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    Von der Kapselmaschine zum Siebträger: Der Einsteiger-Guide

    Von der Kapselmaschine zum Siebträger: Der Einsteiger-Guide

    Du hast eine Kapselkaffeemaschine und überlegst, auf einen Siebträger umzusteigen. Was ändert sich? Ist es wirklich so kompliziert? Und schmeckt der Kaffee danach besser?

    Kurz gesagt: Es ändert sich einiges. Kompliziert ist es nicht. Ein Lernweg liegt aber vor dir. Und der Espresso? Der zieht dir buchstäblich die Schuhe aus.

    Was du vor dem Kauf wissen musst, welches Zubehör wirklich nötig ist und wie du deinen ersten Espresso zum Treffer machst, zeigen wir dir hier.

    Kapsel vs. Siebträger: Was ist der eigentliche Unterschied?

    Eine Kapselmaschine ist auf maximale Bequemlichkeit ausgelegt: Kapsel rein, Knopf drücken, fertig. Vordosiertes Kaffeepulver, feste Wassermenge, kein Dreck, minimaler Aufwand. Das Ergebnis ist ein funktionierender, aber kein besonders guter Espresso.

    Der Hauptgrund dafür ist das Getränkeverhältnis. Eine typische Kapselmaschine brüht mit rund 5 Gramm Kaffee und füllt die Tasse auf 50 bis 70 Gramm Wasser. Das ergibt ein Verhältnis von ungefähr 1:10. Der Espresso wird dünn, hat wenig Körper und keine Textur.

    Im Siebträger brühen wir mit 16 bis 18 Gramm Kaffee und beziehen rund 45 Gramm in die Tasse für einen doppelten Espresso. Verhältnis: 1:2,5. Das Verhältnis ist bei einem einfachen Espresso das gleiche. Das ist ein grundlegend anderes Getränk. Kräftiger, voller, samtig. All das kommt aus der Kapsel schlicht nicht raus.

    System Kaffeemenge Output Verhältnis Charakter
    Kapselmaschine ~5 g 50–70 g ~1:10 dünn, wässrig, wenig Textur
    Siebträger 16–18 g ~45 g ~1:2,5 kräftig, vollmundig, samtig

    Beim ersten Schluck vom eigenen Siebträger werdet ihr euch möglicherweise erschrecken. Dieser Espresso ist kräftig. Genau so, wie er sein soll. Aber auch so, wie ihr ihn auf dem Weg Richtung Süden an der ersten italienischen Tankstelle serviert bekommt.

    Was genau in einer Kapsel steckt und warum das System den Geschmack begrenzt, erklären wir in unserem Artikel Wie funktionieren Kaffeekapseln?

    Die Mühle kommt zuerst, nicht die Maschine

    Das ist der wichtigste Satz für alle, die neu anfangen: Die Mühle ist wichtiger als die Espressomaschine.

    Eine Espressomaschine ist im Kern heißes Wasser unter Druck. Was den Espresso steuert, ist der Mahlgrad. Zu grob gemahlen, läuft das Wasser zu schnell durch und der Espresso wird wässrig und unterextrahiert. Zu fein, baut sich zu viel Widerstand auf und der Bezug zieht sich endlos hin oder stoppt ganz. Die Mühle ist euer stärkstes Stellrad.

    Als Faustregel empfehlen wir: Teilt euer Budget hälftig. 50 Prozent für die Siebträgermaschine, 50 Prozent für die Mühle. Wer 600 Euro investiert, kauft also eine Maschine für 300 und eine Mühle für 300 Euro, nicht eine 500-Euro-Maschine und eine billige Mühle dazu.

    Für den Einstieg gibt es heute sehr gute Mühlen unter 300 Euro. Die G-Iota DF54 ist ein bekanntes Beispiel mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer die Mühlen-Auswahl systematisch angehen will, findet eine Übersicht nach Bautyp und Budget in den Mühlen-Artikeln.

    Handmühlen und Siebträger

    Auch Handmühlen funktionieren im Zusammenspiel mit einem Siebträger sehr gut, wenn sie fein genug mahlen. Für den täglichen Einsatz sind elektrische Mühlen bequemer. Wer morgens eine Handmühle dreht, hat aber auch eine entspanntere Routine. Wir haben selbst einige Handmühlen im Angebot und geben die empfohlenen Mahlgrade für Espresso an.

