Sage Bambino Plus Espressomaschine im Test

Die Sage The Bambino Plus ist die kleinste Espressomaschine aus dem Hause Sage. Sage? Ja, das Unternehmen welches in anderen Teilen der Welt unter dem Namen Breville baugleiche Maschinen auf dem Markt bringt. Die Sage Bambino Plus gehört zur Klasse der Thermoblock-Espressomaschinen. Und wie es sich gehört ist auch die Bambino Plus in rund 3 Minuten relativ betriebsbereit. Mit rund 330 Euro und Schweizer Franken liegt die Sage Bambino Plus im Feld der günstigeren Thermoblocks in unserer Testreihe.

 

 

Wie an alle Thermoblocks stellen sich aber auch an die Sage Bambino Plus einige Fragen:

  1. Wie konstant ist die Temperatur im Espressobezug?
  2. Wie performt die Maschine in Sachen Milchschaum? Gerade da bietet die Bambino Plus mehr als andere Maschinen im selben Preissegment. Doch taugt das auch?
  3. Wie ist die Verarbeitung insgesamt und wie steht es um den Energieverbrauch?

Energieverbrauch

Wer eine Espressomaschine nach Energieverbrauch kaufen möchte, ist mit der Sage Bambino Plus sehr gut beraten. Unser Vorgehen beim Test der Energie ist immer gleich. Wir verwenden einen Adapter von MyStrom.ch. Nach einer fünfminütigen Aufheizzeit haben wir 5 doppelte Espressi bezogen. Nach einer Wartezeit von weiteren zwei Stunden haben wir erneut einen doppelten Espresso extrahiert. Der Verbrauch lag zu diesem Zeitpunkt bei 0,08 kWh Stunden. Zum Vergleich: die Ascaso Steel Duo PID, ebenfalls ein Thermoblock, welche in einen Eco-Modus geht, hatte zu diesem Zeitpunkt einen Verbrauch von 0,28 kWh Stunden.

Verglichen mit den Zweikreiser-Espressomaschinen ist auch das wenig. Den geringsten Verbrauch verbuchten die Xenia Espresso mit 0,48 kWh und die Bezzere BZ10 mit 0,48 kWh. Schlusslicht war die Bezzera Magica S mit 0,72 kWh.

 

Klein, kompakt, leicht und viel Plastik

Die Sage Bambino Plus ist klein und kompakt und mit 7kg ein echtes Leichtgewicht. Leicht muss nicht schlecht sein, wenn eine Maschine Saugnäpfe oder eine Fixierung am Boden hat. Leider ist das bei der Sage Bambino Plus nicht der Fall. Beim Versuch den Siebträger ein- oder auszuspannen, muss jeweils mit dem Arm die gesamte Maschine fixiert werden. Sehr unpraktisch, vor allem, da man die eigentlich als Tassenablage gedacht Fläche auf der Maschine nicht nutzen kann. Denn irgendwo muss man das Gerät beim Einspannen ja festhalten.

Mit 31 cm Höhe, einer Tiefe von 32 cm und eine Breite von 19.50 cm passt die Espressomaschine in jede Küchennische. Aber Achtung! Die Maschine benötigt eine externe Mühle, um Kaffee zu machen. Die sollte bei der Platzkalkulation mitgedacht werden.

Auch die Tropfschale ist eher ein Schälchen. Wir empfehlen dringend nach jedem Espressobezug Wasser zu spülen, um das Duschsieb zu reinigen. Nach zwei bis drei Espresso-Bezügen ist die Schale bereits voll. Zwar zeigt ein kleiner roter Schwimmer den Wasserstand an. Wenn der aber immer oben schwimmt, ist das wenig hilfreich.

Die schwarzen Teile der Sage Bambino Plus sind aus Plastik gefertigt. Das Plastik selbst fühlt sich "hochwertig" an, aber es bleibt doch Plastik. Der Vorteil, anders als bei den Edelstahl-Boliden der Zweikreiser Klasse gibt es keine scharfen Kanten.

