Ascaso Steel Duo PID Test - Fingerzeig für die Zukunft der Espressomaschinen

Die Ascaso Steel Duo PID ist eine Thermoblock-Espressomaschine, die Maßstäbe setzt. Sie vereint hohe Temperaturstabilität mit einer schnellen Aufheizzeit und hat dennoch für eine Espressomaschine einen relativen geringen Stromverbrauch. Die Kombination dieser Merkmale hat bei unseren Testern Michel Aeschbacher (Vize-Baristameister in der Schweiz) und Benjamin Hohlmann (Deutsche Cup Tasting Meister) nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Die Ascaso Steel Duo PID wurde im Rahmen unserer Thermoblock-Testreihe getestet. Nach einer umfangreichen Testreihe mit Zweikreiser-Espressomaschinen, veröffentlichen wir Woche für Woche einen weiteren Espressomaschinen-Test.

 

Erster Eindruck zur Ascaso Steel Duo PID

Die Espressomaschinen Aficionados der Kaffeemacher befinden sich in einer gemeinsamen WhatsApp Gruppe. Dort teilen wir Maschineneindrücke, machen uns auf herausragende Espressi oder interessante Inhalte aufmerksam. An diesem Ort werden auch mit kurzen, prägnanten Worten Testergebnisse zusammengefasst. Michels Kommentar nach der ersten Messung der Ascaso Steel Duo PID lautete schlicht und einfach «krass». Beigefügt war folgender Screenshot der 1. Messung des Temperaturverlaufes der Ascaso Steel Duo Pid. Felix Antwort: "das ist schon ziemlich geil".

Das fasst in der Tat viel zusammen, was wir im Folgenden noch ausführen werden. Schon mal vorweg: es gibt auch einiges, was wir uns von der Ascaso Steel Duo PID an Verbesserungen wünschen. Dennoch ist sie in vielerlei Hinsicht auch ein Fingerzeig in welche Richtungen es mit zukünftigen Espressomaschinen gehen kann. Nämlich in Richtung Thermoblock oder kleinere Boiler, in Richtung Energiesparsamkeit und schnelle Aufheizzeit. All’ das sind wirklich starke Argumente für eine Espressomaschine für den Heimgebrauch.

 

Zusammengefasst die Stärken und Schwächen

Stärken

  • Temperaturkonstanz von Bezug zu Bezug und über mehrere Extraktionen
  • Aufheizgeschwindigkeit (3 Minuten)
  • Energieverbrauch
  • Espressoqualität (kann mit einfachen Upgrades gesteigert werden)
  • Hochwertiger Siebträger mit Holzgriff
  • Steuerung (Volumetrik, Display)
  • Seitlicher Wassertank

Schwächen

  • Verarbeitung, vor allem im Inneren
  • Milchschaum Power
  • Erwärmung der Maschine
  • Konstruktion der Tassenstandfläche
  • Zubehör (Tamper, Siebe)

 

 

Das Thermoblock-Duo der Ascaso Steel PID

Zwei Thermoblocks geben der Ascaso Steel Duo PID ihren Namen. Einer dieser beiden Thermoblocks bringt das Brühwasser auf Temperatur. Die Temperatur dieses Blockes lässt sich mit einer PID-Steuerung über ein Display an der Front der Espressomaschine einfach einstellen. Ein zweiter Thermoblock ist für die Zubereitung der Milch verantwortlich. In beiden Fällen wird Wasser durch ein spiralförmig aufgerolltes Edelstahlrohr gegeben, welches in einem Aluminium-Block liegt. Der für das Brühwasser verantwortliche Thermoblock sitzt dabei direkt über dem Siebträger und sorgt für eine gute Durchwärmung des Siebträgers. Das macht Ascaso deutlich besser als andere Thermoblocks die wir bisher getestet haben. Diese haben stetig damit zu kämpfen, dass die Temperatur des Siebträgers zu kalt ist. Das führt automatisch auch zu einem Abkühlen der Brühtemperatur während der Brühung, da Temperatur an den Siebträger verloren wird. Wir konnten bei der Ascaso Steel Duo PID auch im Ruhezustand Temperaturen von 89 – 92 Grad im Siebträger messen.

Das Aufheizzeit des Thermoblock-Duos für sich genommen ist nicht spektakulär. Wie bei allen anderen Thermoblocks signalisiert die Maschine sehr schnell Betriebsbereitschaft (nach 2 Minuten). Wirklich spannend wird die Geschwindigkeit erst dadurch, dass die Ascaso Steel Duo PID dann auch wirklich betriebsbereit ist – im besten Sinne des Wortes.

