Münster.
New Orleans von Tito Huber
Ein äußerst runder, süßlich erfrischender Eiskaffee, gebrüht als Konzentrat. So lässt er sich nach Lust und Laune mit Wasser verlängern oder mit Milch kombinieren, ohne dass der Kaffeegeschmack untergeht. Der Clou ist ein altes Pairing: Zichorienwurzel, die schon vor Jahrhunderten während Kaffee-Engpässen beigemischt wurde. Als Kaffee eignen sich Bohnen mit schokoladig-nussigem Profil und Aromen dunkler Beeren, mittlere Röstung.
Tito Huber leitete das Café Henrici in Zürich und hat mit Barrel Cold Brew ein erfolgreiches Start-up rund um Cold Brew aufgebaut.
Cold Brew Tee-Kombi von Sandra Stucki
Ein sehr erfrischend-leichter Drink, gebrüht mit der AeroPress als Konzentrat, damit die Spirituosen den Kaffee nicht zu sehr verdünnen. Sandra brüht 19 g gewaschenen Bourbon von der Finca Maputo in Ecuador (oder einen anderen Kaffee mit Steinfrucht-Aromen), insgesamt 250 ml Wasser, davon die Hälfte heiß, die Hälfte eiskalt.
Den Rauchtee darfst du auch weglassen oder durch einen Rosmarin-Zweig ersetzen. Einen zu fruchtigen, säurebetonten Kaffee würde Sandra hier nicht empfehlen, ein Natural oder Semi Washed passt gut. Tipp: Man kann auch einen Brombeergeist nehmen und aus dem Tarry Lapsang einen Sirup machen.
Sandra Stucki ist Schweizer Rekordmeisterin in der Disziplin Coffee in Good Spirits. Heute arbeitet sie für Länggass-Tee und wird mehr und mehr zur Tee-Spezialistin.
Zwei Rezepte von Dani Hofstetter
Hopper Cold Brew
200 g Natural Specialty Café auf 1 L Wasser ansetzen, über Nacht im Toddy brühen, dann mit 5 bis 10 g Mosaic- oder Galaxy-Hopfen für weitere 12 Stunden infusen. Der Hopfen verleiht dem eher schweren Natural Cold Brew eine balancierende, fast spritzige Fruchtigkeit mit einer schönen Bitterkeit. Die Krux: Hopfen ist sehr potent, den richtigen Mix und die richtige Hopfenart zu finden, ist die eigentliche Kunst. Serviert auf Eis, mit etwas Orangenzeste oder einem eiskalten Spritzer Mineralwasser.
Cold Brew Martini
„Den hatte ich in einer Speakeasy-Bar in Hamburg: ein Cold Brew Martini, bei dem man statt Espresso einen kolumbianischen Cold Brew nahm, den Vodka im Cold Dripper 24 Stunden durch Rande (rote Bete) drippen ließ und dann nach klassischem Rezept den Martini mixte. War saugeil."
Dani Hofstetter ist selbständiger Berater für Ernährung, Gastronomie und Lebensmittelindustrie. Er war 2017 und 2019 Schweizer Brewers Cup Meister und 2019 im Finale des World Brewers Cup.
Michal Ottes Cold Brew
„Für mich ist Cold Brew ein echtes Sommergetränk, deshalb mag ich fruchtig-lebendige Varianten und Kaffees. Mit einem klassischeren Kaffee wird das Ergebnis eher schokoladig-karamellig." Michal brüht gern einen gewaschenen Ruanda oder einen sehr fruchtigen, hell gerösteten Blend und serviert den Cold Brew auf Eiswürfeln mit einem Zitronenschnitz.
Michal Otte war 2016 Schweizer Cup Tasters Champion und gewann im selben Jahr die Basler Cup-Tasting-Meisterschaft. Er arbeitet für Blaser Café in Bern und die Kafischmitte in Langnau, mit jahrelanger Erfahrung als Barista und Röster.
Cold Brew mit Emi Fukahori
Emi brüht in großem Maßstab: 500 g grob gemahlenen Kaffee auf 5 L kaltes Wasser (Härte um 80 ppm). Alles in einen Wassertank oder Eimer geben und 20 Stunden im Kühlschrank ruhen lassen. Anschließend durch einen gröberen Vorfilter und dann durch V60-Filterpapier filtern. Ziel ist, wirklich alle festen Kaffeepartikel zu entfernen. Serviert wird auf Eis, zur Auswahl stehen drei Cold Brews: ein schokoladiger (meist ein Pulp Natural aus Brasilien), ein fruchtiger (meist ein Natural) und ein floraler, gewaschener Kaffee.
Emi Fukahori war Schweizer Brewers Cup Champion und Brewers Cup Weltmeisterin, ist zweifache Schweizer Baristameisterin und Gründerin des Spezialitäten-Cafés Mame in Zürich.