 

Erstklassige Milchschaum-Performance

Die Sage Bambino Plus hat eine wirkliche Stärke. Die Milchschaum Performance der Maschine sucht in dieser Preisklasse ihres Gleichen. Mit viel Kraft schäumt die kleine Maschine sogar eine große 0,6l Kanne. Daran sind einige Zweikreiser gescheitert!

Das macht Freude. Auch sehr praktisch für Einsteigerinnen und Espresso-Starter: die Milch wird dabei nicht zu schnell erhitzt. Dadurch hat man viel Zeit zu zirkulieren (Rollphase) und um wirklich auch noch die letzten Bläschen zu zerkleinern.

Auch noch klasse: die Sage Bambino Plus hat eine Auto-Steam-Funktion. Ein Temperatur-Fühler in der Tropfschalte misst nicht nur die Temperatur, sondern gibt darüber hinaus auch Steuerimpulse an die Intensität des automatischen Schäumers. Die Endtemperatur und die Milchschaumdichte kann zusätzlich voreingestellt werden. Wir empfehlen euch jeweils die mittlere Stufe. Was dann an Milchschaum produziert wird kann sich wirklich sehen lassen.

Hier macht Sage vor was Schaumtechnisch im Thermoblock möglich ist. Wäre doch im Bereich der Temperaturkonstanz genauso sorgfältig gearbeitet worden…

Doppelwandiges Sieb der Sage Bambino Plus

Espresso-Unfall – wenn Brühtemperatur nicht konstant ist

So schade, was da als Espresso aus der Sage Bambino Plus heraussprudelt. Leider nicht viel Leckeres. Zum einen verhindert das mitgelieferte doppelwandige Sieb eine sorgfältige Einstellung einer Mühle. Ein doppelwandiges Sieb ist für die Zubereitung von vorgemahlenem alten Kaffee gedacht und nicht für die Zubereitung von frisch gemahlenem Kaffee. Von innen sieht ein solches Sieb „normal“ aus. Viele Öffnungen ermöglichen den Durchfluss des Kaffees in eine Zwischenkammer. Allerdings hat diese wiederum nur einen winzigen Ausgang, ein Loch von ca. 0,3 mm. Der Espresso zwängt sich dann durch dieses Loch, wird durch den Druck aufgebläht (siehe auch unseren Blog-Beitrag zum Thema Crema). Eine präzise Einstellung der Mühle ist unter diesen Umständen genauso wenig möglich, wie eine gleichmäßige Extraktion.

Da wir in der Kaffee-Akademie weitere Siebe haben, konnten wir das Extraktionsverhalten der Maschine jedoch auch mit einem einwandigen Sieb testen. Leider hat das den Geschmack des Espresso nicht wesentlich verbessert. Der Grund dafür liegt vor allem in der inkonstanten Temperatur der Sage Bambino Plus.

Die durchschnittlich perfekte Brühtemperatur für Espresso liegt bei 93 Grad. Gute Espressomaschinen halten die Brühtemperatur über einen langen Zeitraum bei eben dieser Temperatur. Nicht so die Sage Bambino Plus.

 

Zunächst steigt die Temperatur in der Extraktion auf mindestens 98 Grad. In einigen Fällen haben wir auch Temperaturen von 102 Grad gemessen. Dann fällt die Temperatur auf unter 85 Grad ab. Das ist heftig und haben wir so auch noch nicht oft gesehen. Sensorisch äußert sich das in zwei Extremen: die hohen Temperaturen tragen eine unangenehm-harsche Bitterkeit zum Espresso bei und hinterlassen ein trockenes Mundgefühl. Die niedrigen Temperaturen sorgen für stechende Säure. Insgesamt wird der Espresso nicht gleichmäßig extrahiert.

Richtig schade, aber zum Espresso zubereiten können wir die Maschinen nicht wirklich empfehlen.

Export der CSV-Temperaturmessung

 

Fazit zur Sage Bambino Plus

Die Sage Bambino Plus ist eine gute Milchschaummaschine. Leider überzeugt sie uns nicht als Espressomaschine. Schwierig nachvollziehen, was Sage da konstruieren wollte. Vielleicht ist der Fokus auf die wirkliche herausragende Milchschaum Performance auch ein Statement: Milch auf dem Espresso neutralisiert Säure und Bitterkeit recht gut und die Milchsüße bringt eine schöne Balance.