 

Temperaturkonstanz – katalanische Champions League

Die Firma Ascaso liefert in Sachen Brühtemperatur das, was einen Thermoblock zu einer kaum schlagbaren Technologie für die Erwärmung des Brühwassers zur Zubereitung von Espresso macht: Konstanz vom Feinsten. Sowohl während dem Bezug als auch von Bezug zu Bezug nimmt es die Asacso Steel Duo PID mit jeder von uns angeschauten Zweikreiser-Espressomaschine auf. Die Brühtemperatur gleitet dahin wie eine Linie und die Temperatur-Veränderung über 5 Doppelbezüge in 5 Minuten beträgt lediglich einen Grad. Da ist Champions League Qualität, was die 1962 gegründete Firma aus Barcelona da in die Brühgruppe bringt. Und um bei Fußball-Beispielen zu bleiben: daneben wirkt die Weiterentwicklung mancher Boiler-Maschine über letzten Jahre so pomadig, wie der europäische Fussball, als 2008 bis 2012 die spanische Nationalmaschaft und der FC Barcelona unter Pep Guardiola mit einem neuartigen Tiki-Taka-Fußball über sie herein brachen.

Nun muss man sagen: Thermoblocks sind natürlich nichts Neues, wenn es um die Erhitzung von Brühwasser geht. Filterkaffeemaschinen haben seit Menschengedenken den Sound des Thermoblock-Wassers ausgestoßen. Neu oder neuer ist, dass die Temperatur aus den Thermoblocks der Ascaso Steel Duo PID dank einer intelligenten Temperatursteuerung in der von uns gewünschten Temperatur abgeliefert wird. Ein guter Espresso lässt sich bei Temperaturen zwischen 92 und 94 Grad zubereiten (Log-File der Messung).

 

Boiler versus Thermoblock

Es bleiben wenige Argumente, die in Sachen Espresso-Zubereitung für Zuhause für eine Boiler-Espressomaschine sprechen, wenn ein Thermoblock performt, wie es der Brüh-Thermoblock der Ascaso Steel Duo PID tut. Zu den Boiler- und Kesselmaschinen gehören Einkreiser-, Zweikreiser- und Dual-Boiler Espressomaschinen.

  • Die Temperatur ist mindestens so konstant wie die Temperatur der besseren der von uns untersuchten Zweikreiser-Espressomaschinen
  • die Maschine ist innerhalb von ca. 3 Minuten auf kompletter Betriebstemperatur (während Zweikreiser-Espressomaschinen 20 Minuten und mehr benötigen)
  • die Maschine hat einen deutlich geringen Energieverbrauch (siehe nächster Punkt), selbst wenn man sie nicht abschalten würde, was ja durchaus möglich ist, da sie in kurzer Zeit wieder hoch heizt.
  • Darüber hinaus steht Wasser nicht im Boiler. Für die Zubereitung des Espresso wird also frisches Wasser angeliefert.
  • Eine geringere Verkalkungstendenz ist eine weiteres Pro-Argument für einen Thermoblock.

Für einen Boiler spricht:

  • Besseres Milchschaum verhalten, sowohl in Sachen Kraft als auch was die Kontinuität der Dampfausgabe angeht.
  • Bewährte Traktor-Mentalität in gastronomischen Settings.

Uns fallen nicht viele weitere Argumente ein, die für einen Boiler sprechen, wenn ein Thermoblock so liefert wie die Ascaso Steel Duo PID. Bitte helft uns auf die Sprünge, wenn ihr noch weitere Punkte findet!

 

Energieverbauch

Wir haben den Verbrauch in Kilowattstunden nach 5 Minuten und dann folgenden 5 Espresso-Doppio-Bezügen getestet. Genutzt haben wir dafür einen Adapter von MyStrom.ch. Die Messung gab einen Verbrauch von 0.09 kWh an.

Nach weiteren zwei Stunden haben wir erneut eine Extraktion eines doppelten Espresso durchgeführt. Nun lag der Verbrauch bei 0,28 kWh.

Der zweite Wert lässt sich mit dem Verbrauch der Zweikreiser-Espressomaschinen vergleichen. Diese haben wir ebenfalls nach zwei Stunden gemessen. Den geringsten Verbrauch verbuchten die Xenia Espresso mit 0,48 kWh und die Bezzere BZ10 mit 0,48 kWh. Schlusslicht war die Bezzera Magica S mit 0,72 kWh.

Hier ist noch anzumerken, dass aufgrund der kurzen Aufheizzeit die Ascaso Steel Duo PID auch hätte abgeschaltet werden können. Dann hätte sich der Wert des Verbrauches nach zwei Stunden noch einmal reduziert.

 Seitenansicht der Ascaso Steel Duo PID

Verarbeitung der Maschine

Zu den größten Kritikpunkten an der Maschine gehört die Verarbeitung. Das Äußere der Maschine wirkt blechern, insbesondere wenn man auf die Seitenwände oder auch die Stellfläche der Tasse klopft. Vergleicht man das mit einem Edelstahlboliden der Zweikreiser-Klasse in der gleichen Preisrange, dann machen ECM, Rocket und co. das Rennen.