    Siebträgermaschinen mit eingebautem Mahlwerk klingen praktisch. Wir raten davon ab: Die integrierten Mühlen sind fast immer der schwächste Teil solcher Kombigeräte. Mehr dazu hier.

    Das Zubehör, das du wirklich brauchst

    Neben Maschine und Mühle benötigt ihr noch ein paar Dinge. Die Liste ist überschaubar.

    Waage (Pflicht). Das ist das Essenziellste. Ihr müsst wissen, wie viel Kaffee ihr verwendet und wie viel Espresso in der Tasse landet. Ohne Waage könnt ihr weder reproduzierbar arbeiten noch sinnvoll am Mahlgrad schrauben. Eine einfache Briefwaage reicht für den Anfang. Unsere Espresso-Waage mit Timer.

    Tamper. Zum gleichmäßigen Verdichten des Kaffeepulvers im Siebträger. Liegt oft dem Siebträger bei. Ein guter Tamper mit passendem Durchmesser macht die Arbeit aber spürbar einfacher. Tamper im Shop.

    Knockbox. Der Abschlagbehälter, in den ihr den verbrauchten Kaffeepuck klopft. Direkt in den Mülleimer zu schlagen geht auch, aber das Sieb fällt dabei gerne mal raus und nervt. Unsere Knockbox.

    Barista-Tücher. Ihr braucht mindestens zwei getrennte Tücher: eines für den Siebträger, eines für die Dampflanze. Nie das gleiche für beides verwenden. Barista-Tücher im 3er-Set.

    Milchkännchen. Wer Milch aufschäumen möchte, benötigt ein Kännchen. Wir haben selbst Edelstahl-Varianten entwickelt, die für den Anfang und Fortschritt Freude machen. Milchkännchen im Shop.

    Wie viel Platz brauche ich?

    Rechnet ungefähr doppelt so viel Platz ein wie für eure Kapselmaschine. Maschine, Mühle, Knockbox, Waage: das braucht seinen Platz. Wer eine schmale Küche hat, sollte das vor dem Kauf ausmessen.

    Espresso zubereiten: Schritt für Schritt

    Der Ablauf am Siebträger ist nach wenigen Versuchen Routine. Hier sind die Parameter, wobei wir von einem Doppelsieb ausgehen, welches 16 bis 18 Gramm Kaffee fasst. Bei kleineren Sieben das Brühverhältnis beibehalten und runterrechnen.

    16–18 gKaffeepulver
    35–45 gEspresso in der Tasse
    25–30 sBrühzeit
    1:2,5Verhältnis
    1
    Maschine aufheizen und Siebträger vorwärmen. Zeigt die Maschine Brühbereitschaft, lasst noch etwas heißes Wasser durch den eingespannten Siebträger laufen. So ist er warm, wenn der Bezug startet.
    2
    Kaffee abwiegen und mahlen. 16 bis 18 Gramm frische Bohnen mahlen und als Kaffeepulver in den Siebträger.
    3
    Verteilen und tampen. Kaffeepulver gleichmäßig im Sieb verteilen, gerade und mit gleichmäßigem Druck antampen. Wenn ihr mehr als 8 kg Druck aufbaut, seid ihr gut unterwegs.
    4
    Einspannen und sofort beziehen. Siebträger in die Maschine spannen, Bezug starten, Waage mitlaufen lassen.
    5
    Ergebnis auswerten. Ihr zielt auf 35 bis 45 Gramm Espresso in der Tasse innerhalb von 25 bis 30 Sekunden.

    Der Mahlgrad ist euer wichtigstes Stellrad. Läuft der Espresso in unter 20 Sekunden durch, ist der Kaffee zu grob gemahlen: feiner mahlen. Läuft er zu langsam oder gar nicht, ist er zu fein gemahlen: gröber mahlen. So tastet ihr euch an die richtige Einstellung heran.

