Graef CM800 im Test

Graef CM800 im Test

Die Espressomühle für Einsteiger?

Lesedauer: 5 Minuten. Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Kurzblog. Zum ausführlichen Blogartikel gelangt ihr hier auf unserer Schweizer Seite.

Sie hat den Ruf DIE Einsteigermühle für die Welt des Espressos zu sein. Die Graef CM800 wird häufig als günstige Einsteigermaschine gehandelt, doch wie gut ist sie? Was könnt ihr für 130 Euro erwarten und eignet sie sich wirklich für den Einstieg? Wir haben die Graef auf Herz und Nieren getestet und waren nach den ersten Stunden frustriert! Der Kaffee schmeckte nicht. Doch wir haben sie nicht abgeschrieben, sondern so lange weiter getestet und getüftelt um doch noch etwas aus der Maschine rauszuholen. Unsere zweijährige Reise mit der Graef ist in diesem Bericht zusammengefasst.

Warum wir so testen und warum wir überhaupt testen?

Unser Zielt ist es, euch Maschinen und Tipps näher zu bringen, wie ihr mit einfachen Mitteln und begrenztem Budget zu einem tollen Kaffeeerlebnis kommt. Deshalb betreiben wir Kaffeemacher:innen eine eigene Kaffeefarm, eine Rösterei und Cafés, sowie eine Kaffeeakademie. 

Wenn wir eine Maschine empfehlen, dann weil wir von ihr überzeugt sind und wissen, dass ihr damit guten Kaffee machen könnt. Wenn für ein gutes Ergebnis noch Bedienungstipps notwendig sind, erhaltet ihr sie mit dazu. Zur Transparenz: Wir verdienen nichts an dieser Maschine oder an unseren Tipps, deshalb können wir von Grund auf ehrlich sein!

Gesamteindruck Graef CM 800

Der Preis und die Größe sind die großen Pluspunkte der Graef. 13.5 cm Tiefe, 23 cm Breite und eine Höhe von 39 cm, lassen sie in jede Küche passen. Ihre Verarbeitung wirkt mit 2,6 kg solide.

Ein weiterer Pluspunkt: Sie KANN espressofeines Kaffeepulver erzeugen, anders als andere Mühlen im Preisrahmen bis 200€. Wer also die richtige Einstellung für seine Bohnen findet, kann tatsächlich einen richtigen Espresso brühen.

Unser Fazit vorweg zur Graef CM 800

Man kann also Espressofein mahlen. Doch zum richtigen Mahlgrad zu kommen, ist extrem schwer. Die Bedienung der Maschine ist nicht einfach. Sogar mit einem Schraubenzieher solltet ihr umgehen können, um alles aus der Mühle herauszubekommen. Die Graef eignet sich unserer Meinung nach für sensorische Anfänger und technisch Fortgeschrittene.

Espresso frisch mahlen mit der Graef CM800

Bereits 15 Minuten nach der Mahlung verliert Kaffee extrem stark an Aroma. Das liegt an der starken Oberflächenvergrößerung und der Reaktion des Pulvers mit dem Sauerstoff der Luft. Deshalb ist vorgemahlener Kaffee immer schlechter als frisch gemahlener. Espressomühlen können feiner Mahlen als Kaffeemühlen. Dies ist notwendig um einen angemessenen Wiederstand bei der Espressozubereitung aufzubauen. Bei zu grob gemahlenem Pulver läuft der Espresso zu schnell und der Kaffee wird nicht genügend extrahiert (Unterextraktion), er schmeckt sauer. Die Graef kann also einen großen Unterschied im Geschmack machen, einen Quantensprung von vorgemahlenem zu frisch gemahlenem Espresso.

Kann so günstig lecker sein?

Wir haben sehr viele Stunden mit der Graef verbracht um die aufwändige Mahlgradeinstellung zu meistern und einen perfekten Espresso zu brühen. Damit unsere Negativpunkte nicht an der Espressomaschine liegen, haben wir die Espressi mit einer La Marzocco GS3 bezogen, die im Preissegment eines Kleinwagen angesiedelt ist.

Unsere Espressi waren bitter und hatten gleichzeitig eine aggressive Säure. Trotz unseres gewohnten Brühverhältnisses (18 Gramm Kaffee zu 45 Gramm Espresso) sowie einer optimalen Durchlaufzeit von 25 Sekunden, schmeckte der Espresso nicht gut.

Um unser gefühltes Geschmackserlebnis objektiver zu halten, haben wir den sog. Triangle Test angewandt. Hierbei werden drei Espressi blind verkostet. Zwei sind die aus demselben Bezug, einer weicht davon ab. Wir baten den Tester hierbei auch noch den schlechtesten Espresso zu benennen. Bei 6 Sets, wurde stets die Graef CM 800 als schlechtester Espresso ermittelt.

Triangel Test Graef CM800

Mahlgutverteilung als Grund für schlechten Espresso

Beim Mahlvorgang werden die Kaffeebohnen in etwas unterschiedlich große Stücke vermahlen. So kommt es zu etwas größeren Partikeln und etwas kleineren Partikeln. Man nennt dies die sog. Partikelverteilung. Je größer die Streuung dieser Teilchen, desto schwieriger ist es, einen ausgewogenen Espresso zu beziehen. Beim Bezug werden die großen Kaffeepartikel zu wenig extrahiert, und die kleinen zu sehr. Somit ergibt sich, statt einer ausgewogenen Tasse, eine Mischung aus bitteren und sauren Anteilen. Bei der Graef ist die Partikelverteilung zu breit gestreut. Mit einem Laborsieb konnten wir ermitteln, dass von 50 Gramm Espressopulver nur 20 Gramm in der perfekten Größe gemahlen wurden. Etwa 10 Gramm sind zu fein, etwa 20 Gramm zu grob.