Dafür kontert die Ascaso Steel Duo PID aber mit einem der schönsten Siebträger im Standart-Lieferumfang. Ein Holzgriff ist bei vielen anderen Maschinen ein Upgrade, hier aber bereits dabei. Der Blick in die Maschine ist nichts für Freunden und Freundinnen der gepflegten Kabel-Verlegung. Vielleicht war hier auch die Tiki-Taka-Taktik am Werk, jedoch eher zum Nachteil der Maschine. Es wirkt alles etwas unaufgeräumt was da verlegt ist. Wir haben Rückmeldungen von Nutzern der Ascaso Steel Duo PID erhalten, dass Schrauben nicht richtig verschraubt waren und Kabel eingeklemmt. Das konnten wir bei uns nicht bestätigen, dafür aber eine abgefallene Plastikabdeckung. Nicht gravierend, aber doch Ausdruck dessen, dass hier nicht die gleiche Sorgfalt angewendet wurde, wie bei der Kalibrierung der Maschine.

Die Ascaso Steel Duo PID ist 27 cm breit, 31,5 cm tief und 36 cm hoch. Der Wassertank fast 2 Liter und die Maschine bringt es auf ein Gewicht von 15 kg.

Von außen macht die Ascaso Steel Duo PID zunächst eine gute Figur. Doch wer genauer hinschaut findet unschöne Nebeneffekte. Die Tropfschale ist eigentlich aus Plastik und hat lediglich eine Metall-Blende. Die Schräge der Tassenstellfläche sorgt dafür, dass die Tassen im Laufe der Extraktion durch die Vibration nach hinten rutschen. Selbst wenn man die Tassen zunächst voneinander entfernt aufstellt, kuscheln sie am Ende des Bezugs am hinteren Ende der Stellfläche. Die Folge ist ein Tassen-Klirr-Orchester, welches die Lautstärke hochfährt.

Für unser Empfinden sorgt die Tassenheizung für deutlich zu viel Temperatur. Wir würden dazu raten diese am inneren Stecker abzustecken. So warme Tassen braucht man nicht. Die Maschine liefert, zumindest wenn länger an, immer noch genug Abwärme. Wenn ihr die Maschine immer nur kurz im Betrieb habt, dann macht die Heizung natürlich Sinn.

 

Espressoqualität der Ascaso Steel Duo PID

Für viele Schritte auf dem Weg zum perfekten Espresso ist der oder die Barista verantwortlich. Kaffee-zu-Wasser-Verhältnis, der Mahlgrad, eine gute Vorbereitung des Kaffees im Siebträger, die Verteilung und das Tampen. Dann folgt das Werk der Espressomaschine. Was die Ascaso Steel Duo PID hier grundsätzlich leistet, ermöglicht einen perfekten Espresso. Konstante Brühtemperatur und konstanter Druck sind die grundlegenden Faktoren, für ein gutes Ergebnis.

Und so haben wir auch viele gute Espressi getrunken (unseren Dreispitz-Espresso, um genau zu sein) und doch haben wir mit zwei kleinen Eingriffen die Qualität noch verbessert. Zum einen haben wir die Dusche der Ascaso Steel Duo PID gegen die IMS Competitions Dusche getauscht. Das macht in der Verteilung einen unglaublichen Unterschied. Das Wasser wird dadurch sehr homogen auf den gesamten Kaffee verteilt. Zum anderen haben wir die Siebe gegen größere Siebe von IMS ersetzt. Deren Löcher reichen näher an den Rand als die der kleinen mitgelieferten Siebe, die knapp 15 Gramm fassen. Außerdem ermöglichen sie durch eine Füllmenge von gut 19 Gramm, dass längere Getränke bezogen werden können. Das macht sowohl für Espresso als auch Cappuccino Sinn.

 

Milchschäumen ist keine Paradedisziplin der Ascaso Steel Duo PID

Wer überwiegend Milchmischgetränke trinkt, der ist mit der Ascaso Steel Duo PID vermutlich nicht perfekt ausgerüstet. Denn die Milchschaum Perfomance kann mit dem Schäumverhalten von Zweikreis-Espressomaschinen in der gleichen Preisrange nicht mithalten. Zu gering ist der Druck, der durch den zweiten Thermoblock aufgebaut wird. Man kann mit der Ascaso Steel Duo PID auch eine 0,6er Kanne schäumen, doch das braucht wirklich viel Übung und Erfahrung, um die Milch gleichzeitig zu ziehen und zu rollen (siehe dazu auch Latte Art Tutorial).