    ★ Tipp vom deutschen Baristameister Felix Hohlmann

    „Legt einen kleinen Zettel und einen Stift neben die Espressomaschine und notiert kurz: wie viel Kaffee, Mahlgradstufe, Ausgabe-Gramm, Brühzeit und wie es geschmeckt hat. Nach wenigen Versuchen habt ihr euer Rezept und könnt immer wieder dorthin zurückgehen."

    Mehr zur Extraktionszeit: Espresso Extraktionszeit erklärt  |  Vollständige Anleitung: Espresso zubereiten

    Die drei häufigsten Fehler am Anfang

    Diese Fehler passieren fast allen. Gut, sie vorher zu kennen.

    1. Das doppelwandige Sieb. Viele Siebträger-Einstiegsmodelle, darunter auch die De'Longhi Dedica, kommen mit einem doppelwandigen Sieb im Lieferumfang. Dieses Sieb hat auf der Unterseite nur eine einzige Öffnung statt vieler kleiner Löcher. Es erzeugt künstlichen Gegendruck und damit eine Crema, unabhängig davon, wie frisch oder grob der Kaffee ist.

    Das Problem: Ihr bekommt kein ehrliches Feedback auf euren Mahlgrad. Das Ergebnis sieht immer gleich aus, egal was ihr macht. Wechselt möglichst früh auf ein einwandiges Sieb. Doppelwandiges vs. einwandiges Sieb

    2. Alter Kaffee. Frischer Kaffee gibt beim Brühen CO₂ ab und baut dabei Widerstand auf. Alter Kaffee tut das nicht mehr. Kauft nur Kaffee, der maximal zwei Monate ab Röstdatum alt ist. Das Röstdatum steht bei guten Röstereien auf der Packung.

    3. Maschine nicht richtig aufgeheizt. Eine Maschine wie die Dedica zeigt nach wenigen Minuten Brühbereitschaft an, aber der Siebträger ist zu dem Zeitpunkt noch kalt. Lösung: Einen Leer-Bezug mit heißem Wasser durch den eingespannten Siebträger laufen lassen, dann erst euren Espresso beziehen.

    20 weitere Fehler

    Wer tiefer einsteigen will: Im Artikel 20 Fehler beim Espresso zubereiten gehen wir alle typischen Probleme durch, die am Siebträger passieren.

    Welcher Kaffee passt für Kapsel-Umsteiger?

    Wer von der Kapselmaschine kommt, ist meistens dunkle, kräftige Geschmacksnoten gewöhnt: schokoladig, etwas bitter, schwerer Körper. Das ist ein guter Ausgangspunkt.

    Startet mit Espressos, die dunkel geröstet und fehlerverzeihend sind. Selbst wenn am Anfang ein Fehler passiert, schmeckt das Ergebnis noch. Heller geröstete Kaffees sind komplex und lohnend, aber sie verzeihen wenig bei Mahlgrad und Brühtemperatur.

    Bei uns passt der Compadre gut als Einstieg: kräftig, schokoladig, klassisch-italienisch und sehr gutmütig in der Zubereitung. Wer einen etwas komplexeren Einstieg sucht, ist mit dem Apas gut bedient. Wer zuerst verschiedene Richtungen ausprobieren will, findet im Espresso-Probierset einen guten Start.

    Mit der Zeit werdet ihr euren Geschmack kennen und könnt euch weiter in die Welt der Spezialitätenkaffees vorarbeiten. Aber das hat Zeit.

    Fazit

    Der Umstieg von der Kapselmaschine auf den Siebträger ist eine echte Entscheidung: mehr Platz, mehr Zubehör, eine kleine Lernkurve. Aber die Kurve ist kurz. Und was auf der anderen Seite wartet, ist ein Espresso, der dem aus der Kapsel in nichts gleicht.

    Die wichtigsten Punkte zum Mitnehmen: Kauft zuerst eine gute Mühle, nicht die teuerste Maschine. Investiert in die Waage. Holt frischen Kaffee. Schreibt euer erstes Rezept auf.

    Für den schnellsten Einstieg empfehlen wir einen Home Barista Kurs. Wer noch nicht sicher ist, welche Maschine die richtige ist: Welche Espressomaschine passt zu mir?

    Was denkst du?