Was wir uns wünschen würden. Die Milchperfomance der Sage Bambino Plus in der herausragenden Espressomaschine der Ascaso Steel Duo PID. Das wäre unser Wunsch-Thermoblock.

6 Kommentare

  • Hey,

    ich bin ebenfalls ein (leidvoller) Besitzer dieses Modell. Einige Anmerkungen
    1. Der Siebträger ist mit der Zeit leichter einzurasten. Festhalten muss man trotzdem.
    2. Die Abdeckung oben wird nicht warm, da sie weder aktiv beheizt ist, noch ausreichend Abwärme entsteht
    3. Abgesehen vom Bezug entsteht keine Wärme innerhalb der Maschine (siehe Standby-Stromverbrauch)
    4. Die Schläuche vom “Thermoblock” zum Siebträger sind nicht isoliert. Nachträglich zu isolieren ist schwer möglich, da die Schlauchschellen Einwegverbindungen sind
    5. Das “ThermoJet®-Heizsystem” erzeugt so gut wie keine Abwärme und wird nur beim Bezug selbst beheizt. Daher wird der Rest auch nicht wirklich warm, das Element bleibt handwarm. Zusätzlich ist es in Kunststoff gekapselt.

    -Habt ihr versucht mit Sage Kontakt aufzunehmen und auf das Problem hinzuweisen?
    -Könnt ihr in die Temperaturgrafik auf der X-Achse die wesentlichen Marker wie Bezug Anfang, Bezug Ende, Preinfusion, Tastendruck einfügen?
    -Könnt ihr bitte den Link zur csv Datei korrigieren?
    -Wie wurde gemessen?

    von CM
  • Wie sieht das mit der Temperatur aus, wenn man nur einen Espresso also mit 7-8g Kaffee macht? Wirkt sich die Temperaturschwankung dann vielleicht nicht ganz so dramatisch aus? Würde mich sehr interessieren, da die Milchschaum-Funktion echt praktisch ist. Die Maschine gibt es auch übrigens noch komplett ohne Plastik-Optik :)

    von Tobias
  • So, Dank der Google News App bin ich auf das Testvideo und dadurch auf den Test hier im Blog gestoßen.
    Einerseits eine Erleichterung, ich bin doch nicht total verblödet, Check ✔️. Anderseits tut die Gewissheit doch irgendwie weh das die Maschine nichts taugt.
    Denn genau das was ich festgestellt habt und der User “Basl” kann ich leider nur Unterschreiben.
    Ich habe ziggggg Bohnen Sorten getestet und in 90% war das Ergebnis bitte Röder Sauer, trotz Feinwaage und peniblen abmessen, wiegen, 20-25sek, Brüh Ratio von 1-2,5 usw.
    Zuletzt habe ich mir die exakte Ratio, Durchlaufzeit, Gramm Anzahl meines liebljngs Espresso hier in Köln geben lassen und habe den Geschmack nicht ansatzweise selber hinbekommen. Hab die Maschine samt Mühle jetzt ein Jahr und geschätzt 300-400€ Dank Home-Office bei roastmarked gelassen um endlich endlich die richtige Bohne zu finden.. alles für den ****. Danke für euren Test und alle die sich für die Maschine interessiert haben sollte das eine Warnung sein.. macht einen grooooßen Bogen und erspart euch den Frust.

    von Rob
  • sehr interessanter Artikel. Der Teil, der mich am meisten faszinierte, ist der Temperaturtest;Wo wurde die Temperatur gemessen? direkt in den Becher oder aus dem Filterhalter

    von Thaddäus
  • Könntet Ihr bitte die x-Achse in der Grafik korrigieren? Irgendwas stimmt da mit den Sekunden nicht. Wäre echt interessant, wenn man sehen könnte welche Temperatur bei welcher Zeit vorliegt.

    von espressoboy

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