Mahlgrade Analyse per Laser- und Bilderfassung

Mit Hilfe von Benjamin Schütz, Röster und Kaffee-Profi, und der Firma Symphatec, konnten wir die Mahlung unterschiedlicher Mühlen miteinander vergleichen. Ich stellte die Mühlen für einen perfekten Espresso (18 Gramm Pulver zu 50 Gramm Getränk in 25 Sekunden) ein. Wir testeten folgende Mühlen:

Anfim Practica als professionelles Benchmark, Eureka Mignon Perfetto, Macap M2D, Sage Smart Grinder Pro, Sette 270wi, Graef CM800.

Die Graef CM 800 wies den niedrigsten Peak auf. D.h. die Mahlung streut deutlich und hat keinen wirklich einheitlichen Mahlgrad. Auch die Menge an groben Partikeln ist höher, als bei den anderen getesteten Mühlen.

Geringste Stärke und Extraktionsauswertung bei der Graef CM800

Darüber hinaus testeten wir die „Stärke“ des Kaffees, also die Menge an gelösten Kaffeeteilchen im Espresso. Die Graef lag deutlich hinter den anderen Mühlen. So waren in der Tasse nur ca. 17.9% gelöste Kaffeeteilchen. Andere Mühlen kamen auf bis zu 21,5%. Geschmacklich äußerte sich dies in einem eher wässrig schmeckenden Espresso.

Mühlentest 2022 - Graef CM800 erneut unter der Lupe

Auch die Tests, die wir 2022 durchgeführt haben, untermauern die obigen Ergebnisse. In einer erneuten Analyse im Labor zeigten sich wieder eine sehr breite Verteilung der Partikel und ein hoher Grobpeak. Es ist einfach schwierig präzise eine bestimmte Größe an Kaffeeteilchen zu mahlen.

Bedienung und Mahlgradeinstellung der Graef CM800

Die Mahlgradeistellung ist die wichtigste Einstellungsmöglichkeit für die Kaffeemühle. Hier stellt ihr ein, wie grob oder fein das Pulver sein muss, um die perfekte Durchflussgeschwindigkeit bei der Extraktion zu erreichen.

Bei der Graef gibt es einen Einstellungsbereich von 0-40. Leider schoss der Espresso selbst auf der feinsten Einstellung in nur 12 Sekunden durch. Es war also immer noch zu grob. Deshalb mussten wir statt der äußeren Einstellung eine innere Justierung der Mahlscheiben vornehmen.

Hierfür musste die Mühle geöffnet und zwei kleine Schräubchen der oberen Mahlscheibe gelöst werden. Dann konnte man eine Grobjustierung vornehmen, um in die richtige Range beim Espressomahlen zu kommen. Am besten siehst du dir das in unserem Kaffeemacher:innen Video an.

Diese Art der Einstellung ist zwar möglich, aber sehr sehr umständlich und eigentlich ein No-Go. Gerade Einsteiger, die von dieser günstigen Mühle angezogen werden, werden hier ganz schön auf die Probe gestellt. Die Gefahr besteht, dass statt einem Einstieg in die Espressowelt, eher eine Abschreckung vor der Komplexität erreicht wird.

Die Mahlung erfolgt per An- und Aus Knopf. Die Menge des Pulvers muss manuell abgewogen werden, da es keine Timerfunktion gibt.

Passendes Mühlenreinigungspulver findet ihr hier.

Totraum für Kaffeepulver

Mit Totraum meinen wir versteckte Plätze in der Kaffeemühle, in der altes Kaffeepulver zurückbleibt. Je größer der Totraum, desto mehr „altes“ Kaffeemehl erhaltet ihr bei einer Mahlung in eurem Siebträger. Der Totraum der Graef hat ca. 8 Gramm. Das ist ganz schön viel!

Fazit zur Graef CM800 und für wen ist diese Mühle geeignet?

Das größte Pro ist, dass die Graef es als einzige Mühle in ihrem Preissegment schafft, espressofein zu mahlen. Eine genaue Einstellung ist jedoch sehr umständlich, wenn eine Nachjustierung der Mahlscheiben notwendig ist.

Die Partikelverteilung des Mahlgutes ist so breit gestreut, dass der gemahlene Kaffee trotz richtiger Einstellung falsch extrahiert wird. Es gibt dann zu viele unter- bzw. überextrahierte Kaffeeteilchen.

Viele Einsteiger nutzen die Graef gemeinsam mit der Delonghi Dedica EC 685. Mit beiden Maschinen lässt sich günstig ein Espresso brühen, ob dieser dann jedoch den Geschmack trifft bleibt fraglich. Gerade für Einsteiger ist es wichtig, dass euer Equipment verlässlich funktioniert, um Einstellungsfehler schnell zu erkennen. Deshalb würden wir die Graef nicht wirklich empfehlen. Wer viel vermahlenes Kaffeepulver und schwitzen bei den Einstellungen nicht scheut, kann es mit der Graef probieren.

Wir freuen uns sehr über euren Kommentar - bei Fragen schreibt uns aber bitte eine Mail an support@kaffeemacher.de