Bärenmarke mit Benjamin Schütz
„Anfangs Sommer war mein Favorit klar Cold Brew Tonic, bis mir ein Kollege die originale Bärenmarke mitbrachte. Seitdem genieße ich meinen Cold Brew pur oder mit Bärenmarke." Die Kondensmilch hebt die Karamellnote des Irazú an, die übrigen Aromen von Pomelo, Grapefruit und Milchschokolade kommen pur oder on the rocks am besten zur Geltung.
Benjamin Schütz ist Röster und Brüher in der Qualitätssicherung von UCC Switzerland. Er stand im Finale des Swiss Brewers Cup und an der Schweizer Röstmeisterschaft.
Cold Brew Mojito mit Constantin Hoppenz
Constantins Lieblingsdrink kommt aus Berlin, von den Happy Baristas, wohl dem einzigen Café mit einem umfangreichen Angebot an rumbasierten Kaffeecocktails. Die Drinks entstanden zusammen mit dem Coffee-in-Good-Spirits-Weltmeister Martin Hudak. Sein Favorit ist der Mojito mit kenianischem Cold Brew.
Constantin Hoppenz war 2017 Deutscher Brewers Cup Champion und belegte im selben Jahr an der WM in Budapest den sensationellen 5. Platz.
Cold Brew Negroni von Mathias Bühler
Kurz und knapp, so brüht Mäthu Bühler seinen Cold Brew Negroni:
Mathias Bühler ist Teil des Leitungsteams des Berner Kult-Cafés Adrianos. Er ist zweifacher Schweizer Cup-Tasting-Meister und war sechstbester Sensoriker an der WM 2014.
Tinu Egger und Schweizer Kaffee
Eine eher spezielle Mischung, die als Cold Brew mit wunderbaren Schokonoten punktet: der Blend aus dem Frutiger Tropenhaus (10 % Arabica Frutiger Terroir, 81 % Arabica Terroir Indien/Brasilien, 9 % Canephora Terroir Indien). Handgemacht auf der Comandante und dem Hario Water Dripper, 80 g Kaffee auf 1 Liter Wasser, zubereitet in 8 Stunden.
Tinu Egger arbeitet für Kialoa und ist mehrfacher erfolgreicher Teilnehmer an den Kaffeemeisterschaften.
Kevin Mohler packt aus
Cold Brew Virgin Mojito
Basis: 6 g Kenya Kiunyu AA auf 100 ml Wasser, 10 Stunden Extraktionszeit.
Die Limette in Schnitze schneiden, mit Zucker und ein paar Minzblättern in ein Glas geben und mit einem Stößel den Saft auspressen. Das Glas bis oben mit Eiswürfeln füllen, Cold Brew eingießen, mit einem Strohhalm umrühren, mit Minze garnieren. Der Kaffee bringt Grapefruit, Cassis und Bergamotte mit, die Limette unterstützt die Bergamotte, der Rohrzucker unterstreicht die Eigensüße. Funktioniert auch mit anderen afrikanischen Kaffees.
Die Mövenpick Limonade
Eine erfrischende Kaffeelimonade mit angenehmer Säure und Kräutrigkeit. Für einen fruchtigeren Kaffee wird hier über Eis gebrüht: einen Teil des Wassers durch Eis ersetzen und den Kaffee direkt auf das Eis brühen (z. B. 200 ml Wasser auf 100 g Eis für 300 ml Kaffee, Pulvermenge bleibt gleich).
Für den Ricola-Sirup 15 Ricola-Cranberry-Bonbons mit 150 g Zucker in 150 ml warmem Wasser auflösen, einmal aufkochen, abkühlen lassen und gekühlt aufbewahren. Alle Zutaten in ein mit Eis gefülltes Glas geben, umrühren, mit Johannisbeeren, Bonbon und Zitrone garnieren. Tipp: funktioniert auch mit feinem kenianischem Spezialitätenkaffee, dann den Zitronensaft durch Limettensaft ersetzen.
Kevin Mohler war 2017 Schweizer Cup-Tasting-Meister und stand 2017 und 2018 im Finale der Schweizer Baristameisterschaft. Er arbeitet für die Kaffee-Abteilung von Mövenpick.
Zweimal Cold Brew mit Gap
Cold Brew Funky Fresh
Basis: Supremo Sigri AA, 18,8 g Kaffee auf 274 g Wasser (ergibt ca. 240 g Cold Brew).
Gin Berry Fresh Brew
Gap Gijtipong Thangsubutr ist zweifacher Schweizer Latte-Art-Meister und arbeitet als Barista für den Home Barista Shop in Luzern.
Und jetzt du
Zwölf Rezepte, ein gemeinsamer Nenner: eine saubere Cold-Brew-Basis. Wenn die sitzt, wird der Rest zum Spielplatz. Wie du sie zuverlässig hinbekommst, Schritt für Schritt und mit den wichtigsten Mythen im Faktencheck, zeigen wir in unserer Cold-Brew-Anleitung. Den passenden Kaffee dafür findest du in unserem Filterkaffee-Sortiment, ein guter Einstieg ist der Amigo.
Hast du ein eigenes Lieblingsrezept? Ab damit in die Kommentare, wir ergänzen die Sammlung gern.
