Wir empfehlen den Griff zur kleinen 0,3er Kanne. Mit etwas Übung wird dann der Milchschaum gelingen. Wenn das Cappuccino und co. aber eine große Rolle in der Getränkeauswahl spielen, dann würden wir eher zu einer Zweikreiser-Espressomaschine raten.

 

Fazit zur Ascaso Steel Duo PID

Die Ascaso Steel Duo PID ist in vielerlei Hinsicht eine exzellente Espressomaschine. Vor allem die Temperaturkonstanz ragt heraus. Damit macht die Maschine vor, was in Sachen Thermoblock möglich ist. Mit einer derartigen Konstanz, auch über mehrere Bezüge hinweg, ist die Maschine ein Fingerzeig für mögliche Entwicklungen im Bereich der Espressomaschinen für den Heimgebrauch.

Viele klassische Espressomaschinen-Hersteller setzen weiterhin auf große Boiler, die auf Temperatur gebracht und gehalten werden müssen. In der Theorie sind diese dann konstant, wobei unser Zweikreiser-Test auch gezeigt hat, dass das nicht für alle Maschinen gilt. Fest steht jedoch: für wenige Espressi am Tag muss sehr viel Wasser erhitzt werden. Dass es dafür smartere Lösungen gibt beweist der Thermoblock. Wenn nun Hersteller wie Ascaso oder Decent in einem höheren Preissegmenten beweisen, dass sich die Temperatur auch bei Thermoblocks perfekt einstellen lässt, dann werden sind wir gespannt, wie das zu einer Inspiration für den Markt wird. Wir freuen uns darauf, was sich womöglich in den nächsten Jahren an dieser Stelle noch tun wird.

27 Kommentare

  • Hallo Zusammen

    Ich bin nun seit ca. zwei Monaten Besitzer einer Ascaso Steel Uno PID. Grundsätzlich bin ich mit der Maschine sehr zufrieden. NUR gibt es ein Punkt der mich seht stört. Die Maschine beginnt bei der Extraktion von einem Espresso sehr stark zu Vibrieren. Die Vibrationen sind so stark, dass sogar die Kaffeetasse wandert. Wenn man nicht aufpasst, dann lauft der halbe Kaffee neben der Tasse durch. Die Maschine konnte ich aufgrund der Garantie bereits einmal austauschen. Aber die Problematik ist auch bei der neuen Maschine vorhanden…..

    Ich frage mich, ob ich etwas falsch mache? Hätte jemand evtl. einen Tipp? Oder ist die Problematik weiter bekannt?

    Würde mich über eine Rückmeldung freuen.

    von Yves
  • Hallo Kaffeemacher,

    Toller Bericht. Daraufhin habe ich mich für eine Ascaso Steel Uno entschieden und bin super zufrieden. Leider verstehe ich die Volumetrik nicht.
    Habe die Taste Lange gehalten bis 32ml in der Tasse waren. Sollte die Maschine jetzt nicht immer bei ca 32ml stoppen?
    Habe die Bohnen gewechselt und jetzt laufen plötzlich ca 60ml durch. Sollte das die Volumetrik nicht verhindern?

    Danke für eure Hilfe.

    Gruß Tino

    von Tono
  • Please test Rancillo Silvia Pro – it is even more temperature stable than Ascaso…

    von MM
  • Ein weiterer toller Testbericht, Danke!
    Was mir (erst recht im Hinblick auf alle noch angekündigten Videos ;-) fehlt:
    Ein anständiges Verzeichnis, Link-Struktur, Ordnerstruktur – egal, einfach eine Möglichkeit, die Videos bei Euch zu finden!
    Oft ist googlen nach kaffeemacher und einem Stichwort die einzige Möglichkeit, wie ich zu einem gesuchten Video gelange. Weder auf Eurer Homepage noch bei Youtube kriege ich einen Überblick über vorhandene Videos zu den verschiedenen Maschinentypen – echt schade bei dem, was man da verpassen könnte!

    Lieben Gruss
    Hansruedi

    von Hansruedi Naef
  • Ich habe euer neustes Video “Espressomaschinen-Fragen mit Technik-Profi Philipp Mayr” mit Interesse verfolgt. Als Philipp erklärte, dass bei der Ascaso Uno die Dampfleistung aufgrund der höheren Temperatur deutlich besser als bei der Duo funktioniert, kam mir die Idee, den Dampf-Temperatursensor der Duo mit einem in Reihe geschalteten Potentiometer nach zu steuern. Jedenfalls wenn der Dampf-Thermoblock der Duo nicht per PID gesteuert wird, sondern mit klassischen Temperatursensor, müsste das für elektrotechnikinteressierte Cappuccinotrinker recht einfach umsetzbar sein. Nur mal so als Idee zur Überlegung und Diskussion. Wäre ja zu schade, wenn man mit der Dampfschwäche der Duo dauerhaft leben müsste.

    von Thomas S